Der Prozess findet vor dem Amtsgericht Waiblingen statt. Foto: Patricia Sigerist

Ein Fellbacher muss sich wegen falscher Verdächtigung vor dem Amtsgericht Waiblingen verantworten. Er hat seine Schwester beschuldigt, sein Mobiltelefon gestohlen zu haben.

Waiblingen/Fellbach - Der Angeklagte redet wie ein Wasserfall. Aber was er erzählt, klingt für die Richterin Dotzauer höchst zweifelhaft. „Sie sind eine Quasseltüte, Ihnen kann man nix glauben“, sagt die Vorsitzende des Gerichts. Das hört Toni Capresi (Name geändert) nicht gerne, schließlich muss er seine Glaubwürdigkeit nachweisen, denn er steht wegen falscher Verdächtigung vor dem Amtsgericht Waiblingen.

Der Auslöser, der den Fall ins Rollen gebracht hat, trug sich im Mai des vergangenen Jahres zu. Toni Capresi, der mit seiner Frau und drei Kindern in Fellbach lebt, hatte Besuch von seiner Schwester. Laut dem Angeklagten ist das Verhältnis angespannt, denn die Familie des Italieners akzeptiert seine Partnerin nicht, die aus Serbien stammt. „Meine Schwester ist ihretwegen schon ausgerastet und auf sie losgegangen“, erzählt Toni Capresi. An dem besagten Nachmittag habe sein Mobiltelefon auf dem Terrassentisch gelegen, dann war das Handy plötzlich weg. „Ich habe noch gesehen, wie meine Schwester gerannt ist“, sagt der 25-Jährige.

Der Staatsanwalt stellt Strafantrag

Toni Capresi zeigte seine Schwester wegen Diebstahls an. Diese akzeptierte einen Strafbefehl über 600 Euro nicht, so kam es zum Prozess. In der Verhandlung sagte die Großmutter im Zeugenstand, dass ihre Enkelin an dem besagten Tag nicht bei ihrem Bruder, sondern bei ihr zu Besuch gewesen sei. Toni Capresi machte dagegen von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch: „Es ist doch meine Schwester“, begründet er sein Schweigen. Diese wurde freigesprochen. Dem Staatsanwalt kam die ganze Geschichte jedoch fragwürdig vor. Er stellte Strafantrag wegen falscher Verdächtigung gegen Toni Capresi. Diesen wollte Richterin Dotzauer aber wegen Bedenken nicht erlassen und beraumte eine Hauptverhandlung an.

Der Angeklagte ist schon lange Hartz-IV-Empfänger, seine Freundin erwartet momentan das vierte Kind. Das Verhältnis zu seiner Schwester sei schon lange belastet, sagt der Fellbacher. „Sie rastet oft aus, und fünf Minuten später ist alles wieder schöne heile Welt.“

Die Schwester hasst die Partnerin ihres Bruders

Das erzählt auch die Partnerin von Toni Capresi, die als Zeugin geladen ist: „Seine Schwester hasst mich, deshalb hat sie das gemacht.“ Aus Angst vor der Frau habe sie während des Besuchs die ganze Zeit in der Küche gestanden. Der Angeklagte erzählt, dass er nach dem Verschwinden des Mobiltelefons sofort seinen Vater verständigt hatte. „Der sagte mir dann, dass meine Schwester vor Wut das Handy irgendwo dagegen geschmissen und dann im Wasser versenkt hat.“ Das wollte die Richterin Dotzauer jedoch nicht so recht glauben. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass es irgendwann nochmal auftaucht.“

Trotzdem drängt die Vorsitzende des Gerichts darauf, das Verfahren einzustellen. Auf Geheiß der Richterin ruft die Vertreterin der Anklage beim Dezernenten der Staatsanwaltschaft an. Dieser stimmt der Empfehlung zu. „Jetzt ist die Klappe endgültig zu“, sagt Richterin Dotzauer.

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