Am Ende des Tunnels wird in beengter Situation teilweise in Zehn-Stunden-Schichten an der Vortriebsmaschine gearbeitet, die sich Meter für Meter nach vorne schiebt. Foto: Popowska

Die EnBW verlegt unter dem Leibfriedschen Garten am Pragsattel einen Düker für ihre Fernwärmeleitungen: Ein enges Unterfangen in 20 Meter Tiefe.

Feuerbach/S-Nord - Ein unheimliches Donnern verrät, dass die riesige Tunnelbohrmaschine wieder ein paar Zentimeter gut gemacht hat. Mit einem Druck von 80 Tonnen frisst sie sich jeden Tag ein Stückchen weiter durch das Erdreich unter dem Leibfriedschen Garten am Pragsattel und presst den so genannten Düker im wahrsten Sinne des Wortes unter dem Gelände hindurch. Am Ende werden Fernwärme-Leitungen der EnBW durch den 500 Meter langen Tunnel verlegt. Er ist Teil einer insgesamt zwei Kilometer langen Trasse, die Teile Feuerbachs an das Fernwärmesystem anbinden soll.

Was 20 Meter unter Tage vorgeht, davon hören die Menschen oben nichts, sagt der Projektleiter Stephan Hanke. Bereits seit Anfang Februar wird nahe der U-Bahn-Haltestelle Pragsattel gegraben und gebohrt. Die oberirdische Baustelle befindet sich sichtbar auf der Grünfläche zwischen Haltestelle und der Straße Im Götzen, über die auch der Baustellenverkehr geleitet wird.

Nichts für Klaustrophobiker

Die technisch anspruchsvollen Arbeiten schlagen mit acht Millionen Euro zu Buche. Insgesamt werden die neuen Leitungen zwei Kilometer lang sein und über die Stresemann- und Siemensstraße sowie die Leitz-, Junghans- und Hohnerstraße führen. Größtenteils wurden sie bereits auf konventionellem Wege verlegt. Doch den Leibfriedschen Garten aufzureißen und die Fernwärme-Leitungen auch hier auf konventionellem Weg zu verlegen, war keine Option. Und so wird ein Tunnel eben weit unterhalb des Parks gegraben, um ihn und damit die Leitungen zur anderen Richtung an den bereits bestehenden Schacht am Löwentor anzuschließen.

Über eine Metalltreppe geht es hinab in das Herz der Baustelle. Viel Platz ist in dem zwei Meter breiten Tunnel nicht. Wer hier unten arbeitet, dem darf Enge keine Probleme bereiten. Am Ende des Tunnels sitzt ein junger Mann mit gelbem Helm und weißem Arbeitsanzug und überwacht die Maschine mit dem mächtigen Fräskopf. Ein roter Laserstrahl weist ihm und seinen Kollegen die Richtung und hilft ihnen dabei, nicht vom richtigen Weg abzukommen.

Fünf bis sechs Mann arbeiten vor Ort an dem Tunnel. „Am Tag schaffen wir fünf bis sechs Meter“, sagt Stephan Hanke. Knapp 140 Meter habe man bisher gebohrt, 360 fehlen noch. Damit das Unterfangen so schnell wie möglich gelingt, arbeiten die Tunnelprofis im Schichtbetrieb, teilweise bis zu zehn Stunden am Tag.

Hoffnung auf weitere Kunden

„Wir möchten Ende des Jahres mit der Versorgung beginnen“, sagt Marc Jüdes, Leiter des Profitcenters Fernwärme der EnBW. 15 neue Industrie- und Gewerbekunden habe man bereits. Dazu gehörten etwa das Büro- und Wohnprojekt „Skyline“ der Bülow AG zwischen Stresemann- und Siemensstraße oder die Mercedes-Benz-Bank. Auch wenn ein nicht unerheblicher Teil der produzierten Wärme durch die langen Transportwege zum Endverbraucher auch bei der Fernwärme verloren geht, hebt Jüdes die Vorteile hervor. So sei Fernwärme emissionsarm und damit umweltfreundlicher, was angesichts der Feinstaubproblematik in Stuttgart zu bedenken sei.

In den kommenden drei bis fünf Jahren sollen, so hofft man bei der EnBW, weitere Kunden dazu kommen. „Bei Fernwärme muss man Kunden überzeugen, es besteht ja kein Anschlusszwang“, betont Bernd Rieger, EnBW-Vertriebsleiter für den Bereich Fernwärme. Bestehende Anlagen umzurüsten, sei ein Aufwand, gibt er zu, „aber es entfallen dafür beispielsweise Kesselwartungen und der Besuch des Kaminfegers“. Bernd Rieger zeigt sich optimistisch, dass 2500 Wohneinheiten in den nächsten Jahren hinzukommen könnten.

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