Mit Klappstühlchen bewaffnet besuchten die Gäste die vier Lyrik-Lesungen in der Villa Merkel. Foto: Horst Rudel

Halbzeit bei der Lesart. Obwohl die Stadtbücherei in diesem Jahr weniger internationale Autoren eingeladen hat, sind 13 von 18 Veranstaltungen ausverkauft gewesen. Die Organisatorinnen sind mehr als zufrieden über das bisherige Ergebnis.

Esslingen - Die Veranstaltung „Klangraum Lyrik“ ist vielleicht so etwas wie das Literaturfest Lesart im Kleinen. Die etwa 100 Besucher trafen sich zum Eingangskonzert mit Luciano Biondini im Foyer der Villa Merkel in Esslingen und gingen dann gruppenweise mit ihren Klappstühlen in die Ausstellungsräume, um den vier Lyrikern Safiye Can, Anna Breitenbach, Björn Kuhligk und Paul-Henri Campbell zu lauschen. Die Veranstaltung zeigte auch, was die Lesart am ehesten dem Publikum bieten kann. Nähe zu den Autoren, ungewöhnliche Formate, Nähe zum gesprochenen Wort. Würde man Literatur als Form der Kommunikation werten, dann weiß man aus dem Empfänger-Sender-Modell, dass die Literatur je besser funktioniert, je näher sich Autor und Publikum sind.

Der Klangraum Lyrik war sicherlich einer der Höhepunkte des Esslinger Literaturfestivals, das bis zum 2. Dezember geht. Wie bei den meisten anderen Veranstaltungen der Lesart auch traf sich ein Publikum, das sich untereinander kannte. Autoren, Kulturfunktionäre und Leser waren bunt gemischt.

Getragen vom Stammpublikum

Die Besucher sind noch nicht gezählt, und noch gibt es auch keine Statistik. Doch eine Tendenz zeichnet sich ab. Obwohl das Esslinger Literaturfestival dieses Jahr mit weniger internationalen Bestsellerautoren im Rennen ist, ist sie, was den Verkauf anbelangt, wieder am Limit der Besucherzahlen angelangt. 13 der 18 Veranstaltungen sind oder waren ausverkauft.

„Wir haben bei den meisten Veranstaltungen Stammpublikum“, sagt die Programmleiterin Renate Luxemburger. Sogar die Besucher, die am ersten Vorverkaufstag drei Stunden vor der Öffnung der Stadtbibliothek in der Esslinger Webergasse standen und hofften, noch an Karten zu kommen, waren Stammpublikum. „Die kannten sich alle noch vom Anstehen im letzten Jahr“, stellte die Programmleiterin Renate Luxemburger erstaunt fest. Einmal mehr zeigte sich, dass die Lesart noch viel mehr Publikum haben könnte, aber dann fehlte eben die Nähe. Gerade aber im Jugendbereich sei diese Nähe noch viel wichtiger, erklärt Bettina Langenheim, die für das Kinder- und Jugendprogramm zuständig ist. Der Kinderbuchautor Martin Ballscheit etwa hätte auch das Neckarforum gefüllt, doch sein Konzept, die Kinder mit einzubeziehen, wäre dort nicht mehr möglich gewesen. Deswegen trat er im viel kleineren Central-Theater auf.

Bücherei wünscht sich bessere Zusammenarbeit mit Schulen

Die Hauptmasse der Veranstaltungen spielte im Kutschersaal der Bücherei, der etwa 100 Personen fasst – „und für die durchschnittliche Besucherzahl einfach zu klein ist“, sagt Gudrun Fuchs, die Leiterin der Stadtbücherei Esslingen, die gerne einen Saal für 200 Personen innerhalb der Bücherei hätte. „Mit dem eigenen Saal können wir besser zeigen, dass die Lesart von uns, von unserer Stadtbücherei ausgeht“, sagt Gudrun Fuchs.

Schnell vergeben waren die Schullesungen, wobei sich die Bücherei eine bessere Zusammenarbeit mit den Schulen wünscht. Die Lehrer sollten sich an die Bücherei wenden, der Programmleitung sagen, welche Bücher sie im Unterricht behandelten, und dann würden die Esslinger versuchen, die Autoren dazu einzuladen. Der zweite Höhepunkt der Lesart, das Literaturfest im Jazz-Keller ist allerdings auch schon ausverkauft. Sogar beim Klangraum Lyrik musste man schnell sein, um noch Karten zu ergattern. Besonders beeindruckend aber war die Eröffnung mit den Bürgerrechtsaktivisten Leyla Yunus und Arif Yunus aus, die beide unsäglich der Folter in aserbaidschanischen Gefängnissen gelitten haben. Auch die Veranstaltung mit dem deutsch-israelischen Islamismus-Forscher Ahmad Mansour zum Thema Integration hat viele Besucher berührt und zum Nachdenken aufgerüttelt.

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