Das Winnender Mädle hat das neue Boot getauft. Foto: Stadt Winnenden

Winnenden wurde 2024 von der Flut überrascht. Nun ist die Feuerwehr besser gerüstet – mit einem Boot, das zur Not auch auf Gleisen fährt.

Es war eine dieser Nächte, die man nicht vergisst. In den frühen Stunden des 3. Juni 2024 schwoll der sonst so harmlose Buchenbach zu einem reißenden Strom an. Ohne Vorwarnung flutete das Wasser Keller, Tiefgaragen und Straßen – besonders in Birkmannsweiler und der Winnender Kernstadt (Rems-Murr-Kreis). „Die Welle kam ganz still“, sagte Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth später. Und mit ihr kam die Erkenntnis: Winnenden braucht mehr als Sandsäcke. Es braucht Vorbereitung, Technik – und Mut.

 

Als Antwort auf die Wassermassen, die sich wie aus dem Nichts über der Stadt ergossen hatten, wurde nun ein neues Einsatzmittel angeschafft, das man wohl weniger bei der Feuerwehr vermutet: das Hochwasserboot „Winnender Mops I“. Am Rande einer Gesamtausschusssitzung der Feuerwehr wurde es feierlich vorgestellt und getauft.

„Winnender Mops I“: Ein Symbol für Treue und Zuverlässigkeit

Der Name ist Programm – in Anlehnung an die bekannte Winnender Mops-Legende steht das Boot für Zielstrebigkeit, Heimkehr und Treue. „So wie der Mops sicher und unbeirrt den langen Weg von Belgrad nach Hause fand, soll auch unser Boot stets zuverlässig zu seinen Einsätzen ausrücken und wohlbehalten mit seiner Besatzung zurückkehren“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt Winnenden.

Die Legende vom Winnender Mops war namensgebend für das Feuerwehrboot. Foto: Gottfried Stoppel

Was auf den ersten Blick bescheiden wirkt, ist in Wahrheit ein technisches Multitalent: pannensichere Räder für Einsätze bei Niedrigwasser, ein Tiefgang von nur 18 Zentimetern, dazu eine Bauweise, die das Boot praktisch unsinkbar macht. Kein Motor, kein Lärm – der Ruderantrieb sorgt für lautlose Fortbewegung, wartungsfrei und verlässlich, wie es in der städtischen Mitteilung heißt. Sogar auf Bahngleisen könne das Boot fahren, berichtet der Winnender Feuerwehrkommandant Tobias Distler. Möglich machen das spezielle Spurkranzräder, die in Notlagen den Transport von Menschen oder Material erleichtern – selbst auf Schienenwegen.

Winnenden hat damit vorgesorgt. Das Boot ist auf einem Anhänger sofort verfügbar, jederzeit einsatzbereit. Für den Fall, dass das Wasser wieder lautlos kommt.

Sommer 2024: Flutkatastrophe trifft Winnenden hart

Der Sommer 2024 hat gezeigt, wie schnell es ernst werden kann. Keller liefen voll, die Buchenbachhalle wurde überschwemmt, Menschen mussten mit Booten gerettet werden – auch in der Innenstadt. Das Freibad wurde komplett überspült, die Tiefgarage unter Wasser gesetzt. Überall Schlamm, zerstörte Gärten, verwüstete Gewerbebauten.

Die Freiwillige Feuerwehr Winnenden war im Dauereinsatz – zunächst in Rudersberg, dann „gerade noch rechtzeitig“ zurück in der Heimatstadt, um Schlimmeres zu verhindern. Ein improvisierter Schutzwall an der Tankstelle, eine Evakuierung per Boot, brennende Keller – die Liste der Einsätze ist lang. Doch klar ist auch: Ohne Technik, ohne Training, ohne Teamgeist hätte es anders ausgehen können.

Feuerwehr Winnenden trainiert für den Ernstfall

Damit der „Winnender Mops I“ nicht nur als Symbol auf dem Anhänger steht, wird geübt. Die Feuerwehr kooperiert mit der DLRG, um die Mannschaft im Umgang mit dem Boot zu schulen – für realistische Einsätze in unwegsamem Gelände, auf stehendem oder fließendem Wasser. Hochwasserschutz ist in Winnenden längst kein abstraktes Thema mehr, sondern gelebte Realität.

Bereits im Januar hat die Stadt Winnenden ein interkommunales Projekt zur Hochwasserprävention auf den Weg gebracht – gemeinsam mit den Kommunen Leutenbach und Berglen. Frühwarnsysteme, bauliche Maßnahmen und klare Zuständigkeiten sollen künftig helfen, besser auf Extremwetter zu reagieren.

Winnenden hat reagiert – mit Technik, mit Kooperation. Der „Winnender Mops I“ ist dabei mehr als ein neues Feuerwehrgerät. Er ist ein Versprechen. Ein Zeichen, dass man sich auf die Freiwillige Feuerwehr verlassen kann.