400 Kubikmeter Gestein sind ins Tal abgerutscht. Der Wielandstein hat sein Gipfelkreuz und zwei Meter an Höhe verloren Foto: Thomas Faltin

In Erwartung der Schaulustigen, die die Folgen des Naturspektakels am Albtrauf in Augenschein nehmen wollen, hat die Gemeinde Lenningen (Kreis Esslingen) den Sperrbezirk rund um den abgerutschten Wielandstein ausgeweitet.

Lenningen/Neidlingen - „Wir gehen auf Nummer sicher“, sagt der Lenninger Bürgermeister Michael Schlecht. Rund ein Drittel des markanten Felsens war in der Nacht zum Mittwoch ins Tal gestürzt. Die Gesteinsmassen hatten eine rund 200 Meter lange Schneise in den darunter liegenden Hangwald geschlagen.

Der vormals 671 Meter hohe Felssporn und die Reste der um das Jahr 1150 auf ihm errichteten Burg waren vor dem Felssturz ein beliebtes Ausflugsziel gewesen. Mit der Sperrung der Wege rund um den Felsen will die Gemeinde verhindern, dass sich Wanderer unnötig in Gefahr begeben. Die Sperrung des Felsens, der sich auch in der Kletterszene einer großen Beliebtheit erfreut hatte, ist auf unbestimmte Zeit angelegt. „Wir sind derzeit dabei, nach Fachleuten zu suchen. Die sollen uns sagen, wie wir künftig mit dem Wielandstein umgehen sollen“, sagt Schlecht. Vom Votum der Experten will er abhängig machen, wann das beliebte Wanderziel wieder zugänglich gemacht wird. Auf der Suche nach Lösungen will die Gemeinde auch auf den Sachverstand von Kletterern und der Bergwacht zurückgreifen.

Der ersten Einschätzung Schlechts zufolge hat der zuletzt schnelle Wechsel von Frost- und Tauperioden dem zerklüfteten Jurafelsen zugesetzt. Erste Schätzungen gehen von rund 400 Kubikmeter Fels aus, die ins Tobeltal gestürzt sind. Das Naturereignis hat den Wielandstein um sein Gipfelkreuz und rund zwei Meter seiner ursprünglichen Höhe gebracht. Glücklicherweise waren die den Abhang herunterstürzenden Gesteinsmassen zum Stillstand gekommen, bevor sie die Wanderwege in Mitleidenschaft ziehen konnten.

Dass sich die in der Regel unauffällig vollziehende erdgeschichtliche Dynamik der Schwäbischen Alb auf einen Schlag Bahn bricht, ist nicht ungewöhnlich. „Ich betreue das Lenninger Forstrevier und den Albtrauf im Lautertal seit zehn Jahren. In dieser Zeit ist es zu drei Felsstürzen gekommen“, sagt Revierförster Alexander Klein. Allerdings sei der Abbruch des Wielandsteins das bisher spektakulärste Naturschauspiel gewesen.

In der Regel vollzieht sich das Zurückweichen der Schwäbischen Alb in kaum messbaren Dimensionen. Mit den Auswirkungen des schleichenden Rückzugs werden die Wanderer auf der Alb auch an anderer Stelle konfrontiert. Die über Neidlingen aufragende Burgruine Reußenstein ist seit einiger Zeit für Besucher gesperrt. Die unter der Regie des Landkreises regelmäßig durchgeführte Sicherheitsüberprüfung hatte ergeben, dass sich Gesteinsbrocken aus der Felsformation lösen können. Die Burgwand selbst war vor zwei Jahren umfangreich saniert worden.

„Ein Ingenieurbüro überprüft derzeit die Sicherheit der Felsen und erarbeitet Vorschläge, wie das Gelände gesichert werden kann“, sagt Peter Keck, Sprecher der Landkreisverwaltung. Bei den Untersuchungen wurde festgestellt, dass auch der beliebte Wanderweg unterhalb der Ruine akut von Steinschlag bedroht ist. Der Waldweg ist inzwischen, wie auch die rund 70 Meter unterhalb der Ruine verlaufende Forststraße, für den Publikumsverkehr gesperrt. In der Felswand oberhalb der Wege befinden sich noch zahlreiche akut absturzgefährdete Felspartien.

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