Nach fast zehn Jahren in Feuerbach verlässt Pfarrer Timmo Hertneck den Stadtbezirk. Foto: Torsten Ströbele

Der Pfarrer der Stadtkirche St. Mauritius wird am 1. Mai neuer Dekan in Waiblingen.

Stuttgart-Feuerbach - In seinem Büro an der Walterstraße türmen sich die Umzugskartons. Der Schreibtisch ist aufgeräumt, und die Schubladen sind so gut wie leer. Pfarrer Timmo Hertneck wird die evangelische Kirchengemeinde Feuerbach verlassen. Am 1. Mai tritt er die Stelle als neuer Dekan des Kirchenbezirks Waiblingen an.

Seit fast zehn Jahren ist der Theologe in Feuerbach tätig. „Ich hatte hier eine wirklich tolle Zeit. Die ganze Familie war glücklich. Feuerbach hat eine tolle Kirchengemeinde und ist ein toller Bezirk“, sagt Hertneck. Doch es habe sich bei der Kirche bewährt, dass ein Pfarrer alle acht bis zwölf Jahre seine Gemeinde wechsle.

„Es ist eine sehr interessante Aufgabe“

An seinem 53. Geburtstag, im März 2012, sei eine Entscheidung gefallen: „Wenn ich mich noch einmal beruflich verändern möchte, dann muss das in den kommenden zwei Jahren passieren, damit ich mich den Aufgaben an einem neuen Ort auch noch zehn Jahre widmen kann.“ Etwas später sei er gefragt worden, ob er sich vorstellen könne, das Amt des Dekans in Waiblingen zu übernehmen. Und er konnte. „Es ist eine sehr interessante Aufgabe“, sagt Hertneck. Er sei als Dekan für rund 75.000 Gemeindemitglieder im zweitgrößten Kirchenbezirk der Landessynode zuständig und unter anderem Dienstvorgesetzter von 55 Pfarrern. Zum Vergleich: Feuerbach hat 7000 Gemeindeglieder.

„Vermissen werde ich hier vor allem die Menschen. Ich hatte wichtige und tolle Begegnungen mit Feuerbachern, auf die ich mich eingelassen habe, und die mir sehr nahe gekommen sind“, sagt der 54-Jährige. „Doch Fakt ist, dass es Timmo Hertneck ohne Feuerbach nicht mehr geben kann. Der Bezirk ist ein Teil von mir geworden, und das hört auch nicht mehr auf.“ Er habe in den vergangenen zehn Jahren viel Verlässlichkeit und Einsatzbereitschaft von den Feuerbachern erlebt. „Das habe ich schätzen gelernt.“

Einen Nachfolger gibt es frühestens zum 1. September

Rückblickend auf seine Zeit im Stadtbezirk stellt Herteck fest, dass er viele Veränderungen bei der evangelischen Kirchengemeinde erlebt hat. „Mehr als gedacht.“ Als er am 1. September 2003 als geschäftsführender Pfarrer in Feuerbach anfing, habe er allerdings schon gewusst, dass beispielsweise von acht auf vier Pfarrstellen reduziert werden müsse. „Das lag daran, dass die Gemeindegliederzahlen seit Ende der 1970er Jahre von 15.000 auf 7000 abgenommen haben.“ Die Organisationsstruktur sei zu groß und zu umständlich gewesen. Zum 1. Januar 2005 habe man dann die Föhrich-, Luther-, Gustav-Werner- und Stadtkirchen-Gemeinde zusammengeschlossen. Unter anderem sei aus vier einzelnen Kirchengemeinderäten ein gemeinsamer geworden. Das habe vieles vereinfacht, sagt Hertneck. „Nachdem der Kirchenkreis uns dann aufgrund unser wirtschaftlichen Lage kritisiert hat, sind wir losgezogen, um zu schauen, wo wir einsparen können.“

Das Ergebnis sei das Projekt „Evangelisch in Feuerbach 2017“ gewesen. Man habe ein Leitbild entworfen, eine Stiftung gegründet sowie eine Gebäude-, Ehrenamts- und Gottesdienstkonzeption entworfen. „2008 hat der Kirchengemeinderat grundsätzliche Beschlüsse gefasst, die zu tragenden Pfeilern geworden sind, auf denen man aufbauen kann“, sagt Hertneck. Dazu hätte auch gehört, die Standorte Föhrich- und Lutherkirche aufzugeben. „Ich habe gelernt, dass Gebäudefragen sehr wichtig für eine Gemeinde sind. Deshalb war uns sehr daran gelegen, die Immobilien nur zu vermieten und nicht zu verkaufen.“

„Mittlerweile ist die Gemeinde personell und wirtschaftlich gut aufgestellt, um in Feuerbach vergnügt das evangelische Christsein leben und praktizieren zu können“, sagt Hertneck. Die Weichen seien gestellt, doch der Prozess sei noch lange nicht abgeschlossen. „Die Kirche ist immer zu reformieren. Es gibt keine Lösungen für die Ewigkeit.“ Für seinen Nachfolger gebe es genug zu tun. „Ich kann und will aber kein Vermächtnis weitergeben. Aber eines kann ich ihm sagen: Freu’ Dich saumäßig auf die Arbeit hier. In Feuerbach warten vielfältige Aufgaben, tolle Menschen, und man erfährt viel Dankbarkeit.‘ Es ist eine reizvolle Aufgabe.“ Hertneck rechnet frühestens zum 1. September damit, dass ein Nachfolger die Arbeit aufnimmt. „Das wäre dann aber schon Formel-1-Tempo.“ Er vermutet eher, dass es bis zur Adventszeit dauern wird.

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