Im Netz nehmen die selbsternannten Pedo-Hunter Kontakt zu den Männern auf. Sie geben sich als junge Frauen aus. Foto: dpa/Sina Schuldt (Symbolbild)

Sie locken Männer zu vermeintlichen Dates – dann schlagen sie brutal zu. Pedo-Hunter haben es angeblich auf Pädophile abgesehen. Die Polizei meldet einen Ermittlungserfolg.

Der Name der Ermittlungsgruppe klingt knuffig. Aber was die EG (kurz für „Ermittlungsgruppe“) „Teddy“ aufgedeckt hat, ist eine Reihe zum Teil ziemlich brutaler Taten. Versuchter Mord, versuchter Totschlag, schwerer Raub, Vergewaltigung und Körperverletzung, bewaffnet mit Schlagstöcken, Schusswaffen, Pfefferspray und Messern: Das soll eine Gruppe sogenannter Pedo-Hunter begangen haben. Am Mittwoch ging die Polizei mit einer großangelegten Durchsuchungsaktion gegen die Gruppe vor. Ein Mann wurde dabei in Stuttgart festgenommen, bereits im Juni hatte die Polizei drei erwischt. Aktuell gehen die Ermittelnden der EG „Teddy“ von 22 Tatverdächtigen aus, alle aus der Altersgruppe der Heranwachsenden – 19 Männer und drei Frauen.

 

Pedo-Hunter sind selbsternannte Jäger von Pädophilen. So ihre eigene Definition. Sie chatten Männer im Netz an und bahnen Treffen an. Dabei geben sie sich als junge, aber volljährige Frauen aus. Kurz vor dem Treffen geben sie dann an, sie seien minderjährig, und überreden die Chatpartner dennoch zum Treffen. Bei den Treffen soll es dann zu den besagten Taten gekommen sein.

Großeinsatz in Stuttgart: Polizei fasst 19-jährigen Verdächtigen

Der Einsatz am Mittwochmorgen war ein großer: Rund 160 Beamtinnen und Beamte strömten um 6 Uhr zu 17 Wohnungen im Bereich Stuttgart, Esslingen und Waiblingen aus. In Stuttgart-Süd nahmen sie einen 19-Jährigen in seiner Wohnung fest. Ihm war die zehnköpfige Ermittlungsgruppe durch Auswertung von Beweismitteln aus umfangreichen Ermittlungen auf die Spur gekommen. Er kam am Mittwoch vor einen Haftrichter.

Die Ermittlungsgruppe besteht seit Juni dieses Jahres. Nach einzelnen Taten im Jahr 2023 habe sich eine Häufung abgezeichnet. Deswegen wurde sie eingerichtet. Die Ermittelnden stiegen in die Chats auf der Plattform „Knuddels“ ein, auf der die Opfer der „Pedo-Hunter“ angeschrieben worden waren. Sie vereinbarten mit verdächtigen Chatpartnern zum Schein ein Treffen. Am Südheimer Platz im Süden der Landeshauptstadt kam es am 26. Juni dann zu ersten Festnahmen: Zwei 18-Jährige, die zum Treffen gekommen waren, wurden durch Kräfte einer Spezialeinheit festgenommen. Einer der 18-Jährigen hatte eine Gaspistole griffbereit eingesteckt. Auch Ende Juni startete die Polizei bereits eine größere Durchsuchungsaktion: Damals waren es sieben Wohnungen. Dabei ging ihnen ein weiterer 18-Jähriger in Esslingen ins Netz. Die drei 18-Jährigen kamen in Untersuchungshaft. Die Polizei geht davon aus, dass sich die jungen Leute kannten und die Taten miteinander geplant hatten.

Beim ersten Blick auf die Liste der Tatvorwürfe wundert man sich, dass so schwerwiegende Delikte wie versuchter Mord und versuchter Totschlag nicht gemeldet wurden. „Das wurde zum Teil erst später im Verfahren so eingestuft“, sagt eine Sprecherin der Polizei. Das geschehe dann, wenn die Staatsanwaltschaft den Fall behandle und aufgrund der Vorgehensweise der Tatverdächtigen und der Verletzungen einen Angriff dann als – beispielsweise – versuchten Mord einstufe.

Drei Tatverdächtige sitzen seit Juni in Untersuchungshaft, ein vierter kam am Mittwoch vor den Haftrichter. Foto: David Inderlied/dpa (Symbolbild)

Die Ermittlungsgruppe geht von rund 30 Taten aus, das hätten die Auswertungen der bislang gefundenen Beweismittel ergeben. Nur ein Drittel der Taten haben die Geschädigten angezeigt – viele würden aus Scham nicht zur Polizei gehen. Von weiteren zehn Taten weiß die Polizei, wen es traf. Bei einem Drittel der Taten, von denen aktuell ausgegangen wird, kennt die Polizei die möglichen Geschädigten noch nicht. Die Ermittelnden der EG „Teddy“ hoffen, dass sie sich noch melden werden. Ihnen würden keine Vorwürfe gemacht, so die Polizeisprecherin.

Falsche Scheu der Opfer: Ermittlungen erschwert durch fehlende Anzeigen

„Dass sich die Betroffenen oft nicht melden und die Vorfälle anzeigen, erschwert unsere Ermittlungen. Es ist wichtig zu betonen, dass die angegriffenen Männer in den meisten Fällen nichts falsch gemacht haben, weshalb der Begriff Pedo-Hunter auch nicht passt. Die Tatverdächtigen haben diese Masche schlichtweg genutzt, um die Männer anzugreifen und auszurauben“, erklärt der Leiter der Ermittlungsgruppe „Teddy“, der Erste Kriminalhauptkommissar Mario Teufel. Er hofft, weitere Fälle aufklären zu können. Deswegen werden Zeugen und mögliche weitere Geschädigte gebeten, sich unter Telefon 0711/8990 5778 zu melden.