Insgesamt beteiligten sich 2700 Teilnehmer an dem großen Jubiläumsfestzug durch Fellbach – in Uniform oder verkleidet, und manche hoch zu Ross. Foto: Gottfried Stoppel

Die Erinnerung an die Anfänge des Heimatfestes und das Partnerschaftsjubiläum bestimmen den Festumzug zum 70. Fellbacher Herbst. Dazu passend feiert die Oberbürgermeisterin Gabriele Zull ihre Premiere in einem Trabant.

Fellbach - Er stand unter einem guten Stern, der Jubiläumsfestumzug zum 70. Fellbacher Herbst. Anders als vorhergesagt, wurden die etwa 2700 Teilnehmer, die am Samstag durch Fellbach zogen, immer wieder von der Herbstsonne gewärmt. Ins Schwitzen wären die Mitglieder der Landjugend allerdings auch bei Wolken gekommen: 146 Kilogramm wog der gigantische Riesentrauben, den sie durch die Straßen trugen. Auch im ersten Jahr des Fellbacher Herbstes im Jahr 1948 war es ein – damals sehr bescheidener – Festwagen der Landjugend, der als einziger durch die Straßen von Alt-Fellbach gezogen wurde.

Eine Teekanne und andere Anspielungen auf die Partnerstadt

„Der Fellbacher Herbst im 70. Jahr – davon 30 mit Meißen als Städtepaar. Freundschaft ohne Grenzen und Mauern, sie wird auch in Zukunft andauern“, so lautete das Motto des diesjährigen Festumzugs. Und viele Gruppen ließen sich davon inspirieren: Die Kinder der Silcherschule hatten zum Beispiel eine überdimensionale Teekanne gestaltet. Und die Wichernschule punktete bei der Jury als Fußgruppe mit einem Glockenspiel, das auf das Fellbacher Rathausglockenspiel aus Meißner Porzellan anspielte: Dank der Städtepartnerschaft verfügt Fellbach über diese Rarität.

Außerdem bedachte die Jury „Glatze & Locke“ mit einem Preis bei den Festwagen – das Team hatte das Motto fantasiereich umgesetzt. Unter dem Slogan „Der Herr Trump baut eine Mauer, in Europa war’n wir schlauer“ wurde ein Trabi gezeigt, der eine Mauer durchbricht.

Die Oberbürgermeisterin fährt im Trabi

„Wir sind glücklich, dass wir als erste Stadt der Bundesrepublik noch vor dem Mauerfall eine Verbindung mit einer Stadt in der damaligen DDR aufnehmen konnten“, sagte Gabriele Zull in ihrer Ansprache vor der Schwabenlandhalle. Die Oberbürgermeisterin war bei ihrer Premiere auch mit einem Gefährt unterwegs, das zum Motto des Umzug passte: Zusammen mit dem Meißner Oberbürgermeister Olaf Raschke fuhr sie in einem Trabi mit.

Dieser war seit 17 Jahren nicht mehr bewegt und extra für den Fellbacher Herbst wieder hergerichtet worden. „Das war ein tolles Gefühl“, sagte Gabriele Zull, die allerdings ein bisschen Mitleid mit der Delegation des Gemeinderats hatte. Denn diese marschierte direkt hinter dem Trabi: „Die Damen und Herren haben sich ziemlich über den Gestank beschwert“, sagte Zull.

Ein zaghafter Schluck vom neuen Wein

Ihre Partnerinnen in den Ländern Italien, Frankreich, Ungarn und der Stadt Meißen grüßten die Fellbacher Landfrauen mit typischen Spezialitäten. Neben der ungarischen Paprika hätte auch noch eine Geiß mitmarschieren sollen: „Aber die war zu bockig, und so ließ man es bleiben“, sagte der Umzugs-Kommentator Gerhard Bürkert, der diesem Job seit zehn Jahren mit Begeisterung nachgeht. Bürkert verriet den Zuschauern, dass der 92-jährige Gerhard Hummel den Festwagen des Obst- und Gartenbauvereins seit Jahrzehnten fährt. Zur bunten Mischung des Umzugs trugen dann noch der chinesische Qipao-Verein bei, dessen weiblichen Mitglieder in farbenfrohe China-Seide gehüllt durch Fellbach trippelten oder die 1. Narrenzunft Schmiden „Chaos Weiß-Rot“, die eine große Peitsche knallen ließ.

Der Festakt vor der Schwabenlandhalle endete traditionell mit dem Trinken eines Bechers voll neuem Wein – Oberbürgermeister und Vorstandsvorsitzender der Fellbacher Weingärtner setzen ihn jeweils an. Nachdem Gabriele Zull ein züchtiges Schlückchen trank und Thomas Seibold den ganzen Krug in einem Zug leerte, sagte die Oberbürgermeisterin unter dem Gelächter der Festgäste: „Ich habe gerade erst erfahren, dass man ihn leer trinken darf.“ Bis zum kommenden Oktober hat Gabriele Zull nun Zeit, den großen Schluck zu üben.

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