Wenn der Akku eines Elektroautos brennt, stehen viele Feuerwehren vor einem Problem. Die Feuerwehr in Filderstadt ist eine der wenigen, die mit einem neuartigen Werkzeug gut dagegen vorgehen kann.
Filderstadt - Verbrenner-Motoren sollen nach und nach aussortiert werden: Stattdessen ist das Ziel, dass mehr Elektro-Fahrzeuge auf den Straßen rollen. Das entlastet zwar die Umwelt, macht den Feuerwehren aber zu schaffen. Denn die stehen dann vor der Aufgabe, brennende E-Autos zu löschen. Die Freiwillige Feuerwehr Filderstadt hat dafür nun eine spezielle Löschlanze angeschafft.
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Mit dem Verbrennungsmotor könne die Feuerwehr umgehen, sagt Jochen Thorns, Stadtbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Filderstadt. Die Hochvoltbatterie eines Elektro-Autos zu löschen, sei für viele Feuerwehren dagegen noch Neuland. „Wenn die Batterie brennt, ist das ein Problem für die Feuerwehr, weil die Batterie aus Gründen der Sicherheit in einem separaten Gehäuse untergebracht ist. Die Feuerwehr kommt da kaum ran“, sagt Thorns. Eine zusätzliche Schwierigkeit: Die Batterie ist meist im Wagenboden eingebaut und dadurch schwieriger zu erreichen.
E-Fahrzeuge brennen seltener auf der Straße
Wie also vorgehen, wenn die Batterie eines E-Autos in Brand gerät? Es habe sich herausgestellt, dass Wasser das beste Mittel sei. Eine Möglichkeit bestehe darin, eine Mulde damit zu befüllen und das Auto für mehrere Tage hineinzustellen. Man stelle sich nun aber vor, wie diese Mulde drei Tage lang auf der B 27 steht.
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Viel wahrscheinlicher, als dass das Fahrzeug mitten auf der Autobahn zu brennen beginnt, ist folgendes Szenario: „Die meisten Brände bei Elektro-Fahrzeugen sind nicht während des Betriebs, sondern eher im Stillstand, wenn das Fahrzeug an der Ladeinfrastruktur hängt“, sagt Thorns. Dann könne es nämlich zu einem technischen Defekt kommen. Insbesondere in Tiefgaragen kann das verheerend enden. Aus diesem Grund hatten manche Kommunen zeitweise E-Autos aus den Parkhäusern verbannt. Bei Thorns stellt sich deshalb die Frage: „Was mache ich in Filderstadt bei kleinen Tiefgaragen? Ich bekomme die Mulde nicht in die Tiefgarage und das Fahrzeug im Brandfall nicht aus der Tiefgarage.“
Löschlanze braucht weniger Wasser
Die Freiwillige Feuerwehr hat deshalb seit Kurzem ein Werkzeug im Repertoire, das in solch neuen Situationen helfen soll: eine sogenannte Löschlanze. 3000 Euro hat die gekostet, finanziert hat sie als Träger der Feuerwehr die Stadt Filderstadt. Im Gegensatz zu einer mit mehreren Tausend Litern gefüllten Mulde brauche man mit der Löschlanze nur etwa 1000 Liter Wasser, um die Batterie zu löschen. Ein zusätzlicher Pluspunkt: Der Vorgang dauert nur eine Viertelstunde. Dafür müssen die Feuerwehrleute die Fahrzeugtür öffnen und die Lanze in die Batterie stoßen. Durch den angeschlossenen Schlauch führe man so Wasser direkt in den Akku ein, erklärt Thorns.
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Damit die Feuerwehrleute ausreichend Sicherheitsabstand halten, kommt ein Abstandshalter zum Einsatz. Zusätzlich erhalten die Einsatzkräfte eine Schulung im Umgang mit der neuen Technik. Brenne nicht nur die Batterie, sondern der gesamte Wagen, so lösche man zuerst den Wagen und im Anschluss zusätzlich die Batterie mithilfe der Löschlanze, sagt Thorns.
Ein Manko hat das neue Löschwerkzeug
Die Freiwillige Feuerwehr in Filderstadt ist eine von wenigen, die diese Löschlanze besitzen – im Landkreis sogar die einzige. Doch hier kommt die Überlandhilfe zum Einsatz: „Eine Feuerwehr hilft der anderen. Das ist wie bei Drehleitern: Nicht jede Feuerwehr hat eine.“
Ein Manko hat die Elektrolöschlanze. Sie funktioniert nur bei Kraftfahrzeugen gefährdungsfrei – nicht aber, wenn ein E-Roller oder E-Bike-Akku Feuer fängt. Und um Großbrände wie im Stuttgarter Busdepot der SSB zu verhindern, bedarf es nicht nur der richtigen Utensilien. Im September erst waren dort 25 Busse zerstört worden – das Feuer war wohl beim Laden eines E-Busses ausgebrochen. Thorns plädiert in solchen Fällen für schärfere Brandschutzmaßnahmen, um Feuer zu verhindern.