Moritz Haake hat die Brauerei Fürstenberg gebeten, ihn vorzeitig von dem Vertrag für den Wasen zu entbinden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

In Stuttgart wird darüber spekuliert, warum Moritz Haake bereits nach zwei Jahren als Volksfestwirt von Fürstenberg aussteigt. Im Gespräch mit unserer Redaktion nennt der Münchner die wahren Gründe dafür.

Wer davon träumt, Wasenwirt zu werden, muss in aller Regel viele Jahre warten, bis sich darauf eine Chance ergibt. Der Job ist äußerst stressig, aber hart umkämpft. „Amtsinhaber“ bleiben meist über Jahrzehnte und räumen selten den Platz für den Nachwuchs. Lockt die Aussicht auf hohe Umsätze? Oder ist es eine Prestigefrage?

 

Dass der Betreiber eines Festzelts bereits nach zwei Jahren aufgibt, ist etwas, das weder der Wasen noch die Wiesn bisher kannte. Doch Moritz Haake, 38, bat die badische Brauerei Fürstenberg darum, ihn von seinem Vertrag vorzeitig zu entbinden, der noch keineswegs zu Ende geht. Was ist geschehen?

In Stuttgart wird darüber spekuliert. Gerüchte sind im Umlauf. Im Gespräch mit unserer Redaktion nennt der Münchner die Gründe, warum er für sich keine andere Möglichkeit sieht, als den Traumjob vieler Gastronomen auf dem Volksfest zu beenden – es geht um hohe Summen.

„An der Stadt liegt es nicht“, versichert Haake, „ich habe mich in Stuttgart und mit den Menschen dieser Stadt immer sehr wohl gefühlt.“ Deshalb zerreiße es ihm fast das Herz, dass er nicht weitermachen könne. Dass die Nachricht vom Wirte-Wechsel im Herbst ausgerechnet kurz vor dem Start des Frühlingsfestes, auf dem Fürstenberg gar nicht vertreten ist, öffentlich wird, liegt zum einen daran, dass die Reservierungen für das Volksfest bereits jetzt beginnen. Zum anderen aber auch, weil in Stuttgart Gerüchte von der angeblichen Insolvenz des Münchner Wirts kursieren.

Nach unserer Anfrage wollte sich Haake erst mit Fürstenberg darüber abstimmen, wie beide Seiten seinen Abschied verkünden. Die Brauerei hat am Montag in einer Pressemitteilung seinen Nachfolger genannt: Jochen Mörz aus dem Allgäu übernimmt das Zelt. Deshalb kann der scheidende Wirt nun öffentlich darüber sprechen.

Das Fürstenberg-Zelt Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

„Absolut falsch“ sei es, dass er pleite sei, betont der 38-Jährige: „Hätte ich einen Insolvenzantrag gestellt, könnte man das auch nachlesen.“ Alle Rechnungen seien überwiesen. Doch seine Verluste in Bad Cannstatt seien so hoch gewesen, dass er „die Reißleine“ habe ziehen müssen. Sein Gastro-Unternehmen – er betreibt in München fünf Lokale – dürfe nicht wegen der schwierigen Situation für Wirte auf dem Volksfest in finanzielle Schieflage geraten.

„Die Kosten steigen in allen Bereichen extrem, aber nicht die Umsätze“

„Im vergangenen Jahr habe ich geheiratet, dieses Jahr werde ich zum ersten Mal Vater“, berichtet Haake. Der jungen Familie wolle er Sicherheit bieten, keine ungewisse Bilanzen. Der 38-Jährige spricht mit unserer Redaktion offen über alles und nennt die Zahlen: „Im ersten Jahr habe ich eine halbe Million Euro in Cannstatt verloren, im zweiten Jahr noch einmal.“

Den bisherigen Verlust in Höhe von einer Million Euro müsse sein Unternehmen ausgleichen, was ihm gelingen werde, ist er überzeugt. Auch wenn der Wirt im dritten Jahr beim Volksfest „nur noch halb so hohe Verluste“ einfahren würde, könne er sich das aber nicht mehr leisten.

Oft habe man ihm gesagt, er müsse einem Wasen-Engagement mehr Zeit geben, könne nicht erwarten, schon nach zwei oder drei Jahren in die Gewinnzone zu kommen. Doch die wirtschaftliche Aussicht sei seit Corona für die Gastronomie oft düster. „Wir haben extrem steigende Kosten in allen Bereichen“, sagt Haake, „aber die Umsätze sind auf dem Volksfest gesunken.“ Das einzige Wasenzelt, dass kein Bier aus Stuttgart verkauft, sondern aus dem Badischen, leide unter dieser negativen Entwicklung noch mehr als die Platzhirsche. Hinzu käme der relativ schlechte Standort des Fürstenberg-Zelts auf dem Wasengelände.

Die alleinige Schuld an seinem Aus will er nicht der schwierigen Wirtschaftslage anlasten. „Auch ich habe Fehler gemacht“, räumt er ein. Er habe sich vom Wasen mehr versprochen. Doch nur an wenigen Tagen stimme der Umsatz, unter der Woche dagegen blieben viele Stuhlreihen leer. Es sei sehr schwer, montags oder dienstags die Leute anzulocken. Seinem Nachfolger Jochen Mörz traut er zu, es in Cannstatt zu schaffen. Der neue Fürstenberg-Wirt betreibe mehrere Zelte in Bayern, habe daher die Möglichkeit, Synergieeffekte zu nutzen und Kosten zu reduzieren.

„Wichtige Erfahrungen“ gemacht

Dankbar ist Moritz Haake, dass die Brauerei nicht auf die Einhaltung des Vertrags beharrt, sondern ihn vorzeitig aussteigen lässt. „Wir hatten einen sehr guten Austausch, auch mit in.Stuttgart“, betont er. Deshalb steht für ihn fest, dass er aufs Cannstatter Volksfest zurückkehrt – dann aber als ganz normaler Besucher mit seiner jungen Familie, um lieb gewonnene Freunde zu treffen.

Auf dem Wasen habe er „wichtige Erfahrungen“ gemacht, „viel gelernt“ und schwäbisch-bayerische Freundschaft erfahren. Deshalb bereue er es auf keinen Fall, vor zwei Jahren das Erbe von Vorgänger Peter Brandl angetreten zu haben.