Ausstellung im März 2016 in der Galerie der Stadt mit dem Maler Hanjo Schmidt (li.), der die Fellbacher Schauspielerin Katja Bürkle und ihre Lebensgefährtin Silja Bächli porträtierte, und Galerieleiter Heribert Sautter. Foto: Dirk Herrmann

Für die Christdemokraten in Fellbach steht fest: „Gerade im Kulturbereich müssen wir ehrlicher werden.“ Als Alternativquartier sei die private Galerie Renz tauglich.

Verschieben, reduzieren, aussetzen, abschaffen: Es gibt viele Möglichkeiten, wo Fellbach den Geldhahn zudrehen könnte, um durch geringere Ausgaben den Haushalt zu konsolidieren. Ausgespart wurde in den beiden Sparpaketen der vergangenen Wochen das Thema Kultur: Die Zukunft von bildender Kunst, Musik, des Theaterprogramms in der Schwabenlandhalle oder das mögliche Aussetzen der alle drei Jahre stattfindenden Triennale Kleinplastik in der Alten Kelter (die nächste wäre 2028) soll in einer Sitzung, vermutlich im April, diskutiert und entschieden werden.

 

Im Zuge der Haushaltsberatungen hat CDU-Sprecherin Anja Off allerdings bereits jetzt einen stark dimensionierten Pflock eingeschlagen. „Wir werden auch unangenehme Entscheidungen nicht aussparen“, kündigte sie einleitend an, um dann die überraschende Forderung zu stellen: „Für uns gehört dazu die Schließung der städtischen Galerie.“

Eine Frage der Finanzierbarkeit – „kein Urteil über die Qualität der Arbeit“

Das sei, sagte sie offenkundig mit Blick auf den Galerieleiter und stellvertretenden Leiter des Fellbacher Kulturamts Heribert Sautter und dessen Bilanz, „kein Urteil über die Qualität der Arbeit, sondern eine Frage der Finanzierbarkeit“. Wenn Pflichtaufgaben abgesichert werden müssten, könne sich Fellbach „nicht jede freiwillige Struktur in gleicher Form leisten“.

Off brachte zudem gleich ein privates Ausweichquartier ins Spiel: Mit der Galerie Renz – sie befindet sich in der Cannstatter Straße, quasi schräg gegenüber dem im Rathaus angesiedelten städtischen Ausstellungsbereich – gebe es in Fellbach eine Alternative, die derzeit bereits ihr 25-jähriges Bestehen feiert.

„Dies könnten wir nutzen, um Exponate dort auszustellen oder bestehende städtische Liegenschaften wie das Stadtmuseum oder die Stadtteilrathäuser, Bibliotheken oder Veranstaltungsstätten nutzen, um dort die Ausstellungsstücke im Alltag den Bürgerinnen und Bürgern näherzubringen.“ Dadurch könnten Räumlichkeiten, gemeint ist eben wohl die Galerie selbst, anderen Nutzungen zugeführt sowie „Personalressourcen eingespart werden“.

Ihre Begründung für diesen Vorschlag garniert Off mit allgemeinen Ausführungen: „Gerade im Kulturbereich müssen wir ehrlicher werden. Kultur ist wichtig für Fellbach – aber die Stadt kann in der aktuellen Lage nicht alles selbst organisieren und bespielen.“ Deshalb schlage die CDU-Fraktion vor: „Weniger städtische Eigenproduktion, mehr Kultur über Vereine und Initiativen.“

Das heißt für die Fellbacher Christdemokraten: Dort, wo Vereine und Träger „nachweislich leistungsfähig“ seien, sollten sie mehr übernehmen – und dafür sollten dann auch gezielt Mittel bereitstehen, die dann „die städtische Durchführung ersetzen“. Und wenn Aufgaben verlagert würden, seien „Stellen konsequent zurückzuführen; sonst entstehen teure Doppelstrukturen“. Im Endeffekt läuft dieser Vorschlag also auf eine Reduzierung der personellen Ausstattung des Kulturamts hinaus.

Welche Zukunft hat die Triennale Kleinplastik in Fellbach?

Ansonsten spielte in den Statements der Fraktionen das Thema Kultur nur eine geringe Rolle. SPD-Fraktionschef Andreas Möhlmann regte allerdings an: „Für die Zukunft der Triennale wollen wir eine Festlegung, wann die nächste Ausstellung stattfinden wird.“ Dies solle im Zusammenhang mit personellen Veränderungen im Kulturamt – offenkundig eine Andeutung bezüglich Sautters Ruhestand im Jahr 2027 – eng mit der Neubesetzung der dortigen Stelle verbunden werden.

Was die eigentlich als kulturaffin geltende Oberbürgermeisterin Gabriele Zull von einer Schließung der städtischen Ausstellungsräume hält und ob der Vorschlag, die Existenz der einst im Oktober 1997 eröffneten Galerie der Stadt Fellbach nach dann knapp 30 Jahren zu beenden, eine Mehrheit findet, entscheidet sich bei der Verabschiedung des Haushalts 2026 am Dienstag, 24. März.

Es sei denn, das Thema wird, wie ursprünglich angedacht, bis zur Grundsatzberatung zum Kultursektor in einigen Wochen verschoben.