Aus diesem Glas von Helli Schmieg wird zur Eröffnung OB Nopper trinken. Foto: Eva Herschmann

In Stuttgart wird das Weindorf eröffnet. Helli Schmieg, Besenwirtin aus Fellbach, auch bekannt durch Schmiegs Gastro für den VfB, ist mit ihrer Laube „Zur Weindorfwirtin“ auf dem Schillerplatz mit dabei. Jeden Tag von früh bis spät, wie seit 47 Jahren.

Sobald an diesem Mittwoch das Weindorf in Stuttgart eröffnet wird, steht Helli Schmieg wieder jeden Tag in ihrer Laube auf dem Schillerplatz, bis zum 10. September. „Ich habe zwölf Tage lang einen Zwölf-Stunden-Tag“, sagt die Besenwirtin aus Fellbach-Oeffingen und lächelt, als sei dies das Normalste der Welt.

 

Das Weindorf ist wie ein Jungbrunnen für die Junggebliebene, die ihr genaues Alter nicht in der Zeitung lesen will. Nur, dass sie ihren 80. Geburtstag bereits vor geraumer Zeit gefeiert hat, so viel darf verraten werden. Seit dem ersten Weindorf vor 47 Jahren ist Helli Schmieg dabei und damit mittlerweile die letzte aus der ersten Generation der Weindorfwirtinnen und -wirte.

Fotoalben erinnern an prominente Besucher

Helli Schmieg hat die Fotoalben ausgepackt und auf dem Tisch in der gemütlichen Bauernstube daheim in Oeffingen ausgebreitet. Die Seiten stecken voller Erinnerungen. Auch alle Ausgaben der „Weindorf-Zeitung“, die es zu ihrem Bedauern seit ein paar Jahren nicht mehr gibt, hat Helli Schmieg zuhause aufbewahrt. „Das war eine tolle Sache.“ Gerne blättert sie in den Alben und den alten Zeitungsausgaben und erinnert sich an die Anfangsjahre des Weindorfs, das 1976 zum ersten Mal stattfand und seit 1978 als „Deutschlands schönstes Weindorf“ wirbt. Und an die vielen Prominenten aus Kunst, Politik und Sport, die sie schon in ihrer gemütlichen Laube bewirtet hat.

Den markanten Slogan habe sich Peer Uli Faerber ausgedacht, seinerzeit Stuttgarter Verkehrsdirektor, erzählt Helli Schmieg. „Mit ihm haben wir damals das Weindorf begründet.“ Anfangs mit viel Aufwand beworben. „Wir sind im Vorfeld vier Wochen durch das ganze Land getourt, um Werbung für das neue Weindorf zu machen“, sagt Helli Schmieg. Die Delegation bestand aus ihr, als der ersten gewählten Weindorfwirtin, aus Dieter Zaiss, dem „Weinschultes“, und einem Fahrer. Mit Fellbacher Wein im Gepäck seien sie in die größeren Städte in Württemberg und auch in Baden gefahren, um in den jeweiligen Rathäusern vom bevorstehenden Fest zu erzählen. „Fünf Jahre lang haben wir das gemacht, danach war das Weindorf ein Selbstläufer.“ Und ein Exportschlager dazu.

Gerne erinnert sich Helli Schmieg auch an das Hamburger Weindorf zurück. 16 Jahre seien sie in der Hansestadt zu Gast gewesen. „Bei uns haben die Hamburger das Weintrinken gelernt“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Und sie war stets mittendrin mit ihrem Akkordeon. „Die Jahre in Hamburg möchte ich nicht missen“, sagt Helli Schmieg. Ebenso wenig wie das einige Jahre währende Gastspiel des Weindorfs in Bonn, damals die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland. „Das war eine ganz elitäre Sache, da waren nur fünf Wirte aus Stuttgart und geladene Gäste aus Politikerkreisen dabei.“

Dass Helli Schmieg gerne in Erinnerungen schwelgt, liegt auch daran, dass sich seit den Anfangszeiten viel verändert hat. Die neue Generation von Wirtinnen und Wirten habe das Gesamtbild verändert, sagt die Weindorfwirtin der ersten Stunde, die ihren Titel noch immer mit Stolz trägt. „Die Lauben sind zum Teil sehr modern eingerichtet“, sagt Helli Schmieg. Der Lounge-Charakter ist nicht so ihr Ding. „Bei uns hängen immer noch Gardinen an den Fenstern, und ich trage jeden Tag Dirndl“, sagt sie.

Ihr treues Publikum honoriert das. „Wir haben für dieses Jahr natürlich schon viele Reservierungen. Aber wir lassen auch immer einen Platz für Gäste, die spontan vorbeikommen wollen.“ Aber allein schon durch die vielen Jahre, die sie mit ihrer Familie die Gastronomie beim VfB Stuttgart gemacht habe und die Besenwirtschaften in Oeffingen und in Winterbach sei ein großes Potenzial an Stammgästen vorhanden.

Hohe Preise? „Die sind abgesegnet“

Kritik an den Preisen, wie sie im Vorfeld des diesjährigen Weindorfs geäußert wurden, hat Helli Schmieg bisher nicht gehört. „Die Geschäftsstelle von Pro Stuttgart segnet die Speisekarte und die Preise ab.“ Überhaupt seien die Kontrollen umfangreich. „Zweimal kommen die Weinkontrolleure vom Amt für öffentliche Ordnung vorbei.“ Unter anderem, um zu schauen, ob Champagner ausgeschenkt wird, was bei strengen Geldstrafen verboten ist, da das Fest eines sein soll, das den hiesigen Wein und die lokalen Weinmacher unterstützt.

Helli Schmieg, die zweimal, in den 70er- und 80er-Jahren, Faschingsprinzessin bei der Gesellschaft Stuttgarter Rössle war, freut sich „narrisch“ auf den zwölftägigen Weindorftrubel. „Ich mache die Gastronomie bis heute mit Liebe und Herz. Sonst könnte ich das gar nicht so lange machen.“

Das Weindorf in Stuttgart

Eröffnung
 Das 47. Stuttgarter Weindorf wird an diesem Mittwoch um 18.30 Uhr mit einer musikalisch-kulturellen Feier im Innenhof des Alten Schlosses eröffnet. Die Moderation hat Jens Zimmermann, und die offizielle Eröffnung übernimmt Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper.

Kulturlaube
 Eine Neuerung in diesem Jahr ist die Kulturlaube an der Ecke Schillerplatz und Richard-von-Weizsäcker-Planie. Dort finden alle Veranstaltungen des Stuttgarter Weindorfs sowie unzählige Kulturprogramme statt. Von Comedy, Clownerie und Gesang, Musik und Tanz bis zu den beliebten Weindorf-Treffs in Kooperation mit dem SWR4, den Stuttgarter Nachrichten und der Stuttgarter Zeitung. Bei dem unterhaltsamen und lockeren Talk mit Promis sind diesem Jahr unter anderem der Kabarettist Bernd Kohlhepp und der Zwei-Sterne-Koch Stefan Gschwendtner zu Gast.