Sind da Reste eines Brandbeschleunigers? Spurensuche an der Brandstelle in der Balinger Straße. Foto: Andreas Rosar/Fotoagentur

Vor dem Polizeirevier in Möhringen ist am Donnerstagmorgen ein Streifenwagen ausgebrannt. Eine vorsätzliche Brandlegung gilt als wahrscheinlich, der Staatsschutz ermittelt. Es wäre nicht der erste Fall.

Plötzlich ein Knall, ein Lichtschein, Flammen. Vor dem Polizeirevier an der Balinger Straße in Möhringen ist am frühen Donnerstagmorgen gegen 3.25 Uhr ein Streifenwagen in Flammen aufgegangen und völlig ausgebrannt. Die Polizeibeamten im Revier mutmaßten sofort eine vorsätzliche Brandstiftung – allerdings brachte eine Fahndung auch mit Hilfe eines Polizeihubschraubers kein Ergebnis. Ein politisches Motiv ist nicht ausgeschlossen – denn schon einmal war ein Polizeiauto vor einem Revier in Brand gesteckt worden.

 

Am Donnerstag gibt sich Polizeisprecher Stephan Widmann zunächst vorsichtig: „Wir ermitteln noch in alle Richtungen“, sagt er zu möglichen Hintergründen. Der Kastenwagen vom Typ Mercedes Vito wurde zu dieser Zeit noch auf dem Pragareal des Polizeipräsidiums von Technikern untersucht. Ein technischer Defekt war zunächst nicht völlig ausgeschlossen. Am Brandort in der Balinger Straße begaben sich am Vormittag weitere Beamte auf Spurensuche – etwa mit einem Detektor, der Brandbeschleuniger nachweisen kann.

Auch Revier im Westen war schon Brandort

Ein Brandanschlag bietet ein weites Feld an Spekulationen zum Motiv. Zum einen könnte eine betrunkene oder psychisch kranke Person zugeschlagen haben. In der Vergangenheit hatte es in und um Stuttgart immer wieder mal Serien von Brandstiftungen aller Art gegeben. Zum anderen aber könnte auch ein brisantes Wochenende eine Rolle spielen. Denn am Samstag soll es ein Aufeinandertreffen von Demonstranten rechter Gruppierungen und Gegnern aus der antifaschistischen Bewegung in Stuttgart geben. Alles zu weit hergeholt?

Die Stuttgarter Polizei muss nicht zum ersten Mal im Fall eines brennenden Streifenwagens ermitteln. Am 1. Mai 2023 um 22.40 Uhr brannte auf dem Gelände des Reviers Gutenbergstraße im Stuttgarter Westen ein Mercedes Sprinter. Das Motiv war schnell vermutet: Stunden zuvor hatte es bei der 1.-Mai-Demonstration Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten aus dem linken Spektrum und der Polizei gegeben. Der Streit um Vermummung, zu große Banner, Pyrotechnik und Wurfgeschosse führte am Ende zu sechs Festnahmen. Am späten Abend brannte dann der Streifenwagen.

Akten des alten Falls landen bei der Staatsanwaltschaft

Im Gegensatz zum aktuellen Fall in Möhringen hatten die Ermittler in der Gutenbergstraße immerhin die Beschreibung eines Duos, das sich an dem Polizeifahrzeug zu schaffen gemacht haben soll. Im Mai 2023 waren zwei 23 bis 30 Jahre alte Männer mit schwarzen Kapuzenpullovern, Jeans und schwarzen Masken beobachtet worden. Sie entkamen trotz Polizeihubschrauber.

Und wurden offenbar auch in der Folgezeit nicht ermittelt. Heiße Spuren zeichneten sich anfänglich nicht ab. „Die Akten sind inzwischen an die Staatsanwaltschaft abgegeben“, sagt Polizeisprecher Widmann. „Letztlich konnte kein Tatverdächtiger ermittelt werden“, bestätigt Staatsanwältin Stefanie Ruben. Im neuesten Fall freilich könnten Hinweise womöglich weiterhelfen. Wer Verdächtiges beobachtet hat, kann sich unter der Rufnummer 07 11 / 89 90 - 57 78 bei der Kriminalpolizei melden.