Beim Bau des Gerätehauses im Jahr 2008 hatte man auf eine Absauganlage verzichtet – ein Fehler. Foto: Archiv Isabelle Butschek

Die Abgasbeseitigung im Feuerwehrhaus in Stuttgart-Weilimdorf soll zum Vorbild für die ganze Stadt werden.

Weilimdorf - Wie die Zeiten sich doch ändern können! Als vor zehn Jahren das neue Feuerwehrhaus in der Glemsgaustraße in Betrieb genommen wurde, hatten die Floriansjünger zuvor einen wichtigen Kampf verloren: Die Stadt befand es für unnötig, in dem neuen Gebäude eine Absauganlage für die Abgase aus den Auspuffen der Feuerwehrfahrzeuge zu installieren. „Das brauchen wir nicht, hieß es damals“, berichtet der Kommandant Dietmar Weber nun vor Ort. Und dies aus gegebenem Anlass: Die Stadt hat ihre Position geändert, sodass in das Gebäude nun tatsächlich eine solche Anlage eingebaut wurde. „Wir haben nicht locker gelassen“, betont Weber, „Denn das ist eine Frage des Gesundheitsschutzes“.

Wenn die kalten Diesel-Motoren gestartet werden, ist der Schadstoffausstoß besonders groß: „Was wir da produzieren, ist nicht Feinstaub, das ist Grobstaub“, erklärt Webers erster Stellvertreter Heiko Schroff und ergänzt: „Das sind, trotz unseres relativ modernen Fuhrparks, nicht zuletzt krebserregende Rußpartikel.“ Denen waren die Feuerwehrleute bisher ungeschützt ausgesetzt. Niederschlag fand dies auch im Gebäude selbst: „Wir haben drei Mal im Jahr die Halle geschrubbt, um den abgelagerten Glanzruß rauszubekommen“, berichtet Schroff. Dabei seien in anderen Bereichen die Gesundheitsvorschriften schon viel weiter: „Wir haben zum Beispiel Reservekleider, die wir nach einem entsprechenden Einsatz anziehen. Die Kleidung mit belastenden Stoffen kommt dann in den Sack und in die Reinigung.“

Kosten in Höhe von 35 000 Euro

Schwer vorstellbar, dass es dagegen in dem hoch belasteten Bereich der Fahrzeughalle zehn Jahre gedauert hat, bis Abhilfe geschaffen wurde. Zumal die Kosten in Höhe von 35 000 Euro für eine solche Anlage die Stadt finanziell nicht an ihre Grenzen treiben. Nicht locker gelassen haben auf der politischen Ebene vor allem die Freien Wähler (FW) im Gemeinderat, weshalb sie von der Feuerwehr nun auch zu einer Art inoffiziellen Einweihung der frisch installierten Absauganlage geladen waren. „Es war ein langes Ringen“, sagte Michael Schrade, der Vorsitzende der hiesigen Bezirksbeiratsfraktion. Den Durchbruch brachte ein FW-Antrag zum letzten Doppelhaushalt, mit dem 100 000 Euro für Absauganlagen in Weilimdorf, Degerloch und Riedenberg finanziert werden, denn bei diesen Gebäuden waren weder für die Planung noch hinsichtlich der Gebäude weitere Kosten fällig.

Dass die Fraktion auch insgesamt nicht locker lassen will, betonte Rose von Stein, die stellvertretende Vorsitzende der FW-Gemeinderatsfraktions: „Wir wollen, dass die Stadt analog den Schulen ein Feuerwehrhaus-Sanierungsprogramm beschließt. An der Notwendigkeit kann es keinen Zweifel geben.“ Klaus Dalferth, der Vorsitzende des Stadtfeuerwehrverbandes, nannte die Anlage in Weilimdorf ein „Muster für alle anderen Feuerwehrhäuser“. Hier ist nun der Auspuff aller sechs Fahrzeuge mit einem Absaugrohr verbunden. Vor dem Start wird die Anlage per Druck auf einen Knopf eingeschaltet, sodass die Abgase direkt abgesaugt und erst nach dem Passieren eines Filters ins Freie gelangen. Wenn das Fahrzeug losfährt, wird der Schlauch über einen an der Decke befestigten Schlitten mitgeführt und klinkt dann vor dem Tor automatisch aus. Weber nannte das System „einfach und wirkungsvoll“.

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