Mit ihrem neuen Kommandowagen, kurz KdoW, der so neu gar nicht mehr ist, hat sich die Altbacher Feuerwehr selbst ein Geschenk gemacht. Foto: FW Altbach/Schleith

Wenn es um ihre Fahrzeuge geht, scheint die Altbacher Feuerwehr auf unkonventionelle Lösungen zu stehen. Jetzt verfügt sie über einen „günstigen“ Kommandowagen.

Altbach - Glänzend, chic und fast wie neu, so steht er in der Sonne vor dem Altbacher Feuerwehrhaus, der neue Kommandowagen liebevoll als KdoW abgekürzt. Dabei hat der Mercedes-Kombi, was man nur aufgrund des Modells sieht, schon einige Jahre auf dem Buckel. Für die Wehrleute aus der Neckartalgemeinde ist das Fahrzeug, wenn man das so sagen möchte, ein Geschenk. Ein Geschenk, das sie sich selbst gemacht haben – und an dem sie auch noch selbst arbeiten mussten.

Geht es um ihre Fahrzeuge, scheinen die Floriansjünger aus Altbach auf unkonventionelle Lösungen zu stehen. Als sie sich im vergangenen Herbst, nach stattlichen 37 Dienstjahren, von ihrem ältesten Löschfahrzeug, einem schmucken Mercedes-Benz-Kurzhauber, trennen mussten, wurde dieser in einer Online-Auktion meistbietend versteigert. Ein Schweizer, der mit dem soliden Gefährt bis nach Südafrika reisen will, hat letztlich den Zuschlag erhalten – und die Wehmut der Feuerwehrleute mit seinem Angebot von 17 000 Euro deutlich gelindert. Mit rund der Hälfte hatten sie kalkuliert.

Entlastung für Mannschaftstransportwagen

Dieser unerwartete Geldsegen wiederum spielte ihnen jetzt bei ihrem neuen KdoW nachhaltig in die Karten. Der Wagen selbst ist zwar eine Spende des Kommandanten Tobias Herlein, der sich vor einiger Zeit ein neues Auto gekauft hat. Die notwendige Ausstattung musste aber zumindest teilweise noch angeschafft und der Umbau normgerecht abgewickelt werden. „Was unsere Fahrzeuge angeht, stimmt es aber, dass wir Leute mit ziemlich kreativen Ideen haben“, sagt Götz Schleith, der bei der Altbacher Wehr als Maschinist und Pressewart fungiert. Übernommen und aufgerüstet wurde Herleins Daimler aber nicht aus Jux und Tollerei. Vielmehr dient der KdoW als Zwischenlösung, weil der vorhandene Mannschaftstransportwagen (MTW), der mittlerweile 25 Jahre alt ist, entlastet werden soll.

Dieser wurde in der Vergangenheit bei Einsätzen von den Führungskräften der Altbacher Wehr als Vorausfahrzeug genutzt – was eigentlich nicht im Sinne des Erfinders ist. Gedacht sei ein solcher Mannschaftstransporter aber ursprünglich, um das Nachrücken von Löschkräften und die Versorgung der Einsatzstelle mit feuerwehrtechnischem Gerät zu gewährleisten, erklärt Götz Schleith. „Außerdem soll der MTW erst 2025 oder 2026 erneuert werden, muss also bis dahin technisch durchhalten“, fügt er hinzu.

Viele hundert Stunden Eigenleistung

So soll der Kommandowagen mit dem Funkrufnamen „Altbach 1/10-1“, der von einem Team rund um Tobias Herlein in vielen hundert Stunden Eigenleistung hergerichtet wurde, mindestens bis dahin seinen Dienst versehen. Dass das Fahrzeug komplett ausgerüstet werden konnte, ist ebenfalls der Voraussicht und dem Improvisationstalent der Altbacher Wehrleute zu verdanken: „Wir hatten etliche Sachen eingelagert, die wiederverwendet werden konnten“, betont der Pressewart. Nur die Blaulichtanlage und der Digitalfunk hätten angeschafft werden müssen, was durch den Verkauf des Kurzhaubers so gut wie kostenneutral möglich gewesen sei.

Schleith ist dem Gemeinderat und der Verwaltung dankbar, die dem Projekt in unbürokratischer Weise zugestimmt haben: „Unser KdoW ist jetzt Teil der mittel- und langfristigen Feuerwehrbedarfsplanung.“ Dankbar dürfte aber auch die Gegenseite sein. Schließlich entlastet das unkonventionelle Handeln der Feuerwehrleute den kommunalen Etat in nicht unerheblicher Art und Weise.

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