Noch zeigt der Wegweiser des Burgenlandzentrums, wo die Lutherkirche zu finden ist. Foto:  

Die Stadt Stuttgart hat die Räume im Burgenlandzentrum von der evangelischen Kirche Feuerbach gekauft. Die künftige Nutzung steht noch nicht fest.

Die fast 100-jährige Geschichte der Lutherkirche in Feuerbach ist beendet. Vor wenigen Tagen wurde Abschied von dem Gotteshaus genommen, das seit 1983 im Burgenlandzentrum – im Herzen des Stadtbezirks – beheimatet war. Die Stadt Stuttgart hat mittlerweile die 763 Quadratmeter großen Räumlichkeiten erworben, die seit 2018 zum Verkauf stehen. Über den Preis wird der Mantel des Schweigens gehüllt.

Mit dem Verkauf ist ein weiterer Schritt des vom Kirchengemeinderat der Evangelischen Kirchengemeinde Feuerbach im Jahr 2010 beschlossenen und 2018 weiter konkretisierten Gebäudekonzepts erfolgt“, heißt es in der Presseerklärung von Pfarrer Jens Keil. „Schon im Jahr 2010 zeichnete sich ab, dass sich die Gemeinde aufgrund des Mitgliederschwunds und der Pfarrstellenkürzungen von Gebäuden trennen muss.“ 2018 wurde der Sanierungsstau der kirchlichen Gebäude in Feuerbach mit rund fünf Millionen Euro beziffert. Daraufhin hatte der Kirchengemeinderat mit großer Mehrheit beschlossen, die Räume im Burgenlandzentrum, die Föhrichkirche samt Gemeindehaus und zwei Mietshäuser zu verkaufen. „Die Übergabe der Lutherkirche an die Stadt erfolgt nun zum 30. Juni 2022“, sagt Keil. „Ich bin eigentlich Pfarrer geworden, um Kirchen zu bauen und nicht, um sie zu schließen.“ Aber in der aktuellen Lage müsse man sich als Kirchengemeinde gesund schrumpfen. Das gehe natürlich wie im Fall der Lutherkirche bei vielen Menschen mit Trauer und Zorn einher. Das habe man auch bei der Verabschiedung des Gotteshauses gemerkt. „Aber dafür muss auch Platz sein“, zeigt sich Keil verständnisvoll.

Das gilt auch für den Gemütszustand seines Amtskollegen Harald Küstermann, der seit 1992 Pfarrer der Lutherkirche war. „Dass die Lutherkirche nun verkauft ist, ist natürlich für ihn eine bittere Pille“, sagt Keil. Küstermann selbst möchte nicht mehr ins Detail gehen: „Ich möchte weder etwas schönreden, noch die Entscheidungen kommentieren. Ich möchte meine Gesundheit schonen.“ In zwei Jahren geht Küstermann in den Ruhestand. So lange wird er der evangelischen Gesamtkirchengemeinde in Feuerbach erhalten bleiben.

Ein konkretes Konzept gibt es noch nicht

Was hat die Stadt nun eigentlich mit den erworbenen Räumlichkeiten im Burgenlandzentrum vor? „Die angekauften Wohnungen sollen, sobald sie frei werden, für städtische Bedarfe genutzt werden. Für die Lutherkirche gibt es verschiedene Überlegungen, ein konkretes Konzept existiert jedoch noch nicht“, heißt es bei der Stadt auf Nachfrage unserer Zeitung. Das Bhz (ehemals Behindertenzentrum Stuttgart) und dessen Mietvertrag sei auf jeden Fall vom Eigentümerwechsel nicht tangiert. „Das Gemeindezentrum ist langfristig an das Bhz vermietet, das dort eine Behindertenwerkstatt betreibt. Dieses Mietverhältnis wird von der Stadt selbstverständlich übernommen.“ Das Bhz hat laut Kirchenpfleger Ralph Hägele einen Zehn-Jahres-Vertrag mit der zweimaligen Option, um jeweils fünf Jahre zu verlängern. Bis 2033 könne die diakonische Einrichtung somit im Burgenlandzentrum bleiben. „Mit einem Verkauf der Immobilie an die Landeshauptstadt Stuttgart ist sichergestellt, dass die Nachnutzung der Räume langfristig im Gemeinwohlinteresse erfolgt und diese weiterhin ein wichtiger Teil Feuerbachs bleiben“, sagt Keil.

Ein weiterer Verkauf steht an

Die evangelische Kirche in Feuerbach wird sich aber nicht nur von der Lutherkirche trennen. Auch der Verkauf der Föhrichkirche steht weiterhin an. Aktuell hat die russisch-orthodoxe Kirche das Gotteshaus an der Steigerwaldstraße angemietet – erst einmal bis September 2022. „Wir sind in Gesprächen mit verschiedenen Interessenten, die die Föhrichkirche erwerben möchten. Wir sind optimistisch, dass wir in naher Zukunft den Verkauf unter Dach und Fach bringen können“, sagt Keil. Schneller könnte es sogar noch beim Gebäude Föhrichstraße 1 laufen, in dem die Diakoniestation untergebracht ist. „Da sind wir auf einem guten Weg“, betont Pfarrer Keil. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Gebäude hat die evangelische Kirche im Stadtbezirk Feuerbach Großes vor. Das stark sanierungsbedürftige Gemeindehaus an der Stadtkirche soll durch einen Neubau ersetzt werden. Rund 3,3 Millionen Euro kostet dieser, heißt es in einer Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2018.