Nicht nur die Urlaubsländer der Deutschen brennen. Auch im Amazonasgebiet, in Afrika und Sibirien wüten Feuer. Wir zeigen in der Übersicht die Hotspots des Planeten.
Washington D.C. - Im vergangenen Jahr war die Wut auf Brasiliens Präsidenten Jair Bolsonaro groß, als mit dem Amazonas die Lunge der Welt brannte und er kaum etwas dagegen unternahm. In diesem Sommer fordern stattdessen die Feuer in Südeuropa die öffentliche Aufmerksamkeit. Doch nicht nur die Urlaubsländer der Deutschen brennen.
Wo brennt es dieses Jahr in Südamerika?
Der Amazonas-Regenwald erlebte bereits im Juni die schlimmsten Feuer seit 14 Jahren – 2300 an der Zahl. Das brasilianische Nationale Institut für Weltraumforschung berichtete, das seien 2,6 Prozent mehr Brände gewesen als im Juni 2020. Die Nonprofit-Organisation Amazon Conservation Association schreibt in ihrem Sachstandsbericht von Anfang August, 67 Prozent der von ihr entdeckten Großbrände in Brasilien brannten kürzlich abgeholzten Regenwald ab, um Platz für Landwirtschaft zu machen. Davon seien mehr als 44 000 Hektar ehemalige Waldfläche betroffen. Es brennt außerdem in Bolivien, Peru und Kolumbien.
Wie ist es in Nordamerika?
Mehr als 198 000 Hektar kalifornischen Boden hat das Dixie-Feuer bereits niedergebrannt. Damit ist es inzwischen der zweitgrößte Brand in der Geschichte des US-Bundesstaats – aber nicht der einzige, der dort zurzeit wütet. Zehn weitere Feuer brennen allein in Kalifornien. Das Dixie-Feuer zerstörte unter anderem die frühere Goldgräberstadt Greenville. „Es war, als käme man aus einem Kriegsgebiet“, sagte Tami Kugler, die aus Greenville geflohen war und nun in einer Notunterkunft in einem Zelt lebt, der Nachrichtenagentur AFP.
Dasselbe Schicksal wie Greenville ereilte bereits am 29. Juni die kanadische Stadt Lytton, die von einem Feuer in Britisch-Kolumbien ebenfalls komplett niedergebrannt wurde. An jenem Tag wurde eine neue Rekordtemperatur für ganz Kanada gemessen: 49,6 Grad.
Wo gibt es die meisten Feuer?
Satellitendaten der NASA zeigen, dass im Süden des afrikanischen Kontinents die meisten Brände wüten. Betroffen sind vor allem Angola, die Demokratische Republik Kongo, Sambia, Simbabwe, Tansania, Mosambik und Teile Südafrikas. Von Angola berichtet der Spiegel, hier leide die Bevölkerung unter der schlimmsten Dürre seit 40 Jahren. Rinder verdursteten und ein großer Teil der Ernte sei verloren.
Ähnlich ist die Situation auf der Insel Madagaskar: Bereits im Juni warnte das UN-Welternährungsprogramm, dass hier ganze Gemeinden am Rande des Hungertodes stünden. Mehr als 1,14 Millionen Menschen könnten sich nicht ausreichend mit Nahrung versorgen. Auf der Karte der NASA ist zudem mehr als die Hälfte der Insel feuerrot.
Ist die Situation ganz im Norden besser?
Auch nahe der Arktis wurden in diesem Sommer schon Hitzerekorde geschrieben: Im russischen Petschora wurden 32,5 Grad, im nordfinnischen Lappland 33,5 Grad gemessen – hier die höchste Temperatur seit mehr als 100 Jahren.
Teile Russlands versinken im Rauch der Waldbrände: Allein in der Region rund um die Stadt Irkutsk am Baikalsee seien 736 Dörfer betroffen, in der Region Krasnojarsk in Sibirien sind es 944. Viele Brände werden den Angaben der Forstschutzbehörde zufolge gar nicht erst gelöscht, weil sie keine Dörfer bedrohten oder weil Löscharbeiten zu teuer seien. Manche Brände lägen so weit von Städten entfernt, dass das Kerosin der Löschflugzeuge nicht für einen Flug dorthin reiche.
Wie ist die Lage im Mittelmeerraum?
In Griechenland sind bisher rund 90 000 Hektar Wald verbrannt, davon rund 51 000 auf der Insel Euböa. Hier hat sich die Lage inzwischen etwas entspannt: Zuletzt war die Rauchentwicklung nicht mehr so stark, das Löschen der Feuer besser möglich wurde. Auf Peloponnes brennt es ebenfalls weiter, aber auch hier entspannt sich die Lage leicht.
Im türkischen Muğla lässt Wind die Feuer erstarken, zwei Brände sind außer Kontrolle. Dörfer seien aber nicht bedroht. Auch Italien kämpft weiter gegen die Flammen. Bei Feuern in den algerischen Regionen Tizi Ouzou und Bejaia kamen 65 Menschen während Rettungseinsätzen ums Leben. Mehr als 100 Menschen wurden dabei aber gerettet.
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Brennt es auch in Deutschland?
Über Waldbrände hierzulande wurde in diesem Sommer bisher kaum berichtet. Der erste große Brand der Saison ereignete sich in Bötzow in Brandenburg. Das Bundesagrarministerium sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, aufgrund anhaltender Dürre und Borkenkäferbefalls steige in den kommenden Jahren das Risiko für Brände.
Extremwetter
Weltklimarat
Nicht nur Hitzewellen und Dürren meint der Weltklimarat in seinem neuen Bericht, wenn er vor häufigeren Extremwettereignissen warnt. Auch Starkregen und Überschwemmungen wie in diesem Sommer in Deutschland gehören dazu.
Klimakrise
Dass die Erderhitzung menschengemacht ist, daran lässt der Klimarat keine Zweifel mehr. Noch könnten die Menschen die schlimmsten Folgen verhindern, sagt die Wissenschaft.