Unter den Augen des Vorsitzenden des Musikvereins Stadtorchester Feuerbach, Reinhard Löffler (M.), und Matthias Bucher (r.) von Dinkelacker-Schwaben Bräu brauchte Christian Lindner (l.) bei seiner Fassanstich-Premiere nur einen Schlag. Foto: Torsten Ströbele

Der Bundesvorsitzende der FDP hat am Kirbe-Meedich vor rund 900 Gästen gesprochen.

Feuerbach - Reinhard Löffler hat nicht zu viel versprochen. Der Vorsitzende des Musikvereins Stadtorchester Feuerbach hatte am Sonntag im Gespräch mit unserer Zeitung Christian Lindner als brillanten Redner und Kopf bezeichnet. Und das stellte der Bundesvorsitzende der FDP dann auch einen Tag später am traditionellen Kirbe-Meedich unter Beweis. Frei von der Leber weg und ohne Redemanuskript wusste er die rund 900 Gäste im Festzelt auf jeden Fall rhetorisch zu überzeugen. „Ich komme aus dem Bergischen Land. Da feiern wir auch Kirmes, und die sieht so ähnlich aus wie die Kirbe hier. Es gibt nur einen Unterschied: Bei uns ist der Kirmes-Montag ein Feiertag, bei Ihnen ein Arbeitstag. Das ist auch der Grund, warum Sie etwas in den Länderfinanzausgleich einbezahlen und wir daraus Geld bekommen“, sagte Christian Lindner und hatte die Lacher auf seiner Seite.

Löffler brach dennoch eine Lanze für die Württemberger: „Sie sind in Westfalen geboren und sind der Meinung, dass es ein Erfinderland ist, nur weil Sie die Messe CeBIT haben. Aber wir haben das Auto, den Büstenhalter, den Zeppelin, die halbe Brezel und die Maultaschen erfunden. Wir Schwaben haben es einfach drauf.“ Doch dass auch ein Westfale keine zwei linken Hände hat, konnte der Liberale dann doch noch unter Beweis stellen. „Herr Lindner hat noch nie ein Fass angestochen“, sagte Löffler. „Ich gebe Ihnen mal zehn Schläge vor. Und alles, was Sie weniger brauchen, bekommt die FDP bei der Landtagswahl an Prozentpunkten. Man kann das mit einem Schlag schaffen“, meinte der Vorsitzende des Musikvereins augenzwinkernd. Mit neun Prozent wäre der anwesende Fraktionsvorsitzende der Landtags-FDP, Hans-Ulrich Rülke, auf jeden Fall am Wahltag im März zufrieden. Sein Bundesvorsitzender tat ihm dann auch den Gefallen und ließ den Spund schon beim ersten Versuch im Fass verschwinden.

Christian Lindner wirbt für ein Einwanderungsgesetz

„Bei all der Fröhlichkeit, die dieses Fest auch ausmacht, möchte ich aber noch einige ernste Gedanken vorbringen“, sagte Lindner, bevor er den Hammer schwang. „Wenn ich an Menschen in Not denke, an die Menschen, die in einem Kühllaster gestorben sind oder an den kleinen Jungen am Strand: Wer da nicht betroffen ist, der hat kein Herz.“ Allerdings sei er in Sorge, dass die Bundesregierung die Dimension und Ernsthaftigkeit der Situation unterschätze. „Sie verschwindet einfach in die Sommerpause und lässt die Kommunen mit dem Problem allein“, kritisierte Lindner. „An einem Tag steht die Ampel für Flüchtlinge auf grün und eine Woche später werden die Schlagbäume runtergelassen. Das ist kein Konzept. Das ist Chaos.“ Man brauche eine Strategie und klare Regeln. Deutschland brauche ein Einwanderungsgesetz. Es müsse klar geregelt sein, wer bedürftig sei und wer Schutz brauche, wen man in den Arbeitsmarkt einlade und wen nicht. „Mir ist egal, ob jemand kein Schweinefleisch isst, wie er sich kleidet, ob er an Gott glaubt oder nicht. Solange er sich an die Werte unseres Grundgesetzes hält, ist er willkommen“, sagte der FDP-Bundesvorsitzende. Die Regierung müsse aber dafür sorgen, dass die Flüchtlinge integriert werden.

Auch der Musikverein Stadtorchester Feuerbach möchte dazu seinen Teil beitragen. Flüchtlingskinder sollen Blockflötenunterricht bekommen. Zudem ist angedacht, eine Bläserklasse einzurichten. Dazu benötigt der Verein allerdings noch Geld. Für die Kirbe gab es von den Schaustellern schon einmal Freikarten zum Boxauto- und Karussellfahren.

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