An der Bushaltestelle „Fernsehturm“ gibt es kein Häuschen zum Unterstellen. Foto: Tilman Baur

Das ist dem Wahrzeichen der Stadt Stuttgart unwürdig, finden einige Bezirksbeiräte in Stuttgart-Degerloch. Sie bemängeln, dass der Bushaltestelle am Fernsehturm etwas Entscheidendes fehlt.

Degerloch - Ein Samstag Anfang Juni in Degerloch: Eine junge Frau steigt mit ihrem Freund am Zahnradbahnhof in einen Bus der Linie 70 Richtung Plieningen. Ihr Ziel: der „Women’s Run“, ein Laufevent für Frauen rund ums Gazi-Stadion, initiiert von einer Laufzeitschrift und einer Krankenkasse. Mehr als 1000 Frauen aus ganz Deutschland nehmen daran teil. An der Haltestelle „Fernsehturm“ an der Jahnstraße ist dem Pärchen die Verunsicherung ins Gesicht geschrieben. „Geht es hier zum Fernsehturm?“, fragen sie den Busfahrer. Der bejaht. Die beiden steigen aus und gehen zögerlich Richtung Stadion. Laute Musik und Menschen in Laufmontur überzeugen die beiden schließlich, dass sie wirklich in der Nähe des Stuttgarter Wahrzeichens angekommen sind.

Die Verwunderung der Stuttgart-Touristen ist leicht verständlich: Die Bushaltestelle „Fernsehturm“ an der Jahnstraße erinnert mehr an eine vernachlässigte Dorfstation als an eine, die zu einem Aushängeschild der Landeshauptstadt führen soll. Weder eine Überdachung noch einen richtigen Gehweg gibt es hier. Ein schmaler, schlecht beleuchteter Weg und ein parallel verlaufender, grasumwucherter Schotterweg führen durch ein Waldstück in Richtung zu den Parkplätzen am Fuße des Fernsehturms.

Die derzeitige Lösung sei schlichtweg „Mist“

Dieser Zustand ist den Mitgliedern des Bezirksbeirats nicht entgangen. Deshalb wollen sie ihn nun ändern. Ein Jammer und dem Stuttgarter Wahrzeichen unwürdig sei die Haltestelle, findet Michael Köstler von der Fraktion SÖS/Linke-plus, die den Antrag eingebracht hat. Eine Haltestelle mit Wartehäuschen solle deshalb her, zudem ein befestigter, beleuchteter Fußweg.

Die Grünen sind dem Vorschlag wohlgesonnen. „Wenn es schon eine Haltestelle gibt, muss sie auch ordentlich sein“, sagte Michael Huppenbauer, der die derzeitige Lösung schlichtweg als „Mist“ bezeichnete. Ohnehin müsse die Linie 70 öfter fahren als bisher. Eine Aufwertung der Haltestelle sei geboten. „Richtig machen oder bleiben lassen“, findet auch Thilo Roßberg (FDP): Das Wahrzeichen verdiene wenigstens ein „ordentliches Wartehäusle“.

Nicht alle Fraktionen sind indes von dem Antrag begeistert, der am Ende aber angenommen wurde. Busanbindungen an die Waldau sind bereits seit langer Zeit ein Thema, das vielen Bezirksbeiräten unter den Nägeln brennt. Erst im Februar hatten sie einen Antrag gestellt, der darauf abzielt, die Waldau besser ins öffentliche Verkehrsnetz einzubinden. Man müsse jetzt aber aufpassen, es nicht mit den Anträgen zu übertreiben, sagte Götz Bräuer (CDU). „Wir haben beim Haus auf der Waldau und beim Alten Friedhof ähnliches gefordert“, so Bräuer. Er forderte, sich auf Anträge zu konzentrieren, die mehr Aussicht auf Erfolg haben. Uli Demeter (Freie Wähler) plädierte dafür, lieber darauf zu drängen, dass die Linie 70 häufiger fährt. Bislang ist deren Frequenz überschaubar. Wochentags fährt der erste Bus den Fernsehturm erst abends um 20.34 Uhr an, am Wochenende immerhin mindestens halbstündlich.

SSB wollen die Entscheidung der Verwaltung abwarten

Bezirksvorsteherin Brigitte Kunath-Scheffold schlug vor, zunächst eruieren zu lassen, wie frequentiert die Haltestelle ist. Denn das Fahrgastaufkommen ist für die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) ein wichtiges Kriterium dafür, neue Haltestellen zu einzurichten oder alte zu verändern.

SSB-Pressesprecherin Birte Schaper will sich zum aktuellen Antrag des Bezirksbeirats nicht äußern, sondern die Entscheidung der Verwaltung abwarten. Sie verweist aber darauf, dass viele Besucher den Fernsehturm über die Stadtbahn erreichen, die die etwas weiter entfernt liegende Haltestelle Ruhbank anfährt. Auch auf die Buslinie 70 kann man hier warten – und hat dabei sogar ein Dach über dem Kopf.

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