Wer vor der Corona-Krise zu einem der großen Festivals gehen wollte, musste frühzeitig Tickets kaufen. Doch auch kurz vor dem Start ist das Southside in Neuhausen ob Eck nicht ausverkauft. Wie tief stecken die Festivals in der Krise?
Muse, Die Ärzte, Placebo, Billy Talent, Nina Chuba, Materia und viele andere – auf dem Southside 2023 in Neuhausen ob Eck werden viel nationale und internationale Künstler erwartet. Es ist ein Lineup, das sich sehen lassen kann. Doch ganz so groß wie noch vor der Coronakrise scheint der Andrang auf das Festival nicht zu sein. Auch wenige Tage vor dem Start am Freitag ist es nicht ausverkauft.
Zum Vergleich: Im Jahr 2017 meldete der Veranstalter bereits im April, dass das Southside ausverkauft sei, wie „die Schwäbische“ berichtete. Die letzte Preisstufe damals: 219 Euro. Inzwischen kosten die Tickets online offiziell bereits 259 Euro. Auf Onlineplattformen werden sie von vielen allerdings auch deutlich günstiger angeboten, dort gibt es auch kurz vor dem Start viele Tickets noch für unter 200 Euro zu haben.
Sind die großen Festivals inzwischen weniger angesagt? Oder sind die Kosten den meist jungen Besucherinnen und Besuchern in Zeiten von Inflation und Co. schlicht zu hoch? Oder wird einfach später gekauft? Gegenüber dem SWR äußerte sich ein Sprecher von FKP Scorpio, Veranstalter des Southside, über die wirtschaftliche Lage. Er sprach von gestiegenen Kosten in allen Bereichen, außerdem sei der Personalmangel im Land zu spüren.
Bis zur Coronakrise wuchs das Festival stetig. Waren es mit dem Start des bekannten Festivals 1999 gerade einmal 15.000 Musikfans, stiegen die Zahlen bis 2022 auf 65.000.
Trotz allem scheint es für das Southside noch verhältnismäßig gut zu laufen. Das Download-Festival beispielsweise, das Ende Juni auf dem Hockenheimring hätte stattfinden sollen, wurde komplett abgesagt. Die offizielle Begründung: „Die massive Anzahl von Open Air-Veranstaltungen erschwere in diesem Sommer trotz des erstklassigen Line-Ups die Organisation und Durchführung erheblich.“ Größen der Rock- und Metalszene wie Slipknot und Volbeat waren angekündigt. Doch auch das half offenbar nichts. In der Kommentarspalte auf Instagram spekulieren viele enttäuschte Fans, dass die Anzahl der verkauften Tickets wohl schlicht nicht ausreichte, um das Event zu realisieren.
Ebenfalls abgesagt: Das Bang Your Head-Festival, das Mitte Juli in Balingen hätte stattfinden sollen. In einem vergleichsweise ausführlichen Text nahm der Veranstalter Stellung und erklärt: „ Die Preise sind an allen Fronten explodiert.“ Außerdem ist davon die Rede, dass die Verhandlungen rund um die Gagen deutlich härter geworden seien. „Wo früher Vertrauen und ein gesunder Interessenausgleich im Mittelpunkt standen [...], beharren inzwischen zu viele darauf, ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen knallhart durchzusetzen“, heißt es im Statement.
Nachprüfen lassen sich die Aussagen nicht, nur wenige in der Musik- und Kulturszene sprechen offen über die Probleme hinter den Kulissen. Die Veranstalter des Southside ließen die Anfrage unserer Zeitung bislang unbeantwortet. Wie viele Menschen wirklich zu dem Festival von Freitag bis Sonntag kommen, bleibt also abzuwarten.