Fernsehturm Verstoß gegen den Denkmalschutz

Von Rüdiger Ott 

Zum Biergarten unterm Fernsehturm gehört eine Hütte, die nie genehmigt wurde. Foto: dpa
Zum Biergarten unterm Fernsehturm gehört eine Hütte, die nie genehmigt wurde. Foto: dpa

Die Betreiber der Fernsehturm-Gastronomie müssen den Kiosk in ihrem Biergarten abreißen, da dieser ohne Genehmigung gebaut wurde. Sie dürfen sich damit aber Zeit lassen.

Degerloch - Wer vom Parkplatz aus auf den Fernsehturm schaut, blickt erst einmal auf einen hüfthohen Sicherungsschrank. Über das Gras mäandern dicke Starkstromkabel, eine gammelige Holzpalette lehnt an einer braunen Wand. Auf dem Wellblechdach liegen einige herabgefallene Zweige und eine Plane. Das ganze sieht aus wie ein in die Jahre gekommenes Häuschen in einer Schrebergartensiedlung. „Wie der Kiosk jetzt steht, ist er nicht optimal“, sagt Susanne Frucht vom Stadtplanungsamt. „Wenn er nicht schon da wäre, hätten wir ihn abgelehnt.“ Denn er verstößt gegen den Denkmalschutz.

Dieses Jahr darf der Kiosk noch mit einer Ausnahmegenehmigung betrieben werden; wenn er aufgehübscht wird, auch noch im nächsten Jahr. Dann muss er abgerissen werden. Der Kontrast zu den Skulpturen aus Metall, den Fahnenstangen und dem ausgefeilten Beleuchtungskonzept, das die Besucher über die Wege leitet, könnte kaum größer sein.

Links gibt es Gegrilltes, rechts Getränke

Dabei schaut der Kiosk von vorn, also vom Eingangsplatz des Fernsehturms aus gesehen, ganz nett aus. Die Gastronomiebetreiber nutzen ihn für die Außenbewirtung, er ist Teil des Biergartens. Links gibt es Gegrilltes, rechts Getränke. Die Gäste können bei schönem Wetter unter einem der Sonnenschirme sitzen. Doch bei genauerem Hinsehen ist das Flickwerk auch von dort aus zu erkennen. „Wir sind nicht glücklich mit der Optik des Biergartens“, sagt deshalb auch Alexander Deißler, der zusammen mit seinem Partner Leif Urtel seit 2010 für die Bewirtung an dem Stuttgarter Wahrzeichen verantwortlich ist. Zuvor hatten die beiden in der Innenstadt die Szenekneipe Bravo Charlie betrieben.

Als die Gastronomen auf die Filderebene zogen, stand der Kiosk schon. „Das sind Fehler aus der Vergangenheit, die wir übernommen haben“, sagt Deißler. Das fiel ihnen erst auf, als sie die Hütte etwas umgebaut hatten. Beim Sichten der Unterlagen stellten sie fest, dass der Kiosk nicht in den Karten eingezeichnet ist. „Wir dachten, der Status Quo sei genehmigt.“ Sie reichten nachträglich eine Baugenehmigung ein, die prompt abgelehnt wurde, verknüpft mit der befristeten Ausnahmegenehmigung.

Der Fernsehturm hat Umgebungsschutz

Ellen Pietrus vom Denkmalamt erklärt die ablehnende Haltung so: „Beim Fernsehturm handelt es sich um ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung. Diese haben Umgebungsschutz.“ Während die meisten Denkmäler nur für sich genommen schützenswert sind, wird in diesen seltenen Fällen der nähere Umkreis einbezogen. Das Gesetz ist wachsweich, in Metern lässt sich der Umgebungsschutz nicht definieren; es wird lediglich argumentiert. Was im Schatten des 1954 errichteten Bauwerks recht leicht fällt. „Der Kiosk befindet sich in der Sichtachse zum Haupteingang und gehört dort nicht hin“, sagt Pietrus. Dort laufen jährlich mehr als 300 000 Besucher vorbei. Stünde die Holzhütte also woanders, wäre die Aufregung nicht so groß.

„Der Fernsehturm ist ein ganz, ganz herausragendes Objekt“, sagt Pietrus und begründet damit den Umgebungsschutz. „Ich halte ihn für eines der fünf wichtigsten Denkmäler in Stuttgart.“ Dazu zählt sie die Neue Staatsgalerie, den Hauptbahnhof, die beiden Romeo und Julia genannten Hochhäuser in Zuffenhausen-Rot sowie die Weißenhofsiedlung.

Deißler ist froh, dass er den Biergarten nicht sofort abreißen muss. Schließlich hat die Saison längst begonnen. „Wir brauchen die Duldung, damit wir etwas Neues bauen können“, sagt er. „Wir sind mit dem Denkmalschutz auf einer Wellenlänge.“

Redaktion Degerloch

Ansprechpartner
Ralf Recklies
degerloch@stz.zgs.de

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