Im Sommer bevölkern hauptsächlich Touristen Paris Foto: dpa

Frankreich zelebriert die kollektive Rückkehr aus dem Urlaub - mit lauter guten Vorsätzen.

Paris - Zwei Monate große Ferien nähern sich in Frankreich dem Ende. Anders als auf der anderen Rheinseite, wo die Sommerpause wegen der zeitlich versetzten Ferien in den Bundesländern uneinheitlich ist, hat der strenge Zentralismus das Leben der Franzosen voll im Griff. In diesen Tagen ergreift die "Rentrée" das ganz Land, "die Rückkehr" - ein französisches Phänomen. Sie ist wie ein kräftiger Paukenschlag, der ein Volk aus einem langen sonnigen Traum reißt.

Sie brechen gemeinsam auf und kehren gemeinsam zurück. Zwar bevölkern Heerscharen von Touristen die atemberaubenden Sehenswürdigkeiten der Seine-Metropole, den Eiffelturm und die Kathedrale Notre-Dame, den Arc de Triomphe und das Prachtmuseum Louvre, aber die großstadtmüden Pariser haben sich in einer Art Massenflucht längst abgesetzt. In den kleinen Quartiers jenseits der lärmenden Touristen-Rennstrecken wirkt die ansonsten überfüllte Kapitale wie ausgestorben. Eine Metropole im Dornröschenschlaf.

Millionen Pariser sehen sich im Juli und August an überfüllten Stränden in Biarritz und in der Bretagne wieder, sowie vorher und nachher auf ebenfalls überfüllten Autobahnen. Ohne Kundschaft sehen auch die Metzger und Wirte, die Obsthändler und Zeitungsverkäufer keinerlei Grund mehr zu bleiben. Nur für Pariser Bäcker gilt eine strenge Sonderregelung. Damit auch der daheimgebliebene Bürger nicht hungern muss, legt eine Vorschrift aus dem Revolutionsjahr 1790 detailliert fest, welche Boulangerie im Quartier im Juli und welche im August die Rollläden herunterziehen darf. Einen Termin beim Zahnarzt zu bekommen? Unmöglich. "à la rentrée", heißt es dann - "bis zur Rückkehr".

Ende August ist es endlich da: das große Rentrée-Feeling. Es begegnet einem überall und in den unterschiedlichsten Facetten. Oft mit einem regelrechten Rentrée-Kaufrausch in den Boutiquen an den Champs-Elysées.

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