Die Notre Dame am Dienstagmorgen nach dem Brand. Foto: AFP

Ein weltweit geschätztes Wahrzeichen von Paris steht über Stunden teils in Flammen, Touristen und Würdenträger zeigen sich entsetzt. Der Brand ist unter Kontrolle, doch wurde die „Schlacht“ um den Erhalt von Notre Dame „noch nicht gewonnen“, erklärt Präsident Macron.

Paris - Nach dem Großbrand in der Kathedrale Notre Dame ist das ganze Ausmaß der Zerstörung des Pariser Wahrzeichens noch ungewiss. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron sagte den Wiederaufbau des berühmten Bauwerks zu und bat seine Landsleute und das Ausland um Unterstützung. Am frühen Morgen gab es zwar keine Angaben zur Brandursache, doch gingen die Behörden zunächst von einem Unfall aus. Weltweit reagierten Würdenträger mit Bestürzung und Trauer.

Der Brand war am Montagabend gegen 18.50 Uhr ausgebrochen. Der Spitzturm stürzte ein, rasch griff das Feuer auf große Teile des Dachstuhls über. Nach Kirchenangaben brannte auch die hölzerne Inneneinrichtung. Flammen schossen aus dem Dach und tauchten den Abendhimmel in Orange, Rauch stieg auf. Rund 400 Feuerwehrleute waren im Einsatz, während Hunderte Schaulustige die Szenerie von Brücken rund um die Insel Île de la Cité verfolgten, auf der sich Notre Dame befindet. Nahegelegene Gebäude wurden aus Sorge vor einem Einsturz der Kathedrale geräumt.

Ein Feuerwehrmann wird verletzt

Mehr als fünf Stunden nach dem Ausbruch eines Feuers fielen noch Funken ins Innere des Sakralbaus, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AP berichtete. In der Kathedrale brannten keine Lichter, aber die Glut am Loch, das der eingestürzte Vierungsturm hinterlassen hatte, erleuchtete die Dunkelheit. Funken regneten von der Decke und fielen dorthin, wo während der Gottesdienste in der Regel der Kirchenchor steht.

Bürgermeisterin Anne Hidalgo sagte, das Gros der Kunstschätze und religiösen Relikte seien aus Notre Dame herausgeholt worden. In sozialen Medien postete Kulturminister Franck Riester Bilder, auf denen Menschen Kunstwerke in Lastwagen luden.

Nach Stunden brachten die Einsatzkräfte das Feuer schließlich unter Kontrolle, ein Feuerwehrmann wurde verletzt. In der Nacht waren sie aber noch damit beschäftigt, das Bauwerk zu sichern und abzukühlen. Zuvor hatte Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet bereits eine erste Entwarnung gegeben: Die Gebäudestruktur der Kathedrale hätten seine Kollegen retten können, indem sie verhindert hätten, dass das Feuer den nördlichen Glockenturm erfasse. „Zwei Drittel des Dachstuhls wurden verwüstet“, fügte er jedoch hinzu.

Mit Blick auf die Löscharbeiten und die zeitweise bedrohten beiden Haupttürme sagte auch Macron: „Das Schlimmste wurde verhindert“. Doch sei „die Schlacht noch nicht gewonnen“. Am Dienstag werde er den Startschuss für eine landesweite Spendenaktion für den Wiederaufbau von Notre Dame geben. Zudem werde er sich mit einem Hilfsappell an die „größten Talente“ der Welt wenden. Notre Dame sei „ein Teil von uns“, erklärte Macron.

Brandstiftung wird vorerst ausgeschlossen

Das Büro der Staatsanwaltschaft in Paris behandelt den Großbrand als Unfall. Brandstiftung und ein mögliches Terrormotiv würden vorerst ausgeschlossen, teilte es mit. In französischen Medienberichten hieß es mit Verweis auf die Feuerwehr, es gebe eine mögliche Verbindung zu Renovierungsarbeiten am Spitzturm und dessen tonnenschweren Holz- und Kupferauskleidung.

Notre Dame steht im Zentrum von Paris, auf der Insel Île de la Cité im Fluss Seine. Ein literarisches Denkmal setzte Victor Hugo dem Bauwerk mit seinem Roman „Der Glöckner von Notre Dame“. Der Sakralbau ist eine der am meisten besuchten Touristenattraktionen Frankreichs, 13 Millionen Menschen strömen jährlich zur Kathedrale.

Die Bauarbeiten für das gotische Gotteshaus begannen bereits im 12. Jahrhundert. Der französische Historiker Camille Pascal sprach im Sender BFM von einer „Zerstörung eines unschätzbaren Erbes“ durch den Brand. „Seit 800 Jahren wacht die Kathedrale über Paris. Erfreuliche und bedauernswerte Ereignisse wurden vom Glockengeläut von Notre Dame begleitet.“

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