Etwas Farbe an einem trüben Tag: ein Flixbus beim Stopp an der Kornwestheimer Haltestelle Foto: Kiefer/Archiv

Der Geschäftsführer des Fernbusunternehmens zeigt sich mit dem Standort in Kornwestheim unzufrieden. Auf Nachfrage rudert man beim Branchenprimus allerdings zurück.

Kornwestheim - Grüne Busse auf dem Parkplatz am Kornwestheimer Eichenweg – ein Anblick, den es eigentlich nicht geben dürfte. Doch immer wieder nutzen die Busfahrer, die im Auftrag von Flixbus unterwegs sind, die Fläche, um zu rasten und so ihre Ruhezeiten einhalten zu können. Doch um dorthin zu gelangen, müssen die Fernbusse zum Teil Wohngebiete durchqueren und sind damit auf Strecken unterwegs, die überhaupt nicht zu ihrer festgelegten Route gehören.

Es ist nicht die einzige Unstimmigkeit, die sich in den vergangenen Wochen und Monaten zwischen dem Busunternehmen und der Stadtverwaltung aufgetan hat. Dass Flixbus nun auf einen neuen, zunächst zusätzlichen Haltepunkt nahe des Pragsattels in Stuttgart schielt und mit den bisherigen Stationen am Flughafen und eben in Kornwestheim nicht zufrieden ist, passt da nur ins Bild – und ist der Kornwestheimer Stadtverwaltung nicht mehr wirklich unrecht. „Man könnte das so interpretieren, dass Flixbus Kornwestheim nur als Interimslösung ansieht, bis sich etwas Besseres aufgetan hat“, sagt die Oberbürgermeisterin Ursula Keck auf Nachfrage unserer Zeitung. „Und wir wären darüber inzwischen sicher auch nicht böse.“

Im Rathaus ist man überrascht wegen der Forderung von Flixbus

Der Flixbus-Geschäftsführer Andre Schwämmlein hatte jüngst kritisiert, dass sowohl Kornwestheim als auch das sogenannte Stuttgart-Airport-Busterminal zu weit ab vom Schuss lägen, zudem die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu teuer sei. Es erging die Forderung an die Stuttgarter Verwaltung nach einer Haltestelle im Norden der Landeshauptstadt.

Im Kornwestheimer Rathaus zeigt man sich darüber überrascht. „Uns wurde nicht mitgeteilt, dass man mit dem Standort hier unzufrieden ist“, sagt Keck. Vielmehr sei es die Kommune, die mit manchen Dingen unzufrieden sei. Dabei gehe es nicht nur um Routen, die nicht eingehalten würden. Auch der Ablauf an der Haltstelle sei nach wie vor nicht optimal. „Bring- und Holverkehr klappen nicht wie gewünscht, der Wartebereich reicht nicht aus, und die Wartenden halten sich zum Teil auf Privatflächen auf“, zählt die Oberbürgermeisterin auf. Zwar habe es Verbesserungen wie ein Wartehäuschen oder zusätzliche Abfallbehälter gegeben. Doch anderes funktioniere einfach nicht. „Trotzdem hätte ich erwartet, dass man sich zu Kornwestheim bekennt und die Probleme partnerschaftlich löst“, sagt Keck.

Auf Nachfrage rudert das Unternehmen zurück

Und so sieht Flixbus die Dinge: „Die Auswahl des Haltestellen-Standorts in der Stadt Kornwestheim wurde im engen Austausch vorgenommen“, teilt das Unternehmen auf Nachfrage mit. Die Zusammenarbeit mit der Stadt sei sehr gut: Kornwestheim biete sich als verbraucherfreundlicher Standort nördlich von Stuttgart an, um Reisenden aus und in die Region die Nutzung des Fernbusses zu ermöglichen. Unzulänglichkeiten gebe es vor allem am Flughafen.

Auch die weiteren Auskünfte hören sich so gar nicht nach dem an, was der Geschäftsführer Andre Schwämmlein noch vor Kurzem gegenüber der Stadt Stuttgart hat verlauten lassen. „Der Flixbus-Halt in Kornwestheim wird von den Verbrauchern gut angenommen. Kornwestheim hat einen festen Platz im europäischen Flixbus-Netz eingenommen.“

Im Februar auf der Gemeinderatsordnung

Zumindest in Sachen Routentreue gelobt man Besserung. „Jüngst wurden alle Fahrerinnen und Fahrer, die auf Verbindungen mit Halt in Kornwestheim unterwegs sind, noch einmal auf die richtige Strecke hingewiesen“, teilt Flixbus mit.

Wie es mit Flixbus in Kornwestheim weitergehen soll, wird wohl in einer Gemeinderatssitzung im Februar erörtert werden. Dann soll auch ein Unternehmensvertreter dabei sein und sich den Fragen der Räte stellen.

Kampf um Fernbus-Haltestellen im Stuttgarter Norden

Die Kritik am Halt in Kornwestheim kommt nicht wirklich überraschend: Schon im Sommer war Kritik von Seiten der Nutzer als auch von der Firma Flixbus laut geworden. Darin ging es darum, dass der Standort trotz guter Anbindung an das S-Bahn-Netz zu weitab von Stuttgart sei. Es war aber auch zu hören, dass die zur Verfügung gestellte Fläche zwischen Bahnhof und Salamanderareal nicht groß genug sei. Weshalb der Fernbus-Fahrplan geändert und Kornwestheim seltener angesteuert wurde. Als Haupthalt für Stuttgart gilt seither – trotz Kritik an der ungünstigen geografischen Lage – die Station Airport/Messe.


Bis zum Juni hat das Unternehmen Mein Fernbus/Flixbus 39-mal am Tag den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Stuttgart-Zuffenhausen angefahren. Und wäre es nach der Busgesellschaft gegangen, wäre das auch so geblieben. Doch die Stadt Stuttgart hat nach Anwohnerprotesten den ZOB Zuffenhausen zum 9. Juni dieses Jahres gekündigt.

Zu Jahresbeginn hatten sich Ludwigsburg und Kornwestheim als alternative Fernbus-Haltestellen angeboten. Weil die Stadt Ludwigsburg plant, den ZOB umzubauen, hatte sie Flixbus eine Freifläche an der S-Bahn-Station Favoritepark als mögliche Haltestelle angeboten. „Das wäre natürlich auch gut für unsere Studenten und Fachhochschüler“, sagte Bürgermeister Michael Ilk damals. Im März hat sich das Unternehmen Flixbus dann gegen Ludwigsburg, aber für Kornwestheim entschieden.

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