Flammende Sterne? Lichterfest? Nein, ein Geburtstag auf Degerlochs Höhen Foto: Armin Brinzing

Ja, ist denn schon wieder Neujahr? Stuttgart staunte über ein Großfeuerwerk auf der Waldau. Dass der Anlass ein privater war, erstaunt nicht unbedingt: Solche Freudenfeuer liegen im Trend.

Stuttgart - Man kann nicht gerade behaupten, dass die Fußballer von der Spielgemeinschaft ABV/TSV 07 Stuttgart auf dem Platz ein Feuerwerk abbrennen würden. Die erste Mannschaft muss schon wieder aus der A-Klasse absteigen, ist derzeit mit zehn Punkten Tabellenletzter – da ist das Pulver wohl schon verschossen. Am späten Mittwochabend aber hat man es auf der Sportanlage auf der Waldau so richtig krachen lassen – und ganz Stuttgart wunderte sich über ein Großfeuerwerk auf Degerlochs Höhen.

Ja, ist denn schon Silvester?

Nein. Einfach ein Geburtstag. Ein runder. Bernd Schmalzriedt, Vorstandsmitglied des TSV 07, zuständig für den Platz, das Vereinsheim, den Spielbetrieb, hat mit 130 Gästen seinen Fünfzigsten gefeiert. Und das nicht etwa mit Böllern aus dem Baumarkt. „Ich habe dafür eine professionelle Firma beauftragt“, sagt Schmalzriedt. Mit allem Drum und Dran. Organisation, Genehmigung, Absperrmaßnahmen, Show. Das hat sich der Neu-Fünfziger mehrere Tausend Euro kosten lassen.

Auf der Waldau ist das nicht unbedingt eine Seltenheit. „Auch vom Waldhotel kommt gelegentlich die Anfrage, auf unserem Platz für eine Hochzeit ein Feuerwerk veranstalten zu dürfen“, so das Vorstandsmitglied.

Genau acht Minuten und 48 Sekunden dauerte das Feuerwerk

Dieser Knaller gegen 22 Uhr war freilich eine Nummer größer. Genau acht Minuten und 48 Sekunden dauerte das flammende Spektakel, in dem reichlich Sprengstoff steckte. „Das war schon etwas Größeres“, sagt Manuel Grüninger, der mit dem erfahrenen Waiblinger Pyrotechniker Valentin Schuster in Stuttgart losfeuerte. Normalerweise ist das Team mit den Aufbauarbeiten fünf bis sechs Stunden beschäftigt. In diesem Fall waren es sogar elf Stunden. Dabei sind Geburtstage und Jubiläen für Pyrotechniker eher selten Anlass für einen Auftrag. Schon eher diverse Festivals und Shows im Land.

„Der Hauptmarkt bei den privaten Feuerwerken sind auf alle Fälle die Hochzeiten“, sagt Grüninger. Dieser Markt erlebt ein Feuerwerk. Freilich geht das nicht überall: „In Städten mit Altbauten oder im Norden mit Reetdächern gibt es aus Sicherheitsgründen dafür keine Chance“, so Teamkollege Schuster. Eine Erlaubnis für Degerlochs Höhen sei kein Problem gewesen.

Genehmigt wird nur auf kleiner Flamme

Wer jetzt aber glaubt, einfach mal so seinen nächsten Geburtstag mit Pauken und Raketen feiern zu können, dürfte enttäuscht sein: „Wir sind da sehr restriktiv und genehmigen so etwas nur auf kleiner Flamme“, sagt Stefan Praegert, Leiter der Dienststelle Allgemeine Sicherheits- und Ordnungsangelegenheiten beim Ordnungsamt. Warum dann aber ein Fünfziger? Da gibt es eine Lücke im Gesetz: „Der Unterschied ist, dass hier nicht ein Privatmann auftritt, sondern der Inhaber einer sprengstoffrechtlichen Erlaubnis“, sagt Praegert. Und ein solcher Gewerbetreibender brauche keine Genehmigung, sondern müsse sein Vorhaben nur anzeigen. Wenn Brandschutz, Naturschutz, Lärmschutz oder Verkehrsfragen nicht dagegen sprechen, gibt es auch keinen Widerspruch.

Das Thema Feuerwerk zündet auch beim Amt immer stärker. „Die Tendenz zeigt deutlich nach oben“, sagt Praegert. Silvester ist immer öfter. 2013 wurden 68 Fälle bearbeitet, 2014 schon 109, im vergangenen Jahr bereits 120.

Bernd Schmalzriedt hat vorerst kein Bedürfnis mehr nach einem Feuerwerk. So eine Firma ist ja auch nicht billig. Vielleicht sollte er ja 100 Jahre alt werden. Bei einem solchen runden Geburtstag, heißt es bei der Stadt, hätte man auch als Privatmann ganz gute Chancen auf eine behördliche Genehmigung. Sagen wir mal: Wenn’s nicht zu nah an einem Seniorenheim liegt.

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