Stimmungsvoll gestaltet ist der Fellbacher Weihnachtsmarkt, doch die Angebote der Buden werden bemängelt. Foto: Patricia Sigerist

Händler und Besucher des Fellbacher Weihnachtsmarktes wünschen sich mehr Stände, an denen weihnachtliche Artikel angeboten werden. Sie hoffen auch, dass die Auftritte auf der Bühne im Innenhof zahlreicher werden.

Fellbach - Diese Beschreibung der Fellbacher Budenstadt ist niederschmetternd, doch sie kommt von einer aufmerksamen Beobachterin, die den Weihnachtsmarkt in Fellbach kennt: „Wenn man sparen will, dann geht man auf den Fellbacher Weihnachtsmarkt“, sagt die ehrenamtliche Verkäuferin. Sie steht an einem trüben, verregneten Tag am Stand der Freiwilligen-Initiative Baff, bezieht ihre Kritik auf die sich ausbreitende Gastronomie. Sie vermisst im Angebot Stände mit Deko-Artikeln für Weihnachten, wo man „Gschenkle finden kann“, Kunsthandwerk oder auch Spielsachen feilgeboten werden.

„Der Glühwein am Stand neben mir ist gut, deshalb kommen die Leute“, sagt Jürgen Dreher, der Mann für gebrannte Mandeln und Co. Er profitiert, wovon der Frau am Baff-Stand zuviel geboten ist: „Hier dreht sich halt alles ums Essen und Trinken.“ Zu kurz kommt ihm die musikalische Unterhaltung der Besucher. Rolf Krautter vom Marktamt habe ihm gesagt, dass „jeden Abend auf der Bühne Programm“ sei. Außer am Wochenende sei aber bisher tote Hose gewesen, trotz der beiden neuen, schützenden Holzhäuschen.

Vielleicht müsse man mehr Platz schaffen für Stände

„Ein Markt zum Bummeln ist das nicht“, klagt Jürgen Dreher, der schon fast zehn Jahre lang mit seinem Süßigkeiten-Stand den Duft von gebrannten Mandeln auf den Fellbacher Weihnachtsmarkt bringt. „Es ist schön, dass die Beleuchtung jetzt nach außen fortgesetzt wurde“, stellt er fest und dass „die neue Oberbürgermeisterin etwas ändern will.“ Das gehe natürlich nicht „von heute auf morgen“, aber vor allem auch nicht dadurch, dass man mehr Tannenbäume aufstellt. Vielleicht müsse man mehr Platz schaffen für Stände, schlägt er vor und zeigt dann in Richtung Kirchplatz. Die dort stehende Eisbahn könnte seiner Meinung nach stattdessen auf dem Marktplatz aufgebaut werden.

Das neue, in diesem Jahr erstmals von der Stadt Fellbach und Jens Mohrmann, dem Tourismus-Chef in Fellbach, umgesetzte Konzept sieht neben der Verdoppelung der Tannenbäume von 150 auf 300 eine Genuss-Zone außerhalb des Innenhofs zwischen Rathaus und Eisbahn vor. Alexander Waschek dreht dort die Roten Würste auf dem Grill um. Nach vier Jahren Pause ist er wieder auf den Fellbacher Weihnachtsmarkt zurückgekehrt, davor war er fast 20 Jahre hier. Zufrieden ist er mit dem Geschäft in diesem Jahr nicht wirklich, und er ist enttäuscht, dass ihm gegenüber ebenfalls Würste verkauft werden. „Man hatte mir gesagt, dass es an dem Stand ein anderes Genuss-Angebot und keine Würste geben würde. Jetzt machen wir uns Konkurrenz.“

Die Stadtoberen hörten ja nicht auf die Standbetreiber

Jahrelang stand an der Ecke zum Eingang der Fellbacher Lutherkirche Sabine Freitag. Jetzt hat die Marktregie sie in Richtung S-Bahn-Gleise umgesiedelt. Sie ist mit dem neuen Standort nicht glücklich. „Es zieht, ich muss mit einem Vorhang den Wind abhalten“, sagt sie und deutet auf den durchsichtigen Windschutz. Mittlerweile sei sie zusammen mit Bernhard Seyfang vom Nachbarstand die Einzige, die weihnachtliche Deko-Artikel anbiete. Bei ihr sei das „Geschäft nicht weniger als im Vorjahr“, aber das liege auch an ihren Stammkunden. Die wissen, dass es in dem kleinen Holzhäusle Nikolausanhänger, Engele oder filigrane Sterne gibt. Aber Sabine Freitag sehnt sich zurück an ihren alten Standort.

Die Stadtoberen hörten ja nicht auf die Standbetreiber, klagt Bernhard Seyfang, der mehrfach in den zurückliegenden Jahren Verbesserungsvorschläge für die attraktivere Gestaltung des Fellbacher Weihnachtsmarktes eingereicht hat. Seiner Meinung nach hat der Markt sein Thema verfehlt. Er habe einen alten Film vom Fellbacher Weihnachtsmarkt gesehen, da habe es viel mehr Stände gegeben, und ein wesentlich breiteres Angebot mit „Weihnachtlichem“, erzählt er.

Bernhard Seyfang kommt seit 25 Jahren, unter anderem mit Schwibbögen und Räuchermännle auf den Markt: „Die Eisbahn ist zweifelsohne eine schöne Sache für Kinder, aber sie braucht halt auch viel Platz“, sagt er und schlägt ebenfalls vor, das Schlittschuh laufen auf den Marktplatz zu verlegen. Das könne bewirken, dass der Betrieb in der Gasse zwischen Kirchplatz und Marktplatz entlang der Lutherkirche und dem Flügel des Rathauses belebt wird oder die Stände von dort zusammen mit anderen auf den Kirchplatz umziehen könnten.

In den Lounge-Hütten herrscht gähnende Leere

An dem von Bernhard Seyfang bezeichneten Weg sind in diesem Jahr zwei Stände mit Kleidung und Lederwaren aufgebaut. Bei letzterem steht Nazir Ahmadchan mit einem traurigen Gesicht hinter der langen Flucht von Geldbörsen und Gürteln aus Leder. „Ganz schlecht“ laufe es dieses Jahr, sagt er. So schlecht wie nie in den letzten sieben Jahren.

Sajjad Hussain hat seinen Stand mit warmen Mützen und Schals gegenüber. Er ist zum ersten Mal auf dem Fellbacher Weihnachtsmarkt, kann also keine Vergleiche ziehen. Aber Kundschaft ist auch an seinem Stand weit und breit nicht zu sehen.

Derweil füllt sich der Rathausinnenhof. Glühwein und Rote Wurst passen zu dem ersten Abend mit frostigen Temperaturen. Man schwätzt und trifft sich unterm „Sternenhimmel“, die Bühne bleibt wieder leer. Am Baff-Stand verkaufen Kids der mobilen Jugendarbeit Selbstgebasteltes und am AMF-Stand Azubis für einen guten Zweck.

Vom Kirchturm schlägt es 18 Uhr. Auf der Eisbahn wird es voll. In den Lounge-Hütten herrscht gähnende Leere. Zwei Besucherinnen stehen davor und erinnern sich an früher, an mehr Buden mit Angeboten für den Christbaum und anderem festlichen Schmuck. Tannenbäume allein machen halt keinen Weihnachtsmarkt.

In anderen Städten wird übrigens am Ende des Marktes mit den Händlern in geselliger Runde Manöverkritik oder -lob geübt. Auch das gibt es in Fellbach nicht.

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