Quo vadis Jugendtreff? Der Leiter Benjamin Seidl wird oft gefragt, wie es mit dem Jugendcamp am Triebweg weitergeht. Foto: Georg Friedel

Vor 20 Jahren entstand der Jugendtreff. Nun wird über einen Neubau nachgedacht.

Stuttgart-Feuerbach - Der Geruch ist noch da. Fast zwei Jahre, nachdem es im damaligen Büro des Jugendtreffs am Feuerbacher Triebweg gebrannt hat, hängt immer noch dieser typische Gestank von Verkohltem in den seitdem leer stehenden Räumen. In der Nacht des 13. Mai 2011 brannte dieser Teil des Jugendhauses lichterloh. Die Rauchsäule war im Ort weithin sichtbar. Die Feuerwehr löschte, die Kriminalpolizei ermittelte. Unbekannte Täter hatten vermutlich ein altes Sofa angezündet, das im Außenbereich direkt unter der Holzkonstruktion stand.

Die Täter wurden nie gefasst und der zerstörte Bereich des Jugendcamps bisher nicht wieder hergerichtet. Stattdessen befindet sich das Jugendtreff-Büro seitdem auf der anderen Seite des Haupteingangs im ersten Stock. An der Fensterscheibe hängt unübersehbar ein Schild: „Dieser Bereich wird videoüberwacht.“ Als Abschreckung für eventuelle Wiederholungstäter.

„Mal schauen, wie’s weitergeht“

„Doch wie geht es weiter? Warum werden die brandgeschädigten Räume nicht saniert?“, wird Benjamin Seidl seitdem regelmäßig gefragt. Der Leiter des Jugendtreffs antwortet dann, dass es sich nicht lohne, in ein Haus zu investieren, das in absehbarer Zeit so oder so grundlegend verändert werde. Für Seidl lautet die Grundsatzfrage, der sich die Verantwortlichen bei der Stadt irgendwann stellen müssen: „Sanieren wir das Gebäude im großen Stil oder bauen wir ein neues Jugendhaus?“ Der Jugendtreff-Leiter ist auf das Ergebnis gespannt: „Mal schauen, wie’s weitergeht. Über die Finanzen entscheidet zwar die Stadt, aber bei der Ausgestaltung und der Verortung der Pläne dürfen wir hoffentlich mitreden“, sagt er.

Orientieren müssen sich die Jugendhäuser ohnehin neu. Denn momentan sortiert sich die Schullandschaft völlig neu. Viele Ganztagsschulen entstehen, das heißt, dass die Kinder- und Jugendhäuser ihre Angebote auch völlig neu überdenken müssen: „Bei der Bachschule haben wir als Jugendhaus gGmbH schon die Trägerschaft der Ganztagesbetreuung übernommen“, sagt Seidl.

Winterfest ist der Jugendtreff noch nie gewesen

Fest steht bisher, dass eine grundlegende Sanierung des Jugendcamps eine ziemlich teure Angelegenheit werden würde. Es zieht durch alle Ritzen des 20 Jahre alten Jugendtreffs: „Selbst wenn man alles umfassend saniert, ist das danach immer noch eine große Holzkonstruktion, die Schlitze hat“, sagt Seidl. Bei höheren Minusgraden im Außenbereich schaffe es die Heizung in dem schlecht isolierten Haus nicht mal mehr, einzelne Räume auf Zimmertemperatur zu erwärmen. 14 Grad, mehr seien nicht drin. Das liege aber auch daran, dass das Camp auf einem Regenrückhaltebecken gebaut sei.

Winterfest ist der Jugendtreff am Feuerbacher Triebweg noch nie gewesen. Bei der Herstellung vor 20 Jahren wurden nämlich wichtige Grundsätze des energetischen Bauens außer Acht gelassen. Und wer sich die Entstehungsgeschichte genauer ansieht, weiß auch warum: Der Rohbau wurde 1993 im Hauruck-Verfahren hochgezogen. Mehr als eine Million Euro würde vermutlich eine grundlegende Sanierung kosten, schätzt Sieghard Kelle. Der Geschäftsführer der Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft war in der jüngsten Sitzung des Feuerbacher Bezirksbeirats zu Gast, um über die Zukunftspläne des Camps zu berichten. „Wir werden einen Antrag stellen, dass der Gemeinderat Planungsmittel im kommenden Doppelhaushalt bereitstellt“, sagte Kelle. „Wir würden gerne prüfen, was ein Neubau am Sportpark kostet, aber wollen auch gleichzeitig einen Suchlauf nach einem alternativen Standort starten.“ Er habe zwar großes Interesse, das Gelände am Triebweg mit dem wohl einmalig großen Außenbereich zu behalten. Dennoch sei es wichtig zu schauen, ob es eine zentral gelegenere Fläche gäbe, die für die tägliche Arbeit besser geeignet wäre.

200.000 Euro müsste der Gemeinderat bereit stellen

Er wolle alle Optionen prüfen lassen – egal, ob es das ehemalige Fahrion-Areal, das Schoch-Gelände, der neue Schulcampus rund um die Klagenfurter Straße oder eine andere potenzielle Fläche im Stadtbezirk sei. Kelle rechnet mit Planungsmitteln in Höhe von 200.000 Euro, die der Gemeinderat bereit stellen müsste.

An den Bezirksbeirat wandte sich Sieghard Kelle mit der Bitte: „Wir würden uns freuen, wenn das Gremium unser Vorhaben unterstützt.“ Und das taten die Kommunalpolitiker auch. Sie nahmen die Planungsmittel in ihre Wunschliste für den kommenden Doppelhaushalt auf.

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