Blick in die Produktion bei Mercedes-Benz in Sindelfingen. Wenn die Stammbelegschaft Urlaub hat, sind mitunter Ferienjobber gefragt. Foto: picture alliance/dpa

Gut bezahlte Ferienjobs sind beliebt. Wegen der schwachen Konjunktur sind aber manche Großunternehmen zurückhaltend. Doch es gibt Alternativen.

Die schwache Konjunktur schlägt teils auf die Ferienjobs durch, wie eine Umfrage unserer Zeitung zeigt. Beim TechnologiekonzernBosch, der angesichts schwacher Märkte auch an mehreren Standorten in Deutschland Stellen abbaut, zeichnet sich auch ein deutlicher Rückgang bei Ferienjobbern ab.

 

Inzwischen zeigten sich hier die Auswirkungen der herausfordernden konjunkturellen Rahmenbedingungen, sagte eine Bosch-Sprecherin. 2024 waren bei Bosch noch 1300 Ferienjobber beschäftigt, in diesem Jahr würden deutschlandweit rund 800 Ferienbeschäftigte gesucht, sagte die Sprecherin. Im Großraum Stuttgart – einschließlich der Standorte Schwäbisch Gmünd und Reutlingen – plant Bosch mit 650 Aushilfskräften während der Ferien. Einzelne Stellen seien noch ausgeschrieben, ein Großteil sei aber besetzt.

Einsatz vor allem in der Produktion und Logistik

Auch Autozulieferer ZF rechnet mit einer reduzierten Zahl an Ferienjobbern. „Für die Produktion in Friedrichshafen benötigen wir in diesem Jahr auch wieder Ferienarbeitskräfte, wenngleich auch in deutlich geringerem Umfang als in der Vergangenheit“, sagte ein Sprecher. Dass man Ferienaushilfen benötige sie durch die Produktionsorganisation sowie die gegenwärtige Nachfragesituation bedingt und weitgehend losgelöst von den längerfristigen Entwicklungen zu betrachten, denn es gelte Urlaubszeiten in der Stammbelegschaft zu überbrücken.

Mercedes äußerte sich nicht konkret zu Zahlen. Man setze auch in diesem Jahr bedarfsorientiert Ferienbeschäftigte in den Werken ein, sagte eine Sprecherin. „Die größte Anzahl der Schülerinnen und Schüler und Studierenden wird in den Monaten von Mai bis September 2025 die Beschäftigten unterstützen.“ Freie Stellen und Informationen zur Bewerbung sind auf der Internetseite zu finden – wie im Übrigen bei anderen Unternehmen auch. Die Aushilfen bei Mercedes werden vor allem in der Produktion eingesetzt, es gibt aber auch Ferienjobs in der Logistik, der Verwaltung, den Kundencentern und der Gastronomie. Die Vergütung hängt ab vom Einsatzbereich. In der Produktion bei Mercedes etwa beträgt das Pauschalentgelt knapp 3000 Euro, bei Schichtarbeit können Zuschläge hinzukommen.

Viele Stellen bereits vergeben

Beim Lkw-Hersteller Daimler Truck äußert sich die Sprecherin ähnlich. „Wir bieten auch in diesem Jahr an unseren Standorten bedarfsorientiert Ferienjobs an.“ Porsche verzichtet seit jeher auf Ferienjobber am Stammsitz in Stuttgart, wie eine Sprecherin bestätigte. Hintergrund seien drei Wochen Werksferien.

Beim Motorsägenhersteller Stihl werden in den Werken Waiblingen, Ludwigsburg und Tengen in diesem Jahr wieder rund 100 Ferienaushilfen benötigt. Man sei mit der Besetzung für diesen Sommer bereits in den letzten Zügen, es seien lediglich noch einzelne Stellen zu vergeben. Der Großteil wird in der Produktion und in der Logistik eingesetzt. Beim Reinigungsspezialisten Kärcher sind nach Angaben einer Sprecherin bereits alle Stellen vergeben.

EBM Papst sucht rund 150 Ferienjobber Foto: Philipp Reinhard

Anders sieht es dagegen beim Hohenloher Ventilatorenspezialisten EBM Papst aus. In diesem Jahr werden dort wieder rund 150 Ferienjobs vergeben, nachdem im vergangenen Jahr kaum Aushilfskräfte benötigt wurden. An die Jahre, als man bis zu 500 Aushilfskräfte in den Ferien eingestellt habe, reiche die Zahl zwar noch nicht ran, doch man spüre, dass sich die Auftragseingänge wieder erhöhten, sagte ein Sprecher. Man könne sich noch bewerben – vor allem in der Produktion und im Lager werden Ferienjobber eingesetzt.

Wer in der Industrie keine Chance auf einen Ferienjob hat, kann dennoch zum Zug kommen. Ein Bedarf nach Unterstützung gibt es auch in anderen Branchen – etwa in der Gastronomie und Hotellerie, der Landwirtschaft oder am Bau, wie ein Sprecher der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit sagt.

Bei den Arbeitsagenturen werden Ferienjobs in der Regel eher kurzfristig gemeldet – vor allem von kleineren Unternehmen. Nach Aussage der Jobvermittlung der Agentur für Arbeit Stuttgart sind die Arbeitgeber noch zurückhaltend. Große Firmen deckten ihren Bedarf überwiegend über ihre eigenen Stellenportale ab. Klassische Ferienjobs würden vor allem im Reinigungsgewerbe angeboten, sagt eine Sprecherin der Arbeitsagentur in Stuttgart.