Im Westen sind die Autofahrer von Umwegen gestresst. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

In der Stadt muss man sich wohl an die Dichte der Baustellen in den Sommerferien gewöhnen: Das ist die Prognose der Planer im Tiefbauamt. Dafür gibt es Gründe.

Stuttgart - Man braucht keinen Kalender, um zu bemerken, wann die großen Ferien im Land beginnen: Die Zahl der Baustellen steigt dann nämlich sprunghaft über Nacht. Etwa 25 reine Ferienbaustellen sind es in der Landeshauptstadt in diesem Jahr, und schon vor Beginn der unterrichtsfreien Zeit sind die Autofahrer genervt. Und: Die kommenden Sommer werden nicht besser.

Der Zustand der Straßen

Eine gute Nachricht gibt es. Auch wenn die aktuelle Belastung des Straßennetzes gefühlt für Fußgänger, Rad- und Autofahrer immer die schlimmste ist, die man je erlebt hat, kann Jürgen Mutz vom Tiefbauamt beruhigen: Es wird in diesen Sommerferien deutlich weniger gebuddelt als im Sommer 2018. Der Eindruck, dass es besonders schlimm ist, entsteht wohl, weil viele Hauptverkehrsachsen betroffen sind – die Schwabstraße etwa, die Hauptstätter Straße und die Bundesstraßen 14 und 27. Die schlechte Nachricht: Es wird in Zukunft nicht besser. „Das Straßennetz ist in einem so schlechten Zustand, dass wir in den nächsten Jahren diese Schlagzahl halten müssen“, sagt Mutz. Und kurz vor Ferienbeginn kommt die Stadt dann noch mit einer Sperrung im Herbst mit großen Auswirkungen daher: Am ersten Novemberwochenende ist der Schwanenplatztunnel komplett gesperrt. Er bekommt einen neuen Straßenbelag. Der Verkehr wird großräumig umgeleitet. Autofahrer können am Wasen parken und mit der Sonderlinie U 11 der Stadtbahn in die Innenstadt fahren, teilt die Stadt mit. Wegen der Sperrung, die am Donnerstag, 31. Oktober beginnt, haben sogar die Händler in der Innenstadt ihre lange Einkaufsnacht verlegt. Sie findet nun am 26. Oktober statt. Das habe die City-Initiative Stuttgart (Cis) in enger Absprache mit der Stadtverwaltung entschieden. Man wolle nicht, dass es aufgrund des Andrangs zu zusätzlichen Verkehrsbehinderungen und Staus komme, betonte der City-Manager Sven Hahn.

Wartungsintervalle

Die Hauptverkehrsadern sind in Stuttgart einer hohen Belastung ausgesetzt. Wie lange eine Straße hält, das weiß man im Tiefbauamt: „Man rechnet für den Deckbelag mit einer Haltbarkeit von etwa 15 Jahren“, erläutert Mutz. Das heißt jedoch nicht, dass pünktlich alle 15 Jahre ein neuer Belag kommt: „ In der Realität reicht unser Budget nicht dafür aus und wir reparieren später und damit leider auch umfangreicher“, fügt der Fachmann hinzu.

Planbarkeit

Nicht alles können die Planer des Tiefbauamts vorhersehen. So wurden sie in diesem Sommer von zwei Schäden überrascht, die plötzlich eintraten. Zum einen muss die Fahrbahn an der Hauptstätter Straße nach einem Unfall in der vergangenen Woche erneuert werden. Dort ist eine chemische Substanz aus einem leck geschlagenen Lastwagen ausgelaufen, die den Belag angriff. Im zuständigen Amt ist man zuversichtlich, diesen Schaden in der ersten Hälfte der Sommerferien beheben zu können. Auch ein Wasserrohrbruch in der Dobel-/Hohenheimer Straße löst eine ungeplante Ferienbaustelle aus. Die Netze BW versuche, den Schaden so schnell wie möglich zu beheben, gibt Mutz die Informationen des Energieversorgungsunternehmens weiter, das hier zuständig ist.

Vergaben

In der Baubranche geht es aktuell heiß her. Viele Bauherren warten ewig auf Fachfirmen. Diesen Druck haben die Planer der Stadt zumindest nicht. „Bei unseren ausgeschriebenen geplanten Ferienbaustellen hatten wir ausreichend Angebote. Die ungeplanten sind natürlich etwas problematisch“, sagt Mutz. Ungeplant sind zum Beispiel die Arbeiten an der Hauptstätter und der Dobelstraße.

Engstellen und Beschwerden

Auch wenn die Baustellen in die Ferien gelegt werden, weil dann am wenigsten Verkehr durch die Stadt rollt, kommt es den Autofahrern, Radfahrern und weiteren Verkehrsteilnehmern manchmal nicht so vor. Denn sie müssen Umleitungen und Staus in Kauf nehmen, obwohl die Stadt eigentlich frei wäre. Schon jetzt hört man viele Klagen aus dem Westen, weil dort die Schwabstraße zwischen Rotebühlstraße und Augustenstraße saniert wird – die Umleitungen führen durch Seitenstraßen. Auch die Teilsperrung des Schwanenplatztunnels für die weiteren Sanierungsarbeiten an den Tunnelwänden hat schon die ersten Kritiker auf den Plan gerufen, die die Verkehrsführung nicht gelungen finden. Wie auch die Anwohner der Friedrich-Ebert-Straße stöhnen, weil alle, die diese Seitenstraße als Abkürzung wählen, wenn die Heilbronner Straße dicht ist, nun aufgrund der Baustellensperrung oben umdrehen und zurückkommen. Staugefahr dräut auch auf der Bundesstraße 27 weiterhin in Richtung Flughafen, weil in Leinfelden-Echterdingen eine Ortseinfahrt umgebaut wird.

Hitzeschäden oder Blow-Ups

Eine Warnung wegen Hitzeschäden und der Gefahr so genannter Blow-Ups – Verwerfungen der Fahrbahnoberfläche – auf der Autobahn 7 hat das Regierungspräsidium Stuttgart in dieser Saison schon veröffentlicht. Für die Autobahnen 8 und 81 habe diese Gefahr noch nicht bestanden, folglich wurde auch kein Tempolimit verhängt, wie das an der A 7 der Fall war.

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