Offroad-Fahrtraining mit Ausblick: Drei Maschinisten der Rutesheimer Feuerwehr haben in einer Kiesgrube nahe Malsch die Grenzen ihres Fahrzeugs ausgetestet. Foto: Freiwillige Feuerwehr Rutesheim

Kiesberg, Schlammloch, Buckelpiste und durchs Wasser: Drei Maschinisten der Rutesheimer Feuerwehr durften in der Nähe von Karlsruhe die Grenzen ihres Fahrzeugs austesten.

Klar, ein Feuerwehrauto ist manchmal rasant unterwegs, weil es im Einsatz eben schnell gehen muss. Meistens ist die Fahrbahn dabei aber befestigt, sprich: Die Wege führen über feste und asphaltierte Straßen. Was aber, wenn es mal querfeldein geht, durch Schlamm, über Kies und Schotter oder gar durchs Wasser?

 

Offroad-Training in Theorie und Praxis für drei Maschinisten

Für genau diesen Fall haben drei Maschinisten der Freiwilligen Feuerwehr Rutesheim geübt. Sie fuhren mit einem ihrer Fahrzeuge, einem 14 Tonnen schweren HLF 20/16, nach Malsch in der Nähe von Karlsruhe. Bei einem Offroad-Fahrtraining in Theorie und Praxis – ausgerichtet vom Kreisfeuerwehrverband Karlsruhe – lernten sie ganz neue Eigenschaften ihres rot-weißen Kolosses kennen. Nach dem Tag, den sie zu einem guten Teil in einer nahe gelegenen Kiesgrube verbracht hatten, waren sich Dominik Abt, Sebastian Maurer und Marcel Karle einig: „Das hat saumäßig viel Spaß gemacht.“

Spaß ist das eine, die Vorbereitung auf fahrerische Extremsituationen das andere. In der Theorie zeigte ein erfahrener Fahrlehrer etwa die Grenzen der Physik auf, anhand von Automodellen – die dann auch mal über den Tisch purzelten. Auch weitere Fragen wurden beantwortet: Wann ist es sinnvoll, den Allradantrieb zuzuschalten? Wie wirkt sich die Differenzialsperre auf das Fahrverhalten des Autos aus? Und welcher Antrieb ist für welchen Untergrund am besten geeignet?

Hinauf auf einen Kiesberg

Einmal durch die Schlammgrube: Ist Allradantrieb immer angeraten? Foto: Freiwillige Feuerwehr Rutesheim

Das alles gab’s am Vormittag. „Das ging erstaunlich schnell vorbei“, berichtet Dominik Abt. Der erfahrene Maschinist ist 42 Jahre alt und seit seinem elften Lebensjahr bei der Feuerwehr. Zunächst in Ehningen, seit er 16 Jahre alt ist, agiert er in Rutesheim. Er ist Brandmeister und Zugführer und weiß eigentlich sehr genau, wie man mit einem Feuerwehrauto umgeht. Doch vieles von dem, was er in Malsch gelernt hat, war auch für ihn neu.

Denn wann ergibt sich bei Übungen oder im echten Einsatz schon mal die Situation, dass er mit dem HLF einen hohen Kiesberg hinaufbrettern muss? „Das war der kleine Wettkampf zum Schluss“, berichtet Abt. Die Teilnehmenden, rund 30 Personen aus Feuerwehren in ganz Baden-Württemberg, hatten zuvor abschätzen müssen, wie weit sie wohl kommen, bevor das Fahrzeug an seine Grenzen gerät. „Und einige haben es tatsächlich bis hoch geschafft“, sagt Abt.

Auch die anderen der sechs Stationen hatten es in sich. Zum Beispiel die Buckelpiste. „Da hat sich das Fahrzeug ganz schön verwunden“, sagt der Maschinist, der die Strecke vorwärts und rückwärts absolvieren musste. „Und natürlich extrem langsam“, fügt er hinzu. Auch bei der Schnellfahrt über eine Schlaglochstrecke war das Rutesheimer Trio gefordert. Jetzt weiß jeder von ihnen, „wann das Auto anfängt, sich zu wehren“. Außerdem ging es mit Schwung durch ein Wasserloch einen Hügel hinauf.

„Die größte Erkenntnis war, dass wir mit diesem Fahrzeug weiter kommen, als wir gedacht haben“, sagt Dominik Abt. Das HLF 20/16 sei zwar kein Unimog, aber es könne doch einiges. Für den Lehrgang ausgewählt hatten es die Brandschützer, weil es im Vergleich zu einem fast baugleichen Exemplar im Rutesheimer Fuhrpark mit grobstolligeren Reifen ausgestattet ist. „Und wir wissen jetzt: In unserem Einsatzgebiet kommen wir eigentlich überall hin, wenn es die Durchfahrbreite zulässt.“ Und ein paar abgelegenere Gebiete gebe es rund um Rutesheim ja schon auch. Der Lehrgang sei außerdem auch für den möglichen Katastrophenfall elementar. „Die Bilder aus dem Ahrtal hat damals jeder gesehen“, sagt Abt.

Das Training ist sehr gefragt

Generell bedeutet das Training laut Abt auch einen „enormen Zugewinn an Sicherheit“. Möglicherweise ist auch das der Grund, weshalb es bei den Mitgliedern der Rutesheimer Feuerwehr so beliebt und gefragt ist. Im vergangenen Jahr war erstmals eine Delegation aus der Stadt mit ihren gut 11 000 Einwohnern in Malsch vertreten. Und wie damals musste auch in diesem Jahr unter den rund 40 Rutesheimer Maschinisten ausgelost werden, wer teilnehmen darf.

Im kommenden Jahr will die Rutesheimer Feuerwehr, wenn möglich, erneut Mitglieder nach Malsch schicken. Damit auch sie den Umgang mit dem Feuerwehrauto im unwegsamen Gelände lernen und für alle Eventualitäten gerüstet sind.