Von welchem Ort aus sollte die Feuerwehr ausrücken? Darüber streitet man in Backnang. Foto: Archiv (Weingand)

Ein von der Stadt bestellter Gutachter hat die Entscheidung zum Standort des Feuerwehrhauses bestätigt. Die Bürgerinitiative „Wir für Vier“ ist von den Argumenten aber nicht überzeugt.

Backnang - Viele Besucher im Backnanger Gemeinderatsausschuss für Technik und Umwelt sind nicht gerade alltäglich. Der erste Tagesordnungspunkt hat am Donnerstag viele angelockt, einige davon trugen Uniform. Es ging um die geplante Feuerwache Süd, deren Standort schon lange umstritten ist. Im Dezember 2015 hatte der Gemeinderat einen Bauplatz an der Neckarstraße zwischen Waldrems und Heiningen beschlossen, seitdem kämpft die Bürgerinitiative (BI) „Wir für Vier“ dafür, dass die Wache stattdessen an den Rand des Gewebegebiets Waldrems-West gebaut wird, am sogenannten Standort 4.

Das Interesse galt besonders dem Vortrag von Christof Backes. Der Sachverständige aus dem Saarland erklärte, warum der vom Rat beschlossene Standort auch aus seiner Sicht der beste sei. Er verglich die beiden Bauplätze mit Blick auf die Hilfsfristen. Besonders kritisch: die Frage, ob die Feuerwehr in weniger als zehn Minuten nach einem Notruf am nördlichen Rand von Maubach sein kann. Denn das wäre für beide Standorte der am ungünstigsten gelegene Punkt.

Experte: Vom Standort 4 wäre das Ausrücken erst später möglich

Der von der Bürgerinitiative (BI) geforderte Standort liegt näher an der B 14. Laut dem Gutachter wäre das aber kein Vorteil – im Gegenteil. „Entscheidend ist die Fahrt der Feuerwehrleute zum Feuerwehrhaus“, erklärte er und rechnete vor: Zwar könne der Standort 11, der von der Verwaltung favorisiert wird, von Feuerwehrleuten aus Maubach erst später erreicht werden, doch mit Kräften aus Heiningen und Waldrems könne das erste Feuerwehrauto schon nach 3,3 Minuten ausrücken. Am Standort 4 hingegen würde die Fahrt erst nach fünf Minuten losgehen. Von beiden Standorten aus würden die Retter bei guter Verkehrslage in weniger als zehn Minuten am ungünstigsten Punkt sein.

Apropos Verkehrslage: Der künftige Ausbau der B 14 stellt Backes’ Ergebnis nicht auf den Kopf. „Auch nach Ausbauende ist zu erwarten, dass es zu einem Rückstau kommt. Dieser würde sich dann in der Hauptzufahrt zum Standort 4 befinden“, schreibt der Experte in seinem Bericht. In einem Fall, so Backes, wäre der von der BI geforderte Bauplatz tatsächlich der bessere: „Wenn das ein hauptamtlicher Standort wäre, der ständig mit Berufsfeuerwehrleuten voll besetzt ist. Ich weiß aber nicht, ob der Backnanger Haushalt das hergibt“, meinte er mit einem Augenzwinkern in Richtung des Rathauschefs Frank Nopper.

Initiative: „Alle Merkmale eines Parteiengutachtens“

Eines der Argumente der BI lautet, das Gewerbegebiet Waldrems-West als eines der Hauptrisikogebiete könne vom dortigen Standort aus schneller erreicht werden. „Das Baurecht zielt aber auf Menschenrettung ab“, betonte Backes. „Betriebe mit höherem Risiko müssen selbst Vorbeugemaßnahmen treffen.“ Das Fazit des Experten: „Insgesamt steht der Standort  11 besser da, die Faktenlage ist sehr deutlich.“ Oberbürgermeister Nopper und der Ausschuss sahen das als Bestätigung, richtig entschieden zu haben.

Die Initiative will sich bald mit einer ausführlichen Stellungnahme zu dem Gutachten äußern. Rainer-Udo Steck, Ortschaftsrat in Waldrems und BI-Mitglied sagte zu unserer Zeitung: „Das Gutachten erfüllt alle Merkmale eines Parteiengutachtens. Wir haben außerdem den Eindruck, dass der Gutachter mit den örtlichen Verhältnissen nicht gut vertraut ist.“ Außerdem bedauerte er, dass „Wir für Vier“ nicht in die Erstellung des Gutachtens mit einbezogen worden war.

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