Ein verheerender Brand legte das Gasthaus Ochsen in Pleidelsheim (Kreis Ludwigsburg) in Schutt und Asche. Doch der Feuerwehr gelang die Rettung eines besonderen Stücks Ortsgeschichte.
Das denkmalgeschützte ehemalige Gasthaus Ochsen in der Pleidelsheimer Ortsmitte ist Geschichte. Ein Feuer in der Nacht auf Sonntag zerstörte das 400 Jahre alte Gebäude, das abgerissen werden musste. Außer Schutt ist nicht viel übrig – außer einer Sache: dem historischen Wirtshaus-Schild mit dem goldenen Ochsen.
Das Schild zierte die Fachwerkfassade des Hauses. Dort hing es auch noch nach der Brandnacht. Während der langen Nachlöscharbeiten am Sonntag und als die Zeichen sich verdichteten, dass das Gebäude aus Sicherheitsgründen eingerissen werden muss, merkte einer der Feuerwehr-Gruppenführer an, dass man das Schild ja vorher abmontieren könne, berichtet der Pleidelsheimer Kommandant Timo Günther.
Feuerwehr rettet Kulturgut
Er erklärt auch, dass die Kameraden sogar dazu verpflichtet seien, Kulturgut zu sichern – sofern es die Sicherheitslage zulässt. Zwar habe man während des Einsatzes lange nicht gewusst, „wo, wann und was herunterkommt“, so Günther. Aber zu dem Zeitpunkt sei es vertretbar gewesen, das Schild samt seinem Ausleger mit dem Bagger abzunehmen.
Es wurde vom Bauhof in eine Halle der Gemeinde nahe der Kläranlage gebracht, wo es nun – leicht rußverschmiert – darauf wartet, wie es mit ihm weitergeht. Vielleicht wird es eines Tages einen Neubau an der Stelle des ehemaligen Gasthauses Ochsen zieren, vielleicht anderswo in der Gemeinde installiert.
Historisch gesehen ist es jedenfalls ein interessantes Teil, betont Jürgen Bez, der ehrenamtliche Archivar der Gemeinde Pleidelsheim. Schilder wie dieses habe man vor vielen hundert Jahren an den Wirtschaften montiert, damit auch all diejenigen, die des Lesens nicht mächtig waren, wussten, dass man dort einkehren kann.
Rätsel um historisches Wirtshaus-Schild
Bez geht davon aus, dass es schon im 17. Jahrhundert ein solches Schild an der Wand des Ochsen gegeben hatte, wenn auch „vielleicht nicht gleich im Jahr 1614, als das Gasthaus fertig gebaut war“. Ob es genau das Schild war, das nun gerettet wurde, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.
Den ältesten Nachweis für das Wirtshaus-Schild, das bis zu dem Feuer am Gasthaus hing, hat Jürgen Bez auf einer Postkarte gefunden. Diese ist am 3. April 1899 verschickt worden. Eine alte Aufnahme des Hauses zeigt das Schild ebenso, sie stammt aus den Jahren 1900 bis 1915. Das Fachwerk war zu dieser Zeit nicht freigelegt und oben am Giebel ist kein Fenster.