Lange Zeit stritten sich die Stadt und die Feuerwehr Aichtal (Kreis Esslingen) wegen des Neubaus einer zentralen Feuerwache. Jetzt wird die auf Eis gelegte Planung wieder aufgenommen.
Die Stadt Aichtal baut an der Landesstraße zwischen den Ortsteilen Aich und Grötzingen ein zentrales Feuerwehrhaus. Den entsprechenden Grundsatzbeschluss hat der Gemeinderat dieser Tage einstimmig gefasst – und damit einen Schlussstrich unter die monatelangen Streitigkeiten zwischen der Stadtverwaltung und der Feuerwehrführung gezogen.
Bürgermeister Sebastian Kurz zeigt sich erleichtert, dass „nach langen Diskussionen eine für alle Seiten tragfähige Lösung“ gefunden wurde. Von Feuerwehrkommandant Corvin Steindl kommen ebenfalls versöhnliche Töne: „Wir sehen den zukünftigen Standort als positive Grundlage für eine leistungsfähige Feuerwehr.“
Aus drei Abteilungen wird eine gemeinsame Feuerwehr für ganz Aichtal
Mit dem Neubau werden die bisherigen drei Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr zu einer gemeinsamen Feuerwehr für die rund 10 000 Einwohner zählende Kommune zusammengeführt. Im Ortsteil Neuenhaus bleibt indes ein Außenstandort erhalten, „um weiterhin schnelle Eintreffzeiten und eine flächendeckende Einsatzbereitschaft sicherzustellen“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung.
Das neue Feuerwehrhaus soll auf der grünen Wiese direkt neben der Aichtalbrücke entstehen. Dort stehen aus Sicht der Stadt ausreichend Flächen für Fahrzeughallen, Übungsbereiche und Funktionsräume zur Verfügung. Wie das Gebäude konkret aussehen wird, ist noch offen. Das Ziel der Planung sei „eine fachgerechte und wirtschaftliche Lösung, die den Einsatzanforderungen entspricht und langfristig Bestand hat“.
Der Baustart für das neue Feuerwehrhaus ist 2028 vorgesehen
Wie die Stadtverwaltung informiert, wird sie nun „in Zusammenarbeit mit der Feuerwehrführung und den Gremien der Feuerwehr“ die Bedarfsplanung aktualisieren und das Raumprogramm konkretisieren. Parallel werde das Bebauungsplanverfahren fortgeführt. Schon im nächsten Jahr soll mit dem Grundstückserwerb begonnen werden. Nach aktuellem Zeitplan ist der Baustart 2028 vorgesehen.
Die Zeit drängt. „Die Situation lässt keinen weiteren Aufschub zu. Wir müssen handeln“, verweist Aichtals Bürgermeister auf „erhebliche bauliche Mängel und arbeitsschutzrelevante Missstände“ im Feuerwehrhaus in Grötzingen. Das Gebäude und die dazugehörige Scheune würden die gesetzlichen Vorgaben zu großen Teilen nicht mehr erfüllen. Eine umfassende Sanierung, so Kurz, würde die grundlegenden Probleme nicht beheben. Und Entwicklungsmöglichkeiten gebe es an diesem Standortort auch nicht.
Seit über 15 Jahren schon wird in Aichtal über die Zukunft der drei Feuerwehrstandorte beraten. 2022 hatte sich der Gemeinderat nach langer Suche schließlich für den Standort östlich der B 312 entschieden und im Jahr darauf die Aufstellung des Bebauungsplans sowie die Änderung des Flächennutzungsplans beschlossen. Die Feuerwehr fühlte sich bei dieser Planung jedoch übergangen – und ein heftiger Streit entbrannte, der landesweit für unschöne Schlagzeilen sorgte.
Streit beigelegt: Wiederaufnahme der Planung für ein Feuerwehrhaus
Die Situation eskalierte derart, dass der Kommandant und seine Stellvertreter ihren Rücktritt verkündeten. Ein Anfang 2024 eigens initiiertes Mediationverfahren scheiterte kläglich, der Vertrag zwischen der Stadt Aichtal und dem Mediator wurde kurz darauf gekündigt. Erst durch den Austausch der Führungsspitze Anfang dieses Jahres wurde ein Neuanfang möglich.
In den vergangenen Monaten haben die Feuerwehrführung und die Aichtaler Stadtverwaltung eigenen Angaben zufolge zahlreiche Gespräche geführt, um offene Fragen zu bearbeiten. „Dabei entstand eine tragfähige Basis für die Wiederaufnahme der Planung“, teilen beide Seiten mit.