„Spiel mir das Lied vom Tod“: Der Western mit Claudia Cardinale eröffnet am 12. August das Fellbacher Sommernachtskino. Foto: Verleih

Bei der 27. Auflage im Fellbacher Rathaus-Innenhof gibt es die ganze Palette cineastischer Delikatessen. Mal Komödie, mal Tragödie, mal Klassiker bei der Auswahl sollte jeder fündig werden.

Fellbach - Es gibt nicht wenige Experten in der Branche – etwa den als „Kino-Mogul“ bezeichneten Heinz Lochmann aus Rudersberg (Besitzer von einem knappen Dutzend „Traumpalast“-Kinos allein in der Region Stuttgart) – für die ist dieser Film quasi das Nonplusultra der cineastischen Kunst: „Spiel mir das Lied vom Tod.“ Allein die immer wieder auftauchende Klagemelodie des namenlosen Mundharmonikaspielers (dargestellt von Charles Bronson) ist unvergesslich.

1968 kam das Meisterwerk von Regisseur Sergio Leone in die Kinos – beginnend mit der Ankunft eines wortkargen Revolverheldens an einem gottverlassenen Viehbahnhof inmitten der Wüste, gefolgt von der Schießerei mit drei Revolvermännern. Dass dieser Klassiker des Italowesterns nun den Auftakt des diesjährigen Fellbacher Sommernachts-Open-Air-Kinos bestreitet, ist kein Zufall. Schließlich ist Italien eines der beiden Länder des diesjährigen Europäischen Kultursommers in Fellbach.

„Tulpenfieber“ zum Abschluss in Fellbach Foto: Verleih

Gezeigt wird das Mammutwerk am Samstag, 12. August – mit dem Vorfilm „Careful with that Crossbow“. Der ist zum Glück gerade mal einer Minute und 49 Sekunden lang. Denn angesichts der drei Stunden von „Spiel mir das Lied vom Tod“ (genau: 164 Minuten) dürfen die Zuschauer vermutlich bis Mitternacht ausharren.

Die Kinowoche unter freiem Himmel, einst vom damaligen Fellbacher Kulturamtsleiter Thomas Knubben initiiert, findet heuer zum bereits 27. Mal in diesem außergewöhnlichen Ambiente statt. Wobei die Schorndorfer, die am dortigen Burgschloss ihr 30. Sommerfilmfestival begehen, noch etwas mehr Tradition vorweisen können.

Seit 2009 ist Melanie Hoffmann verantwortlich für Ablauf und Filmauswahl im Rathaus-Innenhof. Sie gehört zum Team des Ludwigsburger Vereins Kinokult, der neben den dortigen Lichtspielhäusern Scala, Caligari und Luna auch das Orfeo im Gewölbekeller des Großen Haus in der Schmidener Butterstraße betreibt. „Unser Bestreben ist es immer, sorgfältig ausgewählte Filme und exzellente digitale Technik in Bild und Ton zu verbinden“, sagt sie. Wie es das Publikum gewöhnt ist, so haben Kinokult und Fellbacher Kulturamt sich auch 2017 große Mühe gegeben, einen Klassiker („Spiel mir das Lied vom Tod“), einen Familienfilm, eine Preview (Vorabaufführung) und internationale Filmkunst mit erfolgreichen Publikumsfilmen zu kombinieren. Was vor sieben Jahren mit großem Erfolg gestartet wurde, erfährt in diesem Jahr seine Fortsetzung – nämlich dass vor jedem Hauptfilm ein passender Vorfilm gezeigt wird. Der längste ist in diesem Jahr „Trial & Error“ aus Deutschland – ein 5,27 Minuten langer Animationsstreifen über einen verlorenen Hemdknopf.

Große Auswahl bei den Filmen

Stets ein Thema ist bei einem Fest unter freiem Himmel natürlich das Wetter. Gespielt wird eigentlich immer, abgesehen von echten Unwetterereignissen (Blitz und Donner, Sturm). Doch niedrige Temperaturen und feuchte Witterung drosseln das Besucherinteresse – 2016 lag man mit rund 3000 Besuchern an den acht Tagen deutlich unter Spitzenjahren mit 4000 Interessenten. Wobei durch die Reduzierung von 800 auf 650 Plätze pro Abend – bedingt durch die verschärften Fluchtwegebestimmungen – zugkräftige und ausverkaufte Abende die Bilanz nicht nach oben schrauben können.

Beim Blick ins diesjährige Programm lässt sich feststellen, dass dem Italowestern gleich ein Werk folgt, das ebenfalls das Zeug zum Klassiker hat und vermutlich auch in Jahrzehnten noch von den dann jungen Cineasten neu entdeckt werden wird. Es ist „La La Land“, die bezaubernde Liebeserklärung ans alte Hollywood. „Das bittersüße Musical lebt nicht nur von etlichen Anspielungen auf Vorbilder der Filmgeschichte, sondern auch von den zwei überaus charmanten Hauptdarstellern Emma Stone und Ryan Gosling“, erläutert Melanie Hoffmann. Ebenfalls sehenswert ist der französische Streifen „Der Wein und der Wind“, in dem drei Geschwister einen Weinberg erben. „Ein sinnliches, komisches, trauriges und schönes Filmerlebnis“, verspricht die Programmgestalterin.

Für den Abschluss am Samstag, 19. August, hat sich Kinokult als Preview – noch vor dem bundesweiten Start – den britisch-amerikanischen Streifen „Tulpenfieber“ gesichert. „Das opulente historische Liebesepos entführt das Fellbacher Publikum ins Amsterdam des Jahres 1630, in eine gefährliche Liebesgeschichte und die Welt der Malerei“, erläutert Melanie Hoffmann.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: