Das gab’s im Kreis Esslingen in dieser Form noch nie: In Filderstadt sind gleich fünf brandneue Einsatzfahrzeuge an die Feuerwehr übergeben worden. Kostenpunkt: nahezu 1,8 Millionen Euro. Dennoch muss weiter investiert werden, denn es gibt viel zu tun.
Nicht eines, nicht zwei, gleich fünf neue Einsatzfahrzeuge hat die Feuerwehr Filderstadt dieser Tage eingeweiht. Drei baugleiche Löschgruppenfahrzeuge LF20, einen Werkstatt- und einen Kommandowagen hat die Stadtverwaltung angeschafft. „Das ist, wie wenn Weihnachten und Ostern zusammenfallen“, sagte der Stadtbrandmeister Jochen Thorns bei der feierlichen Übergabe. Fünf Fahrzeuge gleichzeitig in Dienst stellen zu können, das habe es nach seiner Erinnerung bislang im Landkreis Esslingen nur einmal gegeben, 2008 ebenfalls in Filderstadt, damals aber auch nur mit Kleinfahrzeugen.
Das Land schießt eine Förderung in Höhe von 276 000 Euro zu
In Filderstadt gibt es fünf Feuerwehrabteilungen, eine in jedem Ortsteil. Die neuen Mobile werden verteilt. Die drei Löschautos, die jeweils 2500 Liter Wasser aufnehmen können, ersetzen Vorgängerfahrzeuge, die bereits 28 und 31 Jahre auf dem Buckel hatten. Zum Einsatz kommen sie und künftig in den Filderstädter Stadtteilen Bonlanden, Plattenhardt und Sielmingen. Die beiden anderen Anschaffungen sind neu im Fuhrpark. Der Werkstattwagen wird als Dienstfahrzeug der zentralen Servicewerkstatt mit Sitz in Bernhausen gebraucht und kann im Ernstfall auch zur medizinischen Erstversorgung genutzt werden. Den Kommandowagen wiederum, einen Audi mit Mildhybrid-Antrieb, wird künftig der stellvertretende Stadtbrandmeister Andreas Reeh fahren.
Die fünf neuen Autos hat sich die Stadt einiges kosten lassen: nahezu 1,8 Millionen Euro. Das Land schießt eine Förderung in Höhe von 276 000 Euro zu. „Feuerwehrfahrzeuge sind kein Geschenk an die Feuerwehr“, betonte Jochen Thorns. Vielmehr seien dies notwendige Investitionen in die Sicherheit, somit komme das Geld allen Bürgerinnen und Bürgern zugute. Außerdem sprach der Oberbürgermeister Christoph Traub beim Festakt von Motivationsgründen. Es gelte, junge Menschen für dieses wichtige Ehrenamt zu gewinnen, dabei punkte auch eine moderne Ausstattung. „An vielen Stellen haben wir in der Infrastruktur Nachholbedarf“, bekannte er.
In Filderstadt hakt es tatsächlich vor allem bei den Feuerwehrhäusern. Diese stammen laut Jochen Thorns allesamt aus den Jahren 1961 bis 1974. „Sie werden den heutigen Ansprüchen nicht mehr gerecht“, oftmals passten die modernen Autos nicht mal mehr hinein. Dass alle Gebäude ertüchtigt oder neu gebaut werden müssen, dazu habe der Gemeinderat schon vor Jahren den Grundsatzbeschluss gefasst, aktuell befasse man sich mit der Frage nach Neubauten in Harthausen und Plattenhardt. Doch „da zieht sich der Grunderwerb“, sagte er. Ja, das koste in Summe alles viel Geld, aber Jochen Thorns sprach von einer kommunalen Pflichtaufgabe. In Baden-Württemberg gelte die Vorgabe, zehn Minuten nach der Alarmierung am Einsatzort zu sein, in einer Flächenstadt wie Filderstadt funktioniere das nur durch die Dezentralisierung.
Standardisierung soll weiter voran getrieben werden
Auch in die Fahrzeuge muss demnach weiter investiert werden. Ein neues Löschfahrzeug für Bernhausen sei bereits bestellt. „Wir sind in einem kontinuierlichen Erneuerungsprozess“, sagte Jochen Thorns. Allerdings seien die Lieferzeiten sehr lang. Aktuell dauere es ab der Bestellung nahezu zwei Jahre. Die Abteilung Bernhausen hat bereits Ende 2019 ein erstes neues Löschgruppenfahrzeug bekommen. Es ist das gleiche Modell wie die nun neu angeschafften und auch gleich ausgestattet, unter anderem mit Gerätschaften, die für Einsätze im Tunnel taugen. „Wir haben jetzt vier tupfengleiche Fahrzeuge“, sagte Jochen Thorns.
Und das ist durchaus gewollt. Standardautos, in denen alles am gleichen Fleck sitze und gleich funktioniere, brächten im Einsatz oder in der Ausbildung Vorteile, „das nimmt unheimlich viel Stress von den Einsatzkräften“. Das Ziel sei, die Standardisierung weiter voranzutreiben, „insbesondere, weil wir in Filderstadt auch einige Doppelmitgliedschaften haben“.
300 Einsätze pro Jahr
Ehrenamt
Mit knapp über 300 ehrenamtlichen Aktiven ist die Feuerwehr Filderstadt die größte im Landkreis Esslingen, sagt der Stadtbrandmeister Jochen Thorns. Die Mitglieder engagieren sich in fünf Abteilungen. Hinzu kommen 110 Personen in der Altersabteilung, 28 Jugendliche und 50 Mitglieder, die sich im Spielmannszug einbringen. Darüber hinaus sind in Filderstadt zwei feuerwehrtechnische Angestellte hauptamtlich in der zentralen Servicewerkstatt mit Sitz in Bernhausen tätig. Im Durchschnitt bewältigt die Gesamtwehr 300 Einsätze pro Jahr.
Fest
Am 4. und 5. Mai findet das Feuerwehrfest der Abteilung Bernhausen statt – mit Musik, Bewirtung und Tag der offenen Tür.