Mitten im Hochschwarzwald: Das Hotel Sankt Florian am Rande von Hinterzarten bietet Feuerwehrleuten die Chance auf einen Urlaub unter Kameraden. Foto: Fuchs

Im Hotel Sankt Florian ist jeder Gast willkommen. Nur darf eben nicht jeder ein Gast sein. Er muss schon retten, bergen, löschen können.

Hinterzarten - Zum Sankt Florian geht es den Berg hinauf. Das Hotel am Titisee mit seinen drei Gebäudeteilen thront am Hang; der Querwanderweg Freiburg-Bodensee führt direkt an dem Haus vorbei. Es ist eigentlich ein Hotel wie viele andere, mit Rezeption, Restaurant, Bar, Tagungsräumen, mit Sauna und Fitnessbereich. Besonders wird das Haus aber durch seine Gäste, denn im Sankt Florian kommt beileibe nicht jeder unter: Er sollte schon bei der Feuerwehr sein.

 

Das Haus gehört dem Landesfeuerwehrverband und wird betrieben von einem Trägerverein. Das Ziel: eine schwarze Null erwirtschaften – und den vielen freiwilligen Feuerwehrleuten ein relativ kostengünstiges Erholungsschmankerl im Hochschwarzwald zu bieten. 34 573 Gästeübernachtungen zählte man in dem 128-Betten-Haus im vergangenen Jahr, so viel wie noch nie: Das entspricht einer Auslastung von mehr als 91 Prozent.

Fast 98 Prozent der Feuerwehrleute sind Ehrenamtliche

Etwa ein Fünftel davon residierte sechs Nächte auf Kosten der Landeskasse. Das Land spendiert verdienten Feuerwehrleuten als Anerkennung für ihre Einsatz im Dienst der Allgemeinheit regelmäßig Kurzurlaube am Titisee. Fast 98 Prozent aller Feuerwehrleute in Baden-Württemberg retten, löschen und bergen freiwillig. „Wir müssen unsere Ehrenamtlichen also schon für uns begeistern“, sagt Gerd Zimmermann, der Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbandes. Die Idee für ein „Feuerwehrerholungsheim“ wurde schon vor fast 70 Jahren geboren. Die Bayern hatten da schon eine entsprechende Einrichtung im Berchtesgadener Land und eine Hütte auf dem Brauneck bei Lenggries. 1956 wurde in Hinterzarten das baden-württembergische Heim für Floriansjünger eröffnet – und seitdem immer wieder renoviert, erweitert und umgebaut. Auch in Hessen, Niedersachsen, Sachsen und Schleswig-Holstein gibt es ähnliche Einrichtungen.

Feuerwehrleute finden immer was zum plaudern

Daniel Liersch, seit April der neue Hoteldirektor, hat noch wenig Gelegenheit gehabt, die Eigenheiten seiner speziellen Kundschaft kennenzulernen. Als er seinen Dienst antrat, kam er in ein vom Corona-Lockdown leer gefegtes Haus. Doch einige Besonderheiten sind dem 43-Jährigen, einem erfahrener Hotelier, schon aufgefallen: Es gehe auffallend wenig kaputt, die Gäste gingen sorgsam mit dem Inventar um, sagt Liersch, „das ist weit über dem Durchschnitt“. Und auch wenn Abstand halten das Gebot der Stunde ist – Feuerwehrleute unter sich finden immer etwas, worüber sie plaudern können: Da bleibt man nicht lange für sich.

„Meine Frau sagt immer, nach zehn Minuten seid ihr eh’ wieder bei der Feuerwehr“, sagt Werner Elsenhans und lacht. Der 66-Jährige aus Dagersheim (Kreis Böblingen) war 25 Jahre Abteilungskommandant seiner Heimatwehr und hat schon mehrfach im Sankt Florian Urlaub gemacht. Auch Silvester gefeiert hat er schon drei Mal am Titisee, dabei trifft er immer wieder alte Bekannte: „Das hat man sonst nicht“, sagt er.

Erst schuften, dann schonen

Gerade aber ist der Rentner nicht im Erholungsmodus, im Gegenteil. Er hat noch jede Menge zu tun. Gerade hat er mit einem Kollegen die kaputten Leuchten im Haus repariert. Drei andere sind auf dem weitläufigen Gelände unterwegs und mähen. Alle zusammen müssen in dieser Woche noch das Gestrüpp roden, das sich auf dem Felsen oberhalb des Weges ums Haus herum breit gemacht hat. „Das wird herausfordernd“, sagt Elsenhans.

Der Dagersheimer und seine Kollegen leisten seit Sonntag einen freiwilligen Arbeitsdienst. Eine Woche lang unterstützen sie den Hausmeister Emil Ruf bei den Arbeiten, die eben gerade anstehen. Dafür dürfen sie dann eine Woche lang im Sankt Florian gastieren, ohne für die Übernachtung bezahlen zu müssen. Sie finden es gut, dass es das Feuerwehrhotel gibt. „Wenn man das erhalten will, muss man was dafür tun“, sagt Frank Trinkner (52) aus Löchgau im Kreis Ludwigsburg.

Am Abend sitzt man vor dem Kamin

Der gelernte Forstwirt macht gerade eine kleine Mähpause, die Arbeit auf dem steilen Gelände ist mühsam und die Sonne brennt vom Himmel. Da biegt der Hausmeister um die Ecke. Sofort wird gefrotzelt. „Dem fällt jeden Tag noch mehr ein, was wir schaffen sollen“, beklagt sich Trinkner. Von wegen, lästert Ruf, „die sind abends immer noch viel zu munter“.

Dabei wird es in der kalten Jahreszeit gerade abends gemütlich. Dann wird der Kamin an der Bar angeschürt. Die Gäste des Feuerwehrhotels können in Ruhe ins pratzelnde Feuer schauen. Löschen müssen sie da nichts, nur ihren Durst.