Der Festwagen, den Leonbergs Oberbürgermeister Martin Georg Cohn für den Pferdemarkt angeschafft hatte, kommt unter den Hammer. Dafür will die Stadt eine Plattform für Bund, Länder und Gemeinden nutzen.
Zwei graue Porsche-Alufelgen wechseln am Montagmorgen für 681 Euro den Besitzer. Das Höchstgebot für die Hummel-Porzelanfigur „Frühling“ liegt zu diesem Zeitpunkt bei 56 Euro. Die Auktion läuft aber auch noch knapp eineinhalb Stunden. Für den Lego-Bausatz „Batmobil Airlift Attack“ haben sich hingegen noch keine Bietenden gefunden. Der Startbetrag: 180 Euro.
Auktionsplattform für Bund, Länder und Gemeinden
All diese Angebote finden sich nicht etwa auf der bekannten Internet-Auktionsplattform Ebay. Sie standen am Montagmorgen auf www.zoll-auktion.de und damit im Online-Auktionshaus von Bund, Ländern und Gemeinden. Die Felgen hatte zum Beispiel die Stadt Verden eingestellt. Das Hummel-Figürchen wollte die Verwertungsstelle des Hauptzollamtes Duisburg loswerden. Das Lego-Spielzeug stammt vom Polizeipräsidium Koblenz.
Aber gegen das, was bald auf www.zoll-auktion.de versteigert werden soll, sind diese Angebote fast schon Kinkerlitzchen. Wie die Stadt Leonberg auf Nachfrage mitteilt, wird die „MS Leonberg II“ ebenfalls bald auf der Plattform zu finden sein. Der Umzugs-Festwagen im Stile des Ozeanriesen Titanic soll nicht mehr zum Einsatz kommen und veräußert werden. „Der Verkauf der ‚MS Leonberg II’ erfolgt zum aktuellen Buchwert. Die Veröffentlichung der Auktion hängt noch von der finalen Aufbereitung der technischen Daten und Bilder ab“, sagt Pressesprecher Sebastian Küster.
Der Festwagen stammt ursprünglich aus Hessen
Wie gemunkelt wird, lagert der beeindruckende, 16 Meter lange Festwagen aktuell noch in einer Scheune jenseits der Stadtgrenzen. Gebaut hatte den Koloss einst die Fastnachts-Gruppierung „Issgemer Buben“ aus Niederissigheim, einem Teilort von Bruchköbel in Hessen. Dort kam er unter dem Namen Titanic bei Umzügen im Jahr 2023 zum Einsatz. Über private Beziehungen hatte Leonbergs Oberbürgermeister Martin Georg Cohn von dem Schiff erfahren. „Mir schoss sofort das Bild in den Kopf, wie es beim Pferdemarkt durch die Altstadt fahren könnte“, gab der OB dereinst zu Protokoll.
Die Erzählungen darüber, wie es zur Anschaffung kam, gehören längst zur Leonberger Politik-Folklore. 11 000 Euro überwies Cohn schließlich aus dem Etat des Amtes für Kultur und Sport nach Niederissigheim. Im Nachgang zeigte sich der Gemeinderat „not amused“, weil die Rätinnen und Räte offenbar nicht gefragt wurden – was rein formal aber auch nicht notwendig war.
Der Transport war eine weitere Sache für sich. Wie von den Issgemer Buben damals zu erfahren war, existierten für den Wagen, auf dem das Schiff gebaut wurde, „keine Papiere und Zulassungsunterlagen“. So musste die künftige „MS Leonberg II“ über Landstraßen und zerlegt per Unimog ihren neuen Heimathafen anlaufen. Beim Pferdemarkt fuhren dann vor allem engagierte Leonberger Schüler mit. Das Motto: „Leonberg bleibt bunt“.
Zu den Verkaufschancen gibt die Stadt keine Einschätzung ab
Jetzt braucht der Kahn einen neuen Käpt’n. Ob sich der bei der Auktion findet? Immerhin wird die Seite www.zoll-auktion.de täglich über eine Million mal aufgerufen. Das sagt zumindest das Informationstechnikzentrum der Bundesregierung. Dazu, wie die Chancen auf einen Abnehmer bei der Auktion stehen, äußert sich die Stadtverwaltung in Person der stellvertretenden Pressesprecherin Leila Fendrich nur äußerst knapp: „Dazu können wir keine Einschätzung geben.“ Fest steht indessen, dass der Käufer oder die Käuferin das Schiff selbst abholen muss. „Die Stadtverwaltung übernimmt den Transport nicht“, so Fendrich.
Was die Stadt am 11. Februar 2025 statt der ‚MS Leonberg II’ ins Umzugsrennen schickt, bleibt noch ein Geheimnis. „Das soll – wie die Festwagen der anderen Vereine und Organisationen – eine Überraschung für die Besucherinnen und Besucher des Umzugs werden“, antwortet Leila Fendrich auf eine Anfrage unserer Zeitung. Man bitte um Verständnis.
Bei anderen Kolossen überbieten sich potenzielle Käufer
Der Vollständigkeit halber: Die Hummelfigur wurde am Montag für 70,50 Euro verkauft. Das Lego-Set hingegen ist nach wie vor zu haben, sogar für zehn Euro weniger. Bleibt für die Leonberger Stadtverwaltung zu hoffen, dass die „MS Leonberg II“ kein solcher Ladenhüter wird. Vielleicht stehen die Chancen aber auch gar nicht schlecht. Ein riesiger, zum mobilen Jugendtreff umgebauter Reisebus der Stadt Nürnberg zum Beispiel liegt bei den Bietenden Stand Dienstagvormittag hoch im Kurs – und das, obwohl er keinen TÜV mehr hat, undicht und durchgerostet ist.