Die historischen Feuerwehrleute löschen nicht nur den vorgetäuschten Rathausbrand, sondern sorgen auch für die Erfrischung der Zuschauer. Foto: Edgar Layher

Das Winnender Rathaus brennt – rasch muss eine Eimerkette her. Die Feuerwehr hat am Wochenende bei einer historischen Schauübung gezeigt, wie anno dazumal Feuer gelöscht wurden.

Winnenden - Ein Samstagnachmittag um 1800. Die Hitze brütet über Winnenden. Plötzlich ertönt ein Hornsignal im Stadtkern: Im Rathaus brennt es, der Feuerreiter schlägt Alarm! Eine Feuerwehr im heutigen Sinne gibt es noch nicht. Stattdessen muss jeder anpacken. Der Schmied, Zimmerleute, ein Bäcker – alle kommen mit Eimern herbeigeeilt, schöpfen Wasser aus dem Brunnen und bilden eine Eimerkette. Die Schaulustigen werden ziemlich nass – und johlen vor Vergnügen.

In Winnenden hat der Landesfeuerwehrverband am Wochenende gezeigt, wie vor zwei Jahrhunderten noch gelöscht wurde. Der Rauch, der aus den Fenstern des alten Rathauses quillt, ist nicht echt – ebenso wenig wie der Dummy-Schultes, eine Puppe, die kurze Zeit später todesmutig in ein Sprungtuch stürzt, hinter der Stadtkasse her. Dass diese auf dem Boden landet und die herausrollenden Schokomünzen von einer Meute minderjähriger Plünderer erbeutet werden, kann niemand verhindern.

Die ganze Innenstadt stand am Samstag und am Sonntag im Zeichen der Feuerwehr. Das sechste Landesfeuerwehr-Oldtimertreffen und ein Wettbewerb für historische Handdruck-Feuerspritzen – beides fand zum ersten Mal am selben Termin und am selben Ort statt. Der Anlass waren die Heimattage, die Winnenden in diesem Jahr austrägt.

Feuerwehrautos sind mehr als nüchterne Gebrauchsfahrzeuge. Das wird dem Besucher angesichts von vergoldeten Wappen und Schriftzügen, blitzblank poliertem rotem Lack und den simpel-genialen Konstruktionen von anno dazumal schnell klar. Doch nicht nur Technikfans bekommen angesichts der alten Lösch-, Kommando- und Leiterfahrzeuge glänzende Augen. Immerhin zeigt die Vorführung im Schnelldurchlauf viele Jahre Feuerwehrgeschichte.

Bei der historischen Schauübung läuft nicht alles reibungslos

Während es heute vielen selbstverständlich erscheint, dass bei einem Brand binnen Minuten hochgerüstete Löschfahrzeuge auftauchen, war es im vergangenen Jahrhundert noch äußerst mühsam, überhaupt Wasser heranzuschaffen. Um die Handspritzen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu befüllen, die ihren dünnen Wasserstrahl gerade einmal bis in denn ersten Stock schießen können, benutzen die Helfer unter anderem Butten, wie sie im Weinberg benutzt werden. „Die Feuerwehr wurde erst 1847 gegründet“, erklärt Karl Hermannn. Der Ex-Kreisbrandmeister von Tübingen moderiert und kommentiert die historische Übung.

Dass dabei nicht alles reibungslos abläuft, macht Hermann durch seinen Humor wett. „Auch eine Übung braucht eben Übung“, meint er augenzwinkernd, als die Retter sichtlich Probleme haben, eine schwere Holzleiter aufzurichten. Auch ein Nachfolgemodell, eine von Hand gezogene Magirus-Leiter aus dem Jahr 1895, gebärdet sich zickig und fällt krachend in sich zusammen. Über dieses Ungetüm aus Holz und Stahl traut sich niemand nach oben. Der Rettungsschlauch, den die Helfer wie eine Rutsche aus dem ersten Geschoss spannen, sieht da schon vertrauenserweckender aus.

Ein Lanz Bulldog lässt die Innenstadt von Winnenden erzittern

Einige Zeit später kündigt infernalischer Lärm das Motorenzeitalter an: Ein Lanz-Bulldog mit angehängter Drehleiter lässt die Winnender Altstadt erzittern – und vielleicht auch die Feuerwehrleute, die kurz darauf eine historische Drehleiter erklimmen müssen. Doch diesmal hält die Aufstiegsmöglichkeit. Für das Winnender Rathaus besteht also noch Hoffnung.

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