Aus einem Fenster der Hausmeisterwohnung schlugen die Flammen drei Meter hoch. Foto:  

Großaufgebot der Feuerwehr in Hemmingen: Insgesamt 50 Einsatzkräfte löschen in der Nacht zum Freitag einen Brand im katholischen Gemeindehaus. Das angrenzende Gotteshaus bleibt verschont, doch der Bewohner wird durch Leichtsinnigkeit verletzt.

Hemmingen - Marco Speras Nacht zum Freitag war kurz. Beziehungsweise lang. Und intensiv: Gegen 22.30 Uhr wurden der Hemminger Feuerwehrkommandant und sein Team zu einem Einsatz in einem Mehrfamilienhaus in der Alten Schöckinger Straße gerufen. Ein Anwohner hatte Rauch bemerkt.

Kurze Zeit später stellte sich heraus, dass die Hausmeisterwohnung im Dachgeschoss des katholischen Gemeindehauses in Flammen steht. Nur wenige Meter daneben ist die katholische Kirche St. Georg. Die beiden baulich miteinander verbundenen Gebäude befinden sich „Giebel an Giebel“, sagt Spera. Die Feuerwehr musste also den Brand löschen und verhindern, dass er auf das Gotteshaus übergreift. Mit 50 Kräften vor Ort sei der Einsatz „personalintensiv“ gewesen, so Spera. „Es war schnell klar, dass es was Längeres wird.“ Die letzten Feuerwehrleute gingen am Freitagmorgen um 7 Uhr heim.

Über dem Haupteingang des Gemeindehauses drang aus dem Dachgeschoss dichter, starker Rauch. Eine „deutliche Rauchentwicklung“ habe er schon 50 Meter vor dem Einsatzort bemerkt, berichtet Marco Spera. Auf der Rückseite des Hauses hätten die Flammen drei Meter hoch aus dem Fenster geschlagen. „Zum Glück ging der Flammenausschlag hinten raus“, sagt Marco Spera. Dort ist zwar ein Wohnhaus, allerdings weiter entfernt als die Kirche. Wären die Flammen oben an einer Art Terrasse gewesen, hätte das Feuer durchaus auf das Kirchendach übergreifen können. „Wenn das Feuer später entdeckt worden wäre, hätten wir ein anderes Schadensbild gehabt“, sagt der Kommandant. Zumal die 61 Jahre alte Kirche in Holzbauweise errichtet sei und nicht gedämmt.

Der Sachschaden ist immens

Doch auch so hinterlässt das Feuer einen immensen Schaden: Laut der Polizei Ludwigsburg beträgt er etwa 150 000 Euro. Die Wohnung des 55-jährigen Hausmeisters brannte völlig aus und ist nun unbewohnbar. Wie es zu dem Feuer kam, ist noch unklar. Die Polizei ermittelt. Der Hausmeister kam laut der Beamten mit einer leichten Kohlenstoffmonoxidvergiftung ins Krankenhaus. Er hielt sich während des Ausbruchs des Brandes in der Nähe seiner Wohnung auf.

Nachdem der Anwohner, der bereits das Feuer gemeldet hatte, den 55-Jährigen informierte, habe dieser in dem Gemeindehaus nach dem Grund für das Feuer gesucht. Und sich in große Gefahr gebracht. Solche Aktionen sollte man tunlichst vermeiden, warnt der Kommandant Spera: „Rauch ist sehr gefährlich.“ Für eine Rauchgasvergiftung könnten schon wenige Atemzüge reichen. Im schlimmsten Fall führt eine Vergiftung zum Tod.

Die Feuerwehr musste stundenlang nachlöschen

Es sei gut gewesen, dass am Anfang viele Trupps da waren, sagt Marco Spera. Wegen des starken Rauches habe man umgehend das sogenannte Alarmstichwort von B3 auf B4 erhöht. Das Stichwort beschreibt Art und Umfang des Einsatzes. Die höchste Stufe ist B5. In Hemmingen rückten infolge weitere Wehren an: die Ditzinger und Schwieberdinger ebenso wie die Korntal-Münchinger mit dem scheidenden Kommandanten Thomas Bräuner. Zusätzlich kamen 15 Einsatzkräfte der Polizei und des Rettungsdienstes sowie der Kreisbrandmeister.

Das Erdgeschoss des Gemeindehauses blieb zwar vom Feuer verschont. Nicht aber vom Löschwasser. „Wir hatten extrem viel Nachlöscharbeiten“, sagt Spera, der um 5 Uhr wieder daheim war. „Merklich entspannter“ sei die Lage gut eine Stunde nach der Alarmierung gewesen. Jedoch sei das Feuer ins Gebälk gezogen, das verwinkelt ist. Um Glutnester aufzuspüren und zu beseitigen, mussten die abgehängte Decke entfernt und die Dämmung herausgenommen werden. Als die Nachlöscharbeiten beendet waren, hielten einige Feuerwehrleute Brandwache. Mit einer Wärmebildkamera kontrollierten sie die Temperatur. Spera: „Zeitweise war es so heiß, dass Glas geschmolzen ist.“

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