Hier begrüßt das Fohlen das andere Pony, welches bei seiner Geburt mit dabei war. Ferienkinder dürfen das Fohlen erstmals sehen. Foto: Iris Frey/Iris Frey

Große Überraschung für Lutz Hörr auf dem Sonnenhof in Mühlhausen: Vor wenigen Tagen ist dort ein Fohlen geboren – das erste nach 60 Jahren.

Als es mit seinen stakeligen Beinen neben seiner Mutter Mia auf den kleinen Vorplatz kommt und neugierig herumschaut, strahlen zahlreiche Kinderaugen. Das Fohlen. Es ist da. Und was für eine Überraschung. Die Mutterstute ist noch ein wenig unsicher. Dann trinkt das Kleine bei ihr. Die Kinder halten den Atem an. Sie sind fasziniert von dem kleinen Wesen, das erst wenige Tage alt ist und gerade seinen ersten Ausgang hat. Denn anfangs war es nicht einfach, da hat die Stute das Fohlen nicht gleich trinken lassen. Jetzt scheint es immer besser zu klappen. „Zu Beginn hat ein Pfleger jede Stunde nachgeschaut, ob es getrunken hat“, berichtet Mitarbeiterin Anja Yaszici vom Sonnenhof.

 

In seiner langen traditionsreichen Geschichte des Ferienbauernhofs freut sich Hausherr Lutz Hörr über diesen ganz besonderen Nachwuchs: das erste Fohlen seit 60 Jahren. Dass es da ist, hat eine besondere Geschichte. Die kennt auch Yaszici, die auf dem Lernort Bauernhof seit vier Jahren die Kinder betreut. Auf dem Sonnenhof gab es bisher nie Fohlen, denn dort wird nicht gezüchtet, schließlich ist es ein Reitbetrieb, in dem die Pferde und Ponys ständig im Einsatz sind.

Nachwuchs kam völlig überraschend

Zu dem überraschenden Nachwuchs kam es, weil Lutz Hörr vor ein paar Monaten drei Ponys gekauft hat. Doch er wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass es eigentlich vier Vierbeiner sind, die er da gekauft hat: zwei Stuten, einen Wallach und ein Ungeborenes. „Mia ist immer dicker geworden“, erzählt Yaszici. Während die anderen zweifelten, hatte sie schon früh den Verdacht, dass die Stute trächtig sein könnte. Sie hat selbst Pferde. Ein Tierarzt hat es ihr dann bestätigt. Am 8. August war es soweit. Da war das Fohlen auf einmal da. Eine Kollegin hat es morgens im Stall entdeckt. „Montagmorgen stand es in der Box“, berichtet die Betreuerin. Mia hatte die Geburt ihres wohl ersten Fohlens selbstständig geschafft. „Alles ist gut gegangen.“ Und der ganze Sonnenhof freut sich. Stolz und froh hat Hörr ein Schild am Eingang neben dem Hofladen aufgestellt mit einem großen und einem kleinen Metallpferd daneben: „Ein Fohlen ist geboren.“

Ferienkinder lernen die Tiere versorgen

Die Ferienkinder, die gerade auf dem Sonnenhof weilen, sind besonders fasziniert von dem kleinen Hengst, den sie jetzt bestaunen dürfen – mit seinem braunen Fell und einer kleinen weißen Blesse auf der Stirn. Darunter auch Lina, Mathea, Lilly und Hanna. Die Mädchen im Alter von zehn bis zwölf Jahren sind begeisterte Pferdefans. Sie packen mit an, kehren den Stall, misten aus und erzählen nebenher, was ihnen hier so gut gefällt: Es sei schön, zu sehen, wie die Arbeit mit Tieren ist. „Manchmal ist es anstrengend, aber es macht auch Spaß“, sagen sie. „Sich um Lebewesen zu kümmern, ist cool“, meint Lilly.

Auch Jungs gibt es auf dem Hof, die Pferdeluft schnuppern und dort reiten. Etwa der neunjährige Lias. Heute hat er seinen letzten Tag. Er war fast eine Woche da. „Es hat mir sehr gut gefallen“, sagt er und streichelt Hisbig, ein braunweiß geflecktes Pferd der Rasse Tinker, der sich von den Kindern gerne striegeln lässt und auch brav seine Hufe hebt, wenn es ums Auskratzen geht. Auch die zehnjährige Victoria freut sich, hier mit den Pferden auf Du und Du sein zu können.

Da kommen auch schon die beiden Esel am Stall an. Auch sie werden von den Kindern geritten, weiß Yaszici. Schon sind die beiden Langohren von den Kindern umringt und werden gestreichelt. Arbeit und Spaß gehen Hand in Hand. „Viele Kinder wollen eigene Pferde haben. Hier erfahren sie, wie viel zu tun ist“, sagt die Betreuerin. Sie wissen oft nicht, was dahinter steckt. Jeden Tag die Box sauber machen. Die Pferdebesitzerin weiß auch, dass die Futterkosten in der letzten Zeit extrem gestiegen sind, ebenso die Energiekosten und damit auch die Stallmieten. Bis zu 100 Kinder pro Woche verbringen auf dem Sonnenhof ihre Ferien, der auch Übernachtungen und Reiterferien anbietet. Wer mit Pferden nicht so viel zu tun hat, der darf hier in die Landwirtschaft reinschnuppern: Etwa bei den Rindern den Stall misten. Dann werden auch die Tiere gefüttert. Und die besonders bewegungshungrigen Kinder mögen es, mit E-Quads zu fahren oder im Hochseilgarten zu klettern oder auf dem Bungee-Trampolin zu springen. Nicht nur Kinder aus dem Stuttgarter Raum kommen, sogar auch aus dem Elsass. „Sie sind meist da, um die Sprache zu lernen“, sagt Yaszici.

Namenssuche für das Hengstfohlen

Dass nun die Kinder das Fohlen ausnahmsweise nah anschauen durften, das werden sie nicht vergessen. „Das Fohlen ist so süß, weil es so neugierig auf uns zukam, das war so cool“, sagte Lilly. „Einfach unfassbar“, stimmt ihr ein anderes Mädchen zu. Nun fehlt nur noch ein Name für den kleinen Vierbeiner. Bis zum 16. August sammelt Hörr Vorschläge für das Hengstfohlen unter der E-Mail info@dersonnenhof.com.