Fast fertig: Das Fest-Bürohochhaus in Esslingen Foto: Horst Rudel

Selbst der Ministerpräsident gibt sich die Ehre: Mit einem Spatenstich haben die Bauarbeiten zur Umgestaltung mehrerer Kreuzungen auf der Landesstraße zwischen der A 8 bei Neuhausen und der B 10 in Esslingen begonnen. Notwendig wird der Ausbau wegen der Erweiterungspläne der Firma Festo.

Ostfildern/Denkendorf - „Wer den Weltmarkt bedienen will, sollte nicht gleich direkt vor der Haustür im Stau stehen.“ Es hat ein wenig länger gedauert, bis der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann zu dieser Erkenntnis gekommen ist. Anfangs stand er den Forderungen aus Esslingen äußerst skeptisch gegenüber, wegen der Erweiterungspläne der Firma Festo an der Aufstiegsstraße zwischen den Esslinger Stadtteilen Zollberg und Berkheim die ohnehin schon überlasteten Kreuzungen der Landesstraße zwischen der Bundesstraße 10 in Esslingen und der Auffahrt Neuhausen an der Autobahn 8 auszubauen.

Dann hatte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann das Thema zur Chefsache erklärt. Am Donnerstag haben nun beide, Kretschmann und Hermann, zum Spatenstich für den Ausbau der ersten Kreuzung an der Landesstraße geladen. In den kommenden Monaten wird der sogenannte Drechsler-Knoten für 1,1 Millionen Euro ertüchtigt. An der nach dem benachbarten Autohaus benannten Kreuzung treffen momentan jene 25 000 Fahrzeuge, die zwischen Autobahn und B 10 verkehren, auf die 12 000 Fahrzeuge, die auf der Strecke zwischen Denkendorf und Nellingen unterwegs sind. In jeder Stunde, so machte Hermann deutlich, begegnen sich in diesem Bereich bis zu 4000 Fahrzeuge. In zehn Jahren sollen es sogar 5000 pro Stunde sein.

„Es ist unzumutbar, was auf dieser Straße abgeht“, stellte der Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl bei der Begrüßung fest. Es sei aber erfreulich, dass nun nicht nur die Finanzierung des ersten Umbaus gesichert sei, sondern dass die Landesregierung alle acht Kreuzungen im Blick habe. 8,2 Millionen Euro soll das Gesamtprojekt kosten, das Land übernimmt davon 4,4 Millionen Euro. Einen Teil der Kosten tragen der Landkreis Esslingen und die Stadt Ostfildern. Am Ende werden, so Schmalzl, die Menschen im Kreis davon profitieren: „Das heute hier ist kein Spatenstich ohne Happy End.“

Winfried Kretschmann betonte, dass er es als seine Aufgabe ansehe, für gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu sorgen. Allerdings sei die Entscheidung, gerade diese Kreuzungen in der Planung und im Ausbau nach vorne zu ziehen, angesichts knapper Kassen keine Selbstverständlichkeit gewesen. Aber er schätze die Innovationskraft von Festo außerordentlich und sehe in der Ankündigung des „Global Players Festo“, den Stammsitz in Berkheim auszubauen, ein „klares Bekenntnis zur Region“.

Für Kretschmann ist die Entscheidung, die Kreuzungen zu ertüchtigen, ein „exemplarischer Fall“: Die Regierung helfe einerseits den Menschen, die bisher oft viele Stunden im Stau gestanden hätten, und sorge andererseits dafür, dass „unsere mittelständischen Unternehmen gute Bedingungen haben“, sagte er. „Wir stärken damit den Wirtschaftsstandort Esslingen und bereiten den Weg für weitere Investitionen von Unternehmen in der Region.“

Festo ist im Bereich Automation und Didaktik eine Firma von Weltgeltung – mit 16 700 Mitarbeitern in 176 Ländern. Momentan wächst der 16-stöckige Festo-Verwaltungsturm an der Esslinger Aufstiegsstraße in die Höhe. Rund 700 Mitarbeiter werden darin Platz finden. Im kommenden Jahr soll er eingeweiht werden. In der Folge plant Festo den Bau eines architektonisch spektakulären Hochtechnologiezentrums in unmittelbarer Nachbarschaft samt Tiefgarage für rund 2000 Fahrzeuge. Insgesamt 2500 zusätzliche Arbeitsplätze sollen so in Esslingen entstehen. Ein genauer Baubeginn steht zwar noch nicht fest. Allerdings hat sich die Landesregierung bereit erklärt, bis zur voraussichtlichen Eröffnung des Technologiezentrums im Jahr 2018 sämtliche sieben Kreuzungen an der Landesstraße zu ertüchtigen. Noch in diesem Jahr soll die Kreuzung an der Aufstiegsstraße an die Reihe kommen. Die weiteren Knotenpunkte werden in den Jahren darauf ausgebaut.

Ostfilderns OB Christof Bolay sorgte beim Spatenstich für ein paar kritische Töne. Das geplante Baustellenmanagement lasse befürchten, dass der Verkehr während der Bauphase teilweise zum Erliegen kommen werde. Auch der Denkendorfer Bürgermeister Peter Jahn mahnte, die beiden Großbaustellen – ICE-Trasse Stuttgart–Ulm und Autobahnzufahrt – aufeinander abzustimmen. Esslingens OB Jürgen Zieger erklärte in einer Pressemitteilung, für die Stadt sei der Beginn der Straßenbauarbeiten „ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Verkehrsanbindung des Neckartals an die Filder“.

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