Der Abbruchunternehmer Hans Betz aus Weil im Schönbuch fährt alleine rund 4000 Kilometer in die Ukraine, um Hilfsgüter an die daheimgebliebenen Ukrainer zu übergeben.
Der Krieg Russlands gegen die Ukraine geht unvermindert weiter. Nicht jeder kann oder darf das Land verlassen. Das Leid vor allem dieser Personen wollte der Abbruchunternehmer Hans Betz aus Weil im Schönbuch lindern, indem er am vergangenen Freitag in einem mit Hilfsgütern vollbepackten Transporter in Richtung Ukraine aufbrach. Zuvor hatte der 65-Jährige auf seinem Firmengelände Dinge des täglichen Lebens gesammelt – von Babynahrung, -kleidung über haltbare Lebensmittel, Hygieneartikel bis hin zu Verbandsmaterial. „Die Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung war so groß, dass die Ladung fast überlief“, sagt Betz.
2016 hatte Betz einige Gemüter erhitzt
Vor sechs Jahren noch hatte Betz mit einem auf seinem Grundstück errichteten Wachturm für Aufsehen gesorgt. Die Aktion mit einem von der ehemaligen DDR-Grenze nachempfundenen Wachturmbau inklusive Scheinwerfern hatte die Frage aufgeworfen, ob der Unternehmer die Anlage zumindest symbolisch gegen dort in der Nähe untergebrachte Geflüchtete richten wollte. Damals wie heute weist Betz diese Vermutung von sich: „Ich hatte keine politische Absicht. Mir ging es vor allem darum, mich gegen wiederholte Einbrüche in mein Privathaus wie auch die Geschäftsräume zu schützen.“
Unter dem Eindruck der Kriegsbilder habe er sich, sagt Betz, nun kurzfristig entschlossen, selbst tätig zu werden. Nach einem Gespräch mit einer Bekannten, einer gebürtigen Ukrainerin, hat er seinen ursprünglichen Plan in die Großstadt Lwiw zu fahren, über Bord geworfen. Er folgte dem Rat seiner Bekannten, lieber einen Grenzort nördlich von Lwiw anzusteuern. Dort könnten polnische und ukrainische Spediteure unter Aufsicht des Militärs Hilfsgüter entgegennehmen. Ein Schwager seiner Bekannten sollte die Verbindungsperson sein.
Ohne Verbindung, dafür mit polnischen Straßenkarten
Am Freitagnachmittag rollte der VW Bus los. Nachdem bei Schwäbisch Hall der erste Stau drei Stunden und „einige Nerven“ gekostet habe, führte die Fahrt über Dresden, Katowice, Krakau und Rzeszów tief in die südostpolnische Provinz. „Leider war ich ab der polnischen Grenze vom Netz abgeschnitten. Ich konnte keine Anrufe mehr tätigen und hatte kein Internet mehr“, so Betz.
So musste er sich mit Straßenkarten in polnischer Sprache aushelfen. „Das war nicht einfach. Ab Rzeszów verschlechterten sich auch die Straßenverhältnisse. Und in der Dunkelheit habe ich mich auch immer wieder verfahren“, erzählt der Unternehmer aus Weil im Schönbuch. Das Ziel erreichte er dennoch. Aus ursprünglich 1500 wurden letztendlich 4000 Kilometer Strecke. Im winzigen Dorf Zosin im äußersten Osten Polens überquerte Hans Betz die Grenze: „Dort empfing mich das ukrainische Militär. Bewaffnete Soldaten erklärten mir, dass ich den Transporter, den ich ursprünglich stiften wollte, wieder mitnehmen müsse. Die Hilfsgüter nehme man allerdings entgegen und verteile sie.“ Für den Fall, dass sein Plan, den aussortierten Werkzeugwagen dort zu lassen, aufgegangen wäre, hätte der Weilemer mit einem Flixbus den Heimweg angetreten.
Mehr Strecke zurückgelegt als geplant
An der Grenze blickte der Unternehmer eher in erleichterte als in verängstigte Gesichter. „Die Frauen und Kinder schienen einfach froh zu sein, die Grenze oder zumindest das grenznahe Gebiet erreicht zu haben und damit die Flucht geschafft zu haben“, schildert Betz seinen Eindruck.
Die Spendengüter wurden, so teilte man Hans Betz mit, teils an Zivilisten, teils an eine Garnison der ukrainischen Armee übergeben. Am Sonntag war der Unternehmer wieder zurück in Deutschland.