Die Jazz Open sind ein beliebtes Motiv für Handyfotografen. Foto: Uwe Bogen

Warum Ex-Fußballstar Cacau Helmut genannt wird und die Fantas zweimal in der Schleyerhalle spielen – die Tribüne der Jazz Open ist eine Infobörse. Wer war da am Tag neun?

Über ihren Ruf als Spitzentreff von live spielenden Legenden hinaus haben sich die Jazz Open einen Namen als idealer Ort zum Networking gemacht. Auf dem roten Teppich der beiden Logenetagen trifft sich ein breites Spektrum an Akteuren der Kreativ- und Musikbranche, ja, auch aus dem Sport sieht man bekannte Köpfe. Beim Konzert des Blues-Titans Joe Bonamassa am Donnerstagabend zählt der frühere Fußballstar Cacau zu den begeisterten Gästen. „Hallo Helmut“, ruft ihm einer zu.

 
Cacau alias Helmut bei den Jazz Open Foto: ubo

Cacau dreht sich um. Auf diesen Namen hört er. Der in Brasilien geborene Markenbotschafter des VfB gilt als Vorbild für gelungene Integration. Unbedingt wollte er den deutschen Pass, den er schließlich auch bekam. Seine Freunde haben ihn bereits davor „eingedeutscht“, in dem sie ihm den Spitznamen Helmut gaben. So wird Cacau bis heute genannt.

Helmut ist einer von vielen Vips des Festivals. Kultur und Business sind bei den Jazz Open eng verzahnt. Die Business-Logen, also das Stelldichein der Sponsoren mit ihren geladenen Gästen, sind wichtig zur Finanzierung der Musikstars auf dem Schlossplatz. Die besondere Atmosphäre in lauen Nächten ist für viele ein Sommermärchen, das sie lieben. Wer hier eingeladen ist, gehört zur ersten Reihe: Vorstandsmitglieder, Start-up-Gründerinnen, Kreativschaffende, Investoren, Entscheider.

Der rote Teppich führt auf die Business-Etage der Jazz Open Foto: ubo

Ja, ist denn heut schon Weihnachten, lieber Bär?

Einer der Gäste ist am Donnerstagabend Andreas „Bär“ Läsker, der braun gebrannte Manager der Fantastischen Vier, der so gut aussieht, als käme er just aus dem Urlaub. Aber nein, er war daheim, sagt er, als Besitzer von zwei Hunden ist er halt viel draußen in der Sonne. „Bär“ freut sich, dass der Run auf Fanta-Karten noch weiter gewachsen ist. Traditionell spielen die Rapper vor Weihnachten in der Schleyerhalle, für die Fans ist dies die schönste Bescherung. Schon Anfang des Jahres war das Konzert ausverkauft, sodass es diesmal sogar ein zweites vor dem Fest der Liebe gibt.

Jazz Open ist, wo man alle trifft. Auch Radiolegende Matthias Holtmann ist da. 75 Jahre alt ist „Matze“ nun und liebt den Blues, liebt die Musik, liebt das Leben auch mit seiner Parkinson-Erkrankung. Außerdem gesehen: Willi Pfannenschwarz, der Chef von Seitenbacher Müsli, der seine unkonventionelle Radiowerbung selbst einspricht, sowie Sparda-Bank-Chef Martin Buch, der das Sponsoring der Jazz Open als Glücksfall für seine Bank sieht.

Michael Kugler und Felicity Fellows. Foto: ubo

Ist das nicht Elyas M’Barek, der Schauspieler aus „Fack Ju Göhte“? Nein, es ist Michael Kugler, der Veranstalter des Artwalks in Stuttgart. „Ich werde oft verwechselt“, sagt er. Seine Partnerin ist ein bekanntes Instagram-Gesicht: die Influencerin Felicity Fellows. Der Unternehmensberater Philippe Piscol mit Büro am Kleinen Schlossplatz ist ein großer Fan der Jazz Open und kommt jeden Abend mit wechselnden Gästen, die er einlädt. Er weiß, wie gut die besondere Festivalatmosphäre fürs Anbahnen von Geschäften ist. Die Vip-Tribüne ist längst ein inoffizieller Business-Club.

Hinter der Theke steht das Quincy-Jones-Zitat „Shut up and listen!“ Foto: ubo

„Shut up and listen“

Mitten im Trubel fällt der Blick auf ein großes Schild hinter der Theke. „Shut up and listen“, ein Zitat von Musiklegende Quincy Jones, steht da klar und unmissverständlich. Die Aufforderung bringt auf den Punkt, was Musik wie auch Gespräche brauchen: Aufmerksamkeit, Respekt, ein Innehalten. Die Fans der Konzerte sollen nicht gestört werden vom Gemurmel der Gin-Tonic-Gemeinde.

Bei Joe Bonamassa aber ist es dank der perfekten Musikanlage so laut, dass Dany Schwarz wenig zu tun hat. Der schwarz gekleidete Mann gehört zu den Jazz Open wie die Jubiläumssäule zum Schlossplatz. Als Aufpasser der Business-Etage ist es sein Job, Gäste freundlich darauf hinzuweisen, wenn sie zu laut sind. Denn der Sinn der Abenden ist es nicht, sehen und gesehen zu werden, sondern zuzuhören.