Auf die richtige Perspektive kommt es an: Der Video-Profi Harry Delgas bringt Kinder und Jugendliche bei, wie man einen Clip produziert. Foto: /Andreas Kaier

Der Videokünstler Harry Delgas führt Kinder beim Aichwalder Sommerferienprogramm in die Kunst des Filmemachens ein. Dabei haben Jungen und Mädchen ganz unterschiedliche Ideen.

Aichwald - Egal, ob Youtube, Instagram oder TikTok: Fast überall sind Kinder und Jugendliche heute von Videos umgeben. Doch wie entstehen diese Clips und wie kommen sie ins Internet? Diesen und ähnlichen Fragen gehen derzeit neun Kinder im Alter von neun bis 13 Jahren im evangelischen Gemeindehaus in Aichwald-Aichschieß nach. Gemeinsam mit dem Videokünstler Harry Delgas drehen sie dort im Rahmen des Aichwalder Sommerferienprogramms in zwei Gruppen jeweils einen Film, schneiden ihn und bearbeiten ihn so, dass er ins Internet hochgeladen werden könnte. Ob sie diesen letzten Schritt aber tatsächlich gehen und ihren Clip öffentlich zugänglich machen, stand zumindest am Mittwochnachmittag kurz vor dem Ende des ersten Workshoptags noch nicht endgültig fest.

 

Videospiel und Tanzfilm

Um den neun jungen Filmemacherinnen und Filmemachern freie Hand zu lassen, durften sie sich das Thema, das sie mit der Videokamera aufnehmen und am Computer bearbeiten wollten, selbst aussuchen. Während sich die fünf Jungs vornahmen, ein Videospiel nachzuspielen und das filmisch zu dokumentieren, entschieden sich die vier Mädchen lieber für die Produktion eines eigenen Musikvideos. Sie entwickelten einen Tanz mit farbigen Bändern zum Song Don’t Start Now von Dua Lipa. „Ich habe dazu schon mal eine Choreo gemacht“, erzählte die elfjährige Leni, die schon länger in Esslingen tanzt. Mit der achtjährigen Lotta war auch schnell eine Kamerafrau gefunden. „Ich kann einfach nicht tanzen, deshalb filme ich lieber“, räumte Lotta ein.

Während die Mädchen den Tanz einübten, machten sich die Jungs darüber Gedanken, wie sie ein Videospiel, das so auch virtuell im Internet hätte gespielt werden können, in die Realität umsetzen. Fest stand anfangs nur: Zwei Spieler sollen zwei Figuren mit dem Handy steuern und auf einem Parcours gegeneinander antreten lassen. Sie planten, die realen Spielszenen zu dokumentieren und diese später mit Szenen von ähnlichen Videospielen aus dem Internet zusammenzuschneiden.

„Wir wollen auch versuchen, dafür Zeitlupenaufnahmen zu machen“, erzählte der zehnjährige Sahin, der schon früher eigene Videoclips ins Internet gestellt hatte. Meist hatte er auf dem Handy Videospiele gespielt, den Verlauf aufgezeichnet und den Clip dann hochgeladen.

Zweitägiger Workshop

Damit wollte er berühmt werden, wie er sagte. Immerhin brachte es der Junge auf mehr als 200 Follower. Inzwischen hat sich Sahin ein anderes Hobby gesucht. Er spielt Fußball und will Trainer werden. Der zwölf Jahre alte Jonathan hatte sich dagegen beim Jonglieren mit dem Fußball gefilmt und die Clips auf der Homepage des VfB Stuttgart hochgeladen – in der Hoffnung, ein Trikot des Fußballbundesligisten zu ergattern. Das waren die Preise, die es für die besten Clips gab. „Es hat aber knapp nicht geklappt“, erzählte der Zwölfjährige, der sich ebenso wie seine Mitstreiter von dem Workshop weitere Tipps erhoffte, wie man Videoaufnahmen am Computer am besten bearbeitet.

Davon hat der Videokünstler Harry Delgas, der den zweitägigen Workshop am Mittwoch und Freitag leitete, jede Menge Ahnung. Er arbeitet unter anderem für verschiedene Theater, komponiert Musik und produziert Musikvideos. Vor kurzem ist der 33-Jährige mit seiner Familie von Stuttgart nach Aichschieß gezogen und wurde prompt von Ulrike Blum vom Verein Aichwalder Kunsttage darauf angesprochen, ob er nicht beim Ferienprogramm einen Kurs anbieten wolle. „Da war ich sofort mit dabei“, sagte Delgas. Sein Ziel sei es, Jugendliche mit Kunst in Berührung zu bringen, die sonst nichts mit Kunst zu tun hätten.