Auf dem Grünen Heiner könnte bald eine größere Windkraftanlage Foto: Archiv Butschek

Es soll mehr potenzielle Flächen für Windenergie geben. Auch ein Standort in Feuerbach ist im Gespräch. Und auf dem Grünen Heiner ist eine größere Anlage angedacht.

Feuerbach/Weilimdorf - Die grün-rote Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Ausbau der erneuerbaren Energien kräftig voranzutreiben. Zehn Prozent des Strombedarfs sollen bis zum Jahr 2020 aus heimischer Windkraft erzeugt werden. Will das Land den ehrgeizigen Plan umsetzen, müssten allerdings deutlich mehr Flächen als bisher für die Windenergie reserviert werden. Damit sich in Zukunft mehr Rotoren drehen können, will die Regionalversammlung deshalb im kommenden Jahr so genannte Vorranggebiete für den Bau von Windkraftanlagen festlegen: „Der jetzige Planentwurf umfasst insgesamt 96 Vorranggebiete, die für solche Standorte geeignet wären“, sagt Dorothee Lang, die Pressesprecherin des Verbandes Region Stuttgart (VRS). Der VRS ist für die Fortschreibung des Regionalplanes zuständig.

Nach dem jetzigen Stand der Pläne könnte in Zukunft Feuerbach einen kleinen Beitrag zur großen Energiewende leisten. Denn in dem aktuellen Entwurf ist das Gebiet Hohe Warte/Tauschwald/Steinstraße, das auf der Gemarkung Feuerbach liegt, als potenzielle Fläche für die Nutzung von Windkraft ausgewiesen. Neben der Hohe Warte gehören auch der Grüne Heiner in Weilimdorf und die Bernhartshöhe in Vaihingen zu den Flächen auf Stuttgarter Gemarkung.

„Die Standorte wurden nach verschiedenen Kriterien ausgewählt“, sagt die VRS-Pressesprecherin. Zuallererst wurden nur diejenigen Gebiete berücksichtigt, wo laut dem Windatlas auch genügend Wind bläst. Die Chance auf die Liste zu kommen, hatten nur solche Flächen, „in denen der Wind in 100 Metern Höhe durchschnittlich mit mindestens 5,3 Metern in der Sekunde weht“, sagt die Verbandssprecherin.

700 Meter Abstand zur Wohnbebauung

Darüber hinaus müsse die Fläche mindestens 700 Meter von einer Wohnbebauung entfernt sein, weiß Robert Schulze Dieckhoff vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung. Weitere Ausschlusskriterien sind Naturschutzgebiete oder Kulturdenkmale. Im Falle des Grünen Heiners geht es darum, die bereits existierende Windkraftanlage durch ein höheres und größeres Windrad zu ersetzen. Die Weilimdorfer Bezirksvorsteherin blickt möglichen Debatten und Diskussionen relativ gelassen entgegen: „Ich sehe die Sache entspannt“, sagt Ulrike Zich. Schließlich rotiert das dortige Windrad in der Nähe der A 81 nicht erst seit gestern, sondern dreht sich schon seit zwölf Jahren, ohne dass es groß stört: „Es ist fast so etwas wie eine Landmarke oder ein Wahrzeichen für Weilimdorf geworden“, sagt Ulrike Zich.

Für kommunalpolitischen Gegenwind könnten dagegen die Pläne für einen neuen Windrad-Standort in Feuerbach sorgen. Ob so ein Rotor auf die Hohe Warte passt, ist nicht nur für Feuerbachs Bezirksvorsteherin Andrea Klöber die große Frage. Schließlich ist der Hügel ein Naherholungsgebiet mit Gärten, Weinbergen und Wäldern. Ein Windrad würde das Landschaftsbild beeinträchtigen. Dass die Anlage im Wald stehen würde, wäre allerdings kein Hindernis: „Das Windrad würde weit über die Baumwipfel hinausragen“, sagt die VRS-Pressesprecherin.

Thema wird noch im Bezirksbeirat behandelt

Die Warnlampen gingen bei Andrea Klöber an, als sie erfahren hat, dass das Thema lediglich im Ausschuss für Umwelt und Technik des Gemeinderates behandelt werden soll und dass der betroffene Bezirksbeirat in der Debatte außen vor geblieben wäre. Sie informierte daraufhin die Betreuungsstadträte. Gleichzeitig drängte sie verwaltungsintern darauf, dass die Beschlussvorlage im örtlichen Gremium vorgestellt wird. Das geschieht nun: „Wir sind am 11. Dezember im Bezirksbeirat Feuerbach und am 12. Dezember in Weilimdorf“, sagt Schulze Dieckhoff vom Stadtplanungsamt. Bei diesen Sitzungen können die Bezirksbeiräte zu den geplanten Standorten Stellung nehmen. Am 18. Dezember steht das Thema dann wieder auf der Tagesordnung des Umweltausschusses. Die Kommunen können auch neue Gebiete für die Windkraft ins Spiel bringen. Im kommenden Jahr wird die Regionalversammlung über die 96 vorgeschlagenen Gebiete befinden: „Voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2013 wird die Entscheidung fallen“, sagt Lang.

Doch ob sich letztendlich auch wirklich die Windräder vor Ort drehen, hängt noch von vielen anderen Faktoren ab. „Im Falle des Grünen Heiners muss geprüft werden, ob bei einer größeren Windkraftanlage auch die Fundamentierung hinhaut. Der Hügel ist schließlich ein reiner Auffüllberg“, sagt Ulrike Zich.

Und in Feuerbach hat die Stadt Stuttgart als Eigentümer der Fläche darauf hingewiesen, dass dort regelmäßig Zugvögel unterwegs sind und daher „artenschutzrechtliche Bedenken vorliegen“. Einen Investor für eine Anlage gibt es bisher allerdings noch nicht.

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