Nichts mehr zu retten: die Unterkunft in der Heikelstraße. Auch der linke Gebäudeteil ist von dem Feuer arg in Mitleidenschaft gezogen worden Foto: Mann

Nach dem Brand in einer Flüchtlingsunterkunft in Kornwestheim geht die Polizei davon aus, dass zwei Bewohner das Feuer verursacht haben. Eine „Einwirkung von außen“ wird ausgeschlossen.

Kornwestheim - Sadyar Hasamuddin trainiert gerade im Fitnessstudio, als ihn eine Nachbarin anruft: In der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in der Heinkelstraße brenne es lichterloh. Der junge Afghane eilt zurück in den Kornwestheimer Norden, kommt aber gar nicht mehr bis zu seiner Haustür. Die Polizei hat das Terrain großräumig abgesperrt, die um 18.49 Uhr alarmierte Feuerwehr versucht mit Wassermassen, das Feuer zu löschen und insbesondere ein Übergreifen der Flammen von der rechten auf die linke Gebäudehälfte zu verhindern. Das gelingt, aber der rechte Teil wird vollständig zerstört.

Als man eingetroffen sei, habe das Haus schon lichterloh gebrannt, berichtet Matthias Häußler, Kommandant der Kornwestheimer Feuerwehr. Zwei Drehleitern seien eingesetzt worden, zudem mehrere Löschrohre. Eine Gasleitung sei durch die Hitze geborsten. Neben der Wehr aus Kornwestheim sind auch die Feuerwehren aus Remseck und Ludwigsburg im Einsatz. Die Löscharbeiten gestalten sich schwierig und langwierig. Erst am Sonntagmorgen gegen 8.30 Uhr verlassen die Feuerwehrleute den Brandort. Die ganze Nacht über flammen immer wieder kleine Feuer auf.

Häuser sind einsturzgefährdet

50 Plätze für Flüchtlinge stehen in den beiden Häusern zur Verfügung. Die eine Hälfte hat das Landratsamt für neu eintreffende Flüchtlinge in der Erstunterbringung – über ihren Aufenthaltsstatus ist noch nicht entschieden worden – angemietet, die andere Hälfte hat die Stadt Kornwestheim mit jungen Männern belegt, die vorerst in Deutschland bleiben dürfen und sich in der Anschlussunterbringung befinden. Sadyar Hasamuddin, der ein gutes Deutsch spricht, hat ein Bleiberecht und seit Kurzem auch einen Arbeitsplatz.

Seine große Sorge: Kann er an diesem Montag zur Arbeit gehen? Und wie kommt er an seine Sachen, die in der Unterkunft in der Heinkelstraße liegen? Der Afghane lebt im linken Gebäudeteil, das – äußerlich gesehen – nicht ganz so zerstört wurde. Gleichwohl darf er sein Zuhause nicht betreten. Die Polizei hat die Häuser gesperrt. Ein Bauzaun und Flatterband verhindern den Zutritt. Beide Häuser seien einsturzgefährdet, heißt es seitens der Behörde. Sie will die Ermittlungen am Montag fortführen, wenn die Häuser stabilisiert worden sind.

Die Männer, die die Häuser an der Heinkelstraße bewohnen, haben sich am Samstagabend selbst ins Freie retten können. Sie stehen in der Kälte auf dem Bürgersteig, als Polizei und Feuerwehr eintreffen – manche nur mit Hose und T-Shirt bekleidet, andere haben keine Socken an. Das DRK nimmt sich der jungen Männer an, die nach Angaben der Polizei vorwiegend aus den drei afrikanischen Ländern Gambia, Kamerun und Nigeria stammen. Sie können die Nacht in der Asylbewerberunterkunft an der Villeneuvestraße verbringen. Kurzfristig werden Matratzen und Decken besorgt, Bettgestelle sind in dem Haus vorhanden, das schon seit vielen Jahren für die Flüchtlingsunterbringung genutzt wird.

Rotes Kreuz richtet Kleiderkammer ein

Am Morgen richtet das Deutsche Rote Kreuz einen Pendelverkehr zu einer Kleiderkammer ein. Dort können sich die Männer mit dem Nötigsten versorgen. Ihre Not lindert das nur zum Teil. Sie haben nichts zu essen, die Geschäfte sind geschlossen, wichtige Unterlagen befinden sich in den Gebäuden oder sind verbrannt. Kornwestheims Erster Bürgermeister Dietmar Allgaier, der mit anderen Mitarbeitern aus der Stadtverwaltung und mit Vertretern des Landratsamtes schon am Samstagabend vor Ort war, nimmt sich des Problems an.

Die Polizei geht davon aus, dass das Feuer „ohne Einwirkung von außen im Gebäudeinneren ausbrach“. Sie ist mit einem Großaufgebot an Kräften im Einsatz. 16 Streifenwagenbesatzungen sind vor Ort, der Hubschrauber fliegt über dem Brandort. Einen fremdenfeindlichen Hintergrund schließt die Polizei aus. Zwei Männer stehen wohl im Verdacht, das Feuer verursacht zu haben. Die Flüchtlinge, die am Sonntagmorgen immer wieder am Brandort vorbeischauen und hoffen, ins Haus zu kommen, berichten, dass wegen dieser Männer, die im vom Landratsamt betreuten Teil des Gebäudes gelebt haben, in den vergangenen Tagen mehrfach die Polizei in der Unterkunft im Einsatz war.

Unterkunft wurde für 70 000 Euro saniert

Vor wenigen Jahren hat die Stadt Kornwestheim die Unterkunft für rund 70 000 Euro sanieren lassen. Das Landratsamt hatte jüngst die Stadt wissen lassen, dass sie nur noch bis zum Sommer Flüchtlinge in der Heinkelstraße unterbringen will. Die Stadt wollte beide Häuser dann selbst nutzen. Bürgermeister Dietmar Allgaier geht davon aus, dass das nicht mehr möglich sein wird. Vermutlich werde die Stadt nun auf gerade geräumte Unterkünfte für Obdachlose zurückgreifen müssen. Genau das wollte man aber vermeiden, weil die Häuser in einem desolaten Zustand sind.

Sadyar Hasamuddin hofft, möglichst schnell an seine Sachen zu kommen. Er möchte, dass der Alltag wieder einkehrt und dass er seiner Arbeit nachgehen kann.

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