Der Blick von oben zeigt das Festo-Areal in Berkheim. In den kommenden Jahren soll an der Aufstiegsstraße noch ein Forschungszentrum für 2500 Mitarbeiter entstehen Foto: Festo

Das Weltunternehmen Festo hat das neue Automation Center eingeweiht. Das Hochhaus in Esslingen- Berkheim ist ein Bekenntnis der Firma zum Standort Mittlerer Neckar.

Esslingen - Die Zahlen sind beeindruckend. 17 800 Mitarbeiter in 176 Ländern stehen auf der Gehaltsliste der Firma Festo. Es gibt mehr als 250 Niederlassungen. Festo bietet rund 30 000 Katalogprodukte in mehreren hunderttausend Varianten an und erwirtschaftet einen jährlichen Umsatz von knapp 2,5 Milliarden Euro.

Das erfreuliche aus Sicht des Esslinger Oberbürgermeisters Jürgen Zieger: Gesteuert wird der erfolgreiche Konzern weiterhin aus dem Esslinger Stadtteil Berkheim. Am Freitag hat das Unternehmen offiziell sein hoch innovatives, markantes Automation Center eröffnet. Im Volksmund wird es schon jetzt schlicht Festo-Hochhaus genannt. In ihm finden die Mitarbeiter des Vertriebs ein neues, futuristisch anmutendes Zuhause.Beim Festakt würdigte der Baden-Württembergische Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid das Unternehmen: „Neubau und Ausbau des Stammsitzes sind ein klares Bekenntnis von Festo zum Hochtechnologiestandort und zur Wirtschaftsregion Baden-Württemberg.“

Jürgen Zieger betonte die Bedeutung des Ausbaus für die Stadt: „Das klare Bekenntnis von Festo zu seinen Wurzeln durch den Ausbau des Headquarters mit dem neuen Automation Center ist eine sehr gute Nachricht für Esslingen.“ Festo zeige damit eindrucksvoll, dass internationaler Erfolg auf dem „Fundament der eigenen Geschichte und der damit einhergehenden lokalen Verbundenheit ein zukunftsfähiger Ansatz“ bleibe. Zieger: „Ich freue mich persönlich auch über die städtebauliche Konzeption.“ Das Hochhaus verbinde elegant und souverän technologische Brillanz mit Nachhaltigkeit.

Weltweites Wachstum

Zuvor hatte der Vorstandsvorsitzende von Festo, Eberhard Veit, die Firmenstrategie erläutert. In den Jahren 2010 bis 2014 sei das Unternehmen durchschnittlich um acht Prozent pro Jahr gewachsen. Veit: „Wir haben den Ausbau unserer Standorte in den globalen Wachstumsmärkten vorangetrieben, ohne die eine Bedienung der Weltmärkte schon heute nicht mehr möglich wäre. Um unser geplantes weltweites Wachstum vom Stammsitz in Esslingen aus mit Zentralfunktionen mit voller Kraft unterstützen und realisieren zu können, war jetzt diese Standorterweiterung nötig.

Das 67 Meter hohe Gebäude mit der symbolhaften Adresse Festo Campus 1 birgt jede Menge technischer Finessen. Getragen werden die einzelnen Geschosse von jeweils nur fünf Pfeilern. Möglich wird das durch mit Luft gefüllte Plastikkugeln, die in die Decken einbetoniert sind. Die Kugeln erhöhen die Spannkraft der sogenannten Cobiax-Decken so, dass eine geringe Anzahl von Säulen ausreicht, um dem Gebäude Stabilität zu verleihen. Der Vorteil der Hohlkörperbauweise ist: Es gibt keine obligatorischen Wände die zu Einschränkungen bei der Aufteilung der Räumlichkeiten führen. Stattdessen hat Festo bei der Gestaltung der Flächen eine größtmögliche Variabilität, was auch im Fall von etwaigen Umnutzungen mehr Spielräume zulässt.

Innovatives Energiekonzept

Stolz ist das Unternehmen auf das innovative Energiekonzept. Das Gebäude wird mit einer sogenannten Abluftfassade versehen. Hinter den Fenstern kann bei Hitze ein Sonnenschutz heruntergelassen werden. Die warme Luft, die sich dahinter bildet, wird abgesaugt, bevor sie in den Raum gelangt. Der Effekt sind wohltemperierte Räume. Trotz des Sonnenschutzes haben die Mitarbeiter weiter freie Sicht, da die Rollos nur einen Teil der Fenster bedecken. Elektrochromes Glas sorgt dafür, dass sich bei Sonne die Scheiben abdunkeln lassen.

Für Kühlung sorgt im Sommer ein in die Erde eingelassener Eisspeicher. Mehr als 1300 Kubikmeter Wasser gefrieren im Winter zu Eis. In der warmen Jahreszeit taut das Eis allmählich auf und dient dem Kühlkreislauf. Das Gebäude wird über Geothermie mit Wärme versorgt. Das Haus versorgt sich quasi selbst mit Energie.

Das rhombusförmige Gebäude zwischen Berkheim und dem Zollberg ist durch die Aufstiegsstraße von dem Hauptwerk getrennt. Durch einen schon vor Jahren angelegten Tunnel gibt es zwischen dem Erweiterungsbau und den Bestandsgebäuden eine direkte Verbindung. Die Festo Gruppe hat an ihrem Stammsitz mehr als 20 Millionen Euro für den Bau und noch weitere sieben Millionen Euro für die Erschließung des Baugebiets investiert. 50 Millionen Euro hat Festo zudem in die Technologiefabrik in Scharnhausen gesteckt, die vor kurzem eingeweiht worden ist.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: