Axel Kwet mit einem Flugfrosch. Das Tier kann bis zu 20 Meter weit durch die Luft gleiten. Foto: Stoppel

Der Biologe Axel Kwet aus Fellbach interessiert sich besonders für Reptilien und Amphibien. Er ist einer der wenigen Experten auf diesem Gebiet und Geschäftsführer der Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde, die sich für den Artenschutz engagiert.

Fellbach - Haben Geckos ein Gehör? Stirbt eine Schlange an ihrem eigenen Gift? Kann ein Flugfrosch tatsächlich fliegen? Axel Kwet weiß die Antworten auf diese Fragen. Denn der Fellbacher ist promovierter Biologe mit Schwerpunkt Herpetologie. Das bedeutet, dass er ein Fachmann für Amphibien und Reptilien ist, von A wie Axolotl bis Z wie Zauneidechse. Einen Axolotl – der Lurch erinnert an ein urzeitliches, grinsendes Wassermonster – hat Axel Kwet schon als Kind gehalten. „Eigentlich wollte ich ja Dinosaurierforscher werden“, sagt er, „aber dann kam Lurchi, der Salamander, und dann die Molche und Fische.“

 

In der Herpetologie habe er schließlich seine Ecke gefunden, sagt der gebürtige Esslinger, der seine Doktorarbeit über Laubfrösche im brasilianischen Regenwald geschrieben hat. Von den weltweit ungefähr 8000 Froscharten lebten allein in Brasilien mehr als tausend, erzählt Axel Kwet. Deutschland hingegen habe als Folge der Eiszeiten nur rund 20 zu bieten.

Gesellschaft kürt das „Reptil des Jahres“

Bereits als Student, im Jahr 1991, ist Axel Kwet in die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) eingetreten. Seitdem war er auf jeder Jahrestagung und ist seit 2018 auch Geschäftsführer des Vereins. Dieser dürfte einer breiteren Öffentlichkeit vor allem deshalb ein Begriff sein, weil er seit 15 Jahren jeweils abwechselnd ein Reptil oder eine Amphibie des Jahres kürt. Nur die Zauneidechse trägt den Titel „Reptil des Jahres“ ausnahmsweise und coronabedingt nun schon im zweiten Jahr.

Die Zauneidechse stehe derzeit noch auf der Vorwarnliste, sagt Axel Kwet, „aber ihre Zahl geht zurück, wohl auch, weil die Mauereidechse sie verdrängt“. Der Artenschutz, ob in Deutschland oder rund um den Globus, ist ein Schwerpunkt der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde. Menschen, welche die Exotenhaltung kritisch sehen, erklärt der 56-Jährige, dass diese die letzte Rettung für manche Arten sein kann. „Natürlich wäre es besser, wenn das nicht nötig wäre“, sagt Kwet – doch in vielen Fällen stehe man im Wettlauf gegen die Zeit: „Wir alle haben die Verantwortung, dass Arten nicht aussterben.“ Dazu beitragen will der Verein mit dem Projekt „Citizen Conservation“, einem Zuchtprogramm, bei dem ganz normale Bürger, erfahrene Halter von Reptilien und Amphibien und Wissenschaftler zusammenarbeiten, um Arten zu retten. „Die Zoos haben nicht genügend Kapazitäten, um das alleine zu stemmen“, sagt Axel Kwet angesichts der rund 8000 Frosch- und Salamanderarten und etwa 12 000 Reptilienarten weltweit.

Hilfe für den Querzahnmolch aus Mexiko

So geben Zoos Tiere mit Papieren an Vereinsmitglieder ab, die sich dann ehrenamtlich um die Nach- und Aufzucht bedrohter und seltener Arten kümmern. Ein Kandidat ist beispielsweise der Pátzcuaro-Querzahnmolch, dessen einziger Lebensraum, der Pátzcuaro-See in Mexiko, so stark verschmutzt ist, dass der Molch nahezu ausgestorben ist. „Die Hoffnung ist, dass das Gewässer wieder hergerichtet wird“, sagt Axel Kwet. Querzahnmolche für eine Wiederbesiedlung wären dann dank des Projekts vorhanden.

Auch heimische Arten liegen dem Verein am Herzen. In den vergangenen Jahrzehnten habe sich einiges verändert, zieht Axel Kwet Bilanz: „Vor 30 Jahren hat man zum Beispiel hierzulande Schlangen einfach totgeschlagen. So etwas kommt heute zum Glück fast gar nicht mehr vor.“ Trotzdem besteht Anlass zu Sorge. „Das Jahr 2018 war das letzte gute Amphibienjahr“, sagt Axel Kwet, die darauf folgenden, auch wegen der Trockenheit, katastrophal.

An den Schutzzäunen für Kröten, die zur Laichzeit aufgebaut werden, seien immer weniger Tiere zu finden. „Die Frage ist, ob viele Tiere gestorben sind wegen der Trockenheit oder einer Krankheit, oder ob sie nur in ihren Verstecken geblieben sind und herauskommen, wenn die Bedingungen besser sind.“ Axel Kwet hofft Letzteres, sagt aber: „Das Insektensterben ist ja jetzt in aller Munde. Da stellt sich die Frage: Was sollen Frösche noch fressen?“

Wissenswertes über Kriechtiere und Lurche

Herpetologie ist die Lehre und Kunde von Amphibien und Reptilien.

Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde hat rund 6000 Mitglieder in mehr als 30 Ländern. Sie ist die weltweit größte Vereinigung ihrer Art mit 16 Arbeitsgemeinschaften. Etwa ein Prozent ihrer Mitglieder sind Wissenschaftler, die an Unis und Museen tätig sind, rund neun Prozent sind im Artenschutz tätig und etwa 90 Prozent sind fachkompetente Amateure. Der Verein engagiert sich für Artenschutz, sammelt Wissen und will die Sympathie für Amphibien und Reptilien erhöhen.

Seit 2006 kürt der Verein jedes Jahr ein Reptil oder eine Amphibie des Jahres. Der erste Kandidat war die Waldeidechse, derzeit ist es die Zauneidechse.