Das letzte Konzert seiner Sommertournee hat der Ire in Leonberg gegeben. Foto: Jürgen Bach/ 

Er füllte einst große Hallen, am Sonntag spielte der Singer-Songwriter vor 800 Fans bei Leonpalooza. Dabei überraschte der Musiker in einer neuen Rolle.

Zwei Minuten vor halb acht betritt Chris de Burgh die Bühne. Andere Stars lassen ihre Fans eine halbe Stunde warten – nicht so der „sanfte Ire“. Fast fünf Jahrzehnte ist er im Musikgeschäft, hat vor allem in den 1980er Jahren große Hallen gefüllt. am Sonntagabend spielt er vor 800 Menschen bei Leonpalooza. Es ist das letzte Konzert auf seiner Summer Solo Tour 2003“. Alle Sitzplätze sind belegt. Ausverkauft.

 

Es ist ein lauer Sommerabend, Regen ist nicht angesagt, entsprechend entspannt ist die Stimmung derer, die 73 Euro für das Ticket bezahlt haben. Mit sanften Songs eröffnet Chris de Burgh den Abend, unter anderem erklingt „The hands of men“, vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 2014. Dem Publikum gefällt’s, Erinnerungen werden wach. „Weißt du noch?“, flüstert eine Dame mit grauem Haar und in eleganter Bluse ihrem Nebensitzer zu. Auch sie klatscht lachend, als der Musiker nach dem dritten Song auf Deutsch zur Begrüßung ein ruhiges „Guten Abend meine Damen und Herren. Wie geht’s?“ ins Mikrofon spricht. Der Sänger gibt sich nahbar. Er bringt seine Deutsch-Kenntnisse an, das Publikum erfährt, dass er ein Pils und einen kleinen gemischten Salat zu bestellen weiß. Er äußert sich politisch und kokettiert mit seinem Alter, 74 ist er. Ist er noch am Leben, kann er noch singen, solche Fragen seien über ihn im Internet zu lesen, erzählt er amüsiert.

Kraftvoll klingt seine Stimme, mit Ausnahme manch ganz hoher Töne. Aber wen stört’s? Das Publikum ist gekommen, weil es die Musik mag, sich von ihr über Jahrzehnte aus dem Radio begleiten ließ, mit ihr gelebt hat. Chris de Burgh weiß um diese Erwartungshaltung, die daraus erwächst. Er bedient sie einerseits, spielt andererseits viele seiner Hits nur an, um sie dann doch nicht zu spielen. Das mehr als zweistündige Programm ist auch ohne sie reich gefüllt an bekannten Hits. Bei „Lady in Red“ gibt es freilich kein Halten mehr. Das Publikum strömt nach vorne zur Bühne. die passend dazu in Rot getaucht wird und wiegt den Körper sanft zur Musik. Ganz anders die Stimmung bei „High on emotion“. Bei dem Lied aus dem Album „Man on the line“ aus dem Jahr 1984 wird getanzt – da ist sie wieder, die Energie, die für die Fans eben auch seit jeher von der Musik des Iren ausgeht. Vielleicht erklärt sie auch, warum er vor allem in den 1980er Jahren große Hallen füllte. Diese Zeiten sind vorbei, die Perfektion des Profis ist geblieben: hinter der Bühne steht, von Bäumen geparkt, fast unscheinbar, ein 40-Tonner, Er brachte die Technik, Licht und Sound für die Bühne, die im Lauf des Abends in satte, kräftige, aber eben ruhige Farben getaucht wird.

Der Geschichtenerzähler kommt an

Das Hier und Jetzt ist anders als früher, aber deshalb aus Sicht des Publikums nicht schlechter. Und so ist an diesem Abend viel Raum für „Robin Hood“. Das Konzept für das Album entstand während der Arbeit am gleichnamigen Musical aus der Feder des Iren, 2022 in Fulda uraufgeführt. Chris de Burgh, der Singer-Songwriter, erzählt in Leonberg die Geschichte von Robin Hood und spielt die Songs dazu.

Am Abend zuvor hatte der Ire in oberfränkischen Kulmbach gespielt, die Crew war über Nacht gefahren, morgens um 6 hatte der Festivalmanager Michael Menges ihn in Leonberg begrüßt. Vor und nach dem Soundcheck blieb dem Musiker Zeit für sich, man hätte ihn beim Spaziergang in der Stadt treffen können.

Nach dem Konzert ging es für ihn weiter. Chris de Burgh, so heißt es, soll sich vor seiner Rückkehr nach Irland noch ein paar Tage in Deutschland aufhalten.