Hier wurde der Geschäftsmann im November 2009 niedergeschossen. Foto: Piechowski

Im November war ein Geschäftsmann in Feuerbach überfallen worden - jetzt kommt es zum Prozess.

Stuttgart - Wegen versuchten Mordes und erpresserischen Menschenraubs hat die Staatsanwaltschaft drei Italiener im Alter von 30 bis 46 Jahren angeklagt. Vor einem halben Jahr war ein 40-jähriger Geschäftsmann in Feuerbach überfallen worden - der Raubversuch endete mit zwei Schüssen, die das Opfer fast das Leben gekostet hätten.

Der Tatablauf am 21. November 2009 gegen 23 Uhr wirkte wie ein kaltblütiger geplanter Anschlag. Als der 40-jährige Unternehmer, der in Immobiliengeschäften und in der Modebranche mit einem eigenen Label tätig ist, mit seiner Lebensgefährtin auf sein Firmengelände an der Heilbronner Straße zurückkehrte, wurde er in der Garage von mehreren Männern empfangen. Nach zwei Schüssen in Hüfte und Bein musste das lebensgefährlich verletzte Opfer mit einer Notoperation gerettet werden.

Staatsanwaltschaft geht von versuchtem Mord aus

Nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft sollte der 40-Jährige beraubt werden. Das Überfallkommando wollte den Geschäftsmann mit Waffen einschüchtern, damit er sie in sein Haus lässt und ihnen dort seine Wertsachen und Bargeldbestände herausgibt. Der Überfallene reagierte jedoch anders: Er stellte sich den Tätern in den Weg - und wurde niedergeschossen. Die Gangster flüchteten ohne Beute.

Zu den drei Beschuldigten zählt ein 46-jähriger Italiener aus Stuttgart. Nach Informationen unserer Zeitung soll er in dem Unternehmen des Opfers beschäftigt gewesen sein - und daher auch wichtige Insiderinformationen gehabt haben. Er ist wegen Diebstahls, Betrugs und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz polizeibekannt. Welche Hierarchie innerhalb der Gruppe besteht, ist unklar. Ebenfalls in Haft sitzen ein 30-jähriger Landsmann aus Stuttgart und ein 30-Jähriger aus Italien. Letzterer war extra zum Überfall angereist.

Dieser Helfer, der am Tatort nicht nur Einbruchswerkzeug vergessen hatte, bescherte der Polizei die entscheidende Spur. Die Ermittlungsgruppe Garage fand noch heraus, dass die Täter bereits am 7.November aufgetaucht waren - den Coup aber abbrachen, weil das Opfer nicht pünktlich war. Das Trio wurde am 3. Dezember festgenommen - und schweigt bis heute zu den Vorwürfen. "Wegen der Merkmale Heimtücke und Habgier handelt es sich um einen versuchten Mord", sagt Claudia Krauth, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Außerdem müssen sich die Beschuldigten wegen versuchten erpresserischen Menschenraubs verantworten.

Wer geschossen hat, ist noch unklar. Vollständig geklärt ist der Fall nicht: "Es müssen mindestens fünf Täter gewesen sein", so Claudia Krauth. Einen 22-Jährigen hat man gerade in Italien verhaftet, er soll demnächst nach Stuttgart ausgeliefert werden. Zwei andere im Dezember Festgenommene musste man dagegen wieder laufen lassen - sie erwiesen sich als unschuldig.

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